Chinaladen – Buchempfehlungen

Aktuelle Buchempfehlungen – September 2022

Martina Bölck: Was Sie dachten, niemals über China wissen zu wollen

Was Sie dachten, niemals über China wissen zu wollen – 55 süßsaure Einblicke in ein Land mit vielen Menschen

Martina Bölck
Conbook Verlag (2022)
256 Seiten, 9,95 €

Der Verlag über das Buch

Wollten Sie schon immer mal wissen, wann die Chinesen eigentlich gelb wurden und welche Rolle Konfuzius heutzutage spielt? Oder interessiert es sie mehr, wie sich chinesische Eltern den idealen Schwiegersohn vorstellen, wie junge Chinesinnen schmollen, worüber man beim Smalltalk so redet und wie ein Leben ohne Google, Facebook und Co. funktioniert?

Dieses Buch gibt Ihnen 55 Puzzleteile an die Hand, mit denen Sie Ihr Bild von China ergänzen können. Dabei werden Sie entdecken, dass das bevölkerungsreichste Land der Welt manchmal ganz anders ist, als man es sich vorstellt, und dass es weit mehr zu bieten hat als die Große Mauer und die Verbotene Stadt. Eine humorvolle Reise durch das Reich der Mitte.

Jin Yong: Der Pfad der Adlerkrieger

Der Pfad der Adlerkrieger (Die Legende der Adlerkrieger, Bd. 3)

Jin Yong
Heyne Verlag (2022)
544 Seiten, 17,00 €

Der Verlag über das Buch

Nachdem Guo Jing in drei Prüfungen die Hand seiner geliebten Huang Rong gewonnen hat, wird er auf hoher See in eine tödliche Falle gelockt. Mit knapper Not gelingt es ihm, sich ans Festland zu retten, doch dort lauern bereits neue Gefahren: Jin-Prinz Wanyan Honglie zieht seine Truppen zusammen, und auch das kriegerische Reitervolk der Mongolen rückt immer näher. Um seine Heimat zu retten muss Guo Jing um jeden Preis verhindern, dass die Schriften eine legendären Generals seinen Feinden in die Hände fallen …

Brian Klingborg: Das rote Zeichen

Das rote Zeichen. Thriller

Brian Klingborg
Goldmann Verlag (2022)
416 Seiten, 11,00 €

Der Verlag über das Buch

Die Tote ist perfekt geschminkt und gekleidet, als hätte sie ein Rendezvous. Erst die Autopsie enthüllt, dass man Yang Fenfang ausgeweidet hat wie ein Tier. Die kunstvoll inszenierte Tat reißt Kommissar Lu Fei aus der öden Routine, die seit der Strafversetzung in die nordchinesische Provinz sein Leben bestimmt. Aus Peking kommen alsbald linientreue Kollegen, die rasch einen Schuldigen finden. Lu Fei bezweifelt allerdings, dass der Richtige verhaftet wurde. Er ermittelt weiter und stößt auf eine ganze Serie von bizarren Frauenmorden – doch damit ruft er mächtige Gegner auf den Plan …

Rongfen Wang: Steinway

Steinway. Roman

Rongfen Wang
Matthes & Seitz Berlin (2022)
490 Seiten, 28,00 €

Der Verlag über das Buch

Shi Sun und seine Schwester Shi Zhu sollen Klavierunterricht bekommen, und da die Eltern arme Musiker sind, finanziert ihre Oma den Kauf eines gebrauchten Steinways, dessen wahren Wert niemand in der Familie ermessen kann. Während Shi Zhu fleißig übt und immense Fortschritte macht, sitzt Shi Sun lieber bei den Großmüttern in der Küche und lässt sich Geschichten erzählen. Auch die der Klavierlehrerin Cheng Pinzhi, die ihren Mann, ihren Sohn und ihre Schwiegermutter in der Kulturrevolution verloren hat und als Orchestermusikerin von Mao Zedong selbst umworben wird, bis der Mann ihrer Schwester sie anschwärzt. Sie verbringt sechs Jahre ohne Urteil im Gefängnis, wo mit jeder neuen Zellennachbarin die chinesische Geschichte einen neuen Namen und ein neues Gesicht erhält. In diesem packenden Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, wird die Geschichte der massenhaften Verrohung, der innerlichen Verelendung und der zahllosen Toten in der chinesischen Kulturrevolution greifbar, indem er deren schier unfassbares Ausmaß zeigt. Es ist aber auch ein Roman, der von Zusammenhalt und Solidarität handelt, die keine leeren Losungen der revolutionären Kader bleiben, sondern eine menschliche Eigenschaft benennen, die auch durch die widrigsten Umstände nicht gebrochen werden kann.

Fuchsia Dunlop: Die Küche Sichuans

Die Küche Sichuans – Über 250 Rezepte, 56 Garmethoden, 23 Aromen

Fuchsia Dunlop
Christian Verlag (2022)
496 Seiten, 60,00 €

Der Verlag über das Buch

Fuchsia Dunlop gilt als die Kennerin der Sichuan Küche. Erstmals erscheint nun ihr Bestseller auf Deutsch. Mit spannenden Texten über die kulinarische und kulturelle Geschichte Sichuans und wunderschönen Reise- und Food-Fotografien entführt sie uns in die Region, in der ihre eigene kulinarische Reise begann. Sie überzeugt mit unvergleichlichem Wissen über die überwältigenden Aromen, Texturen und Geschmackserlebnisse der Küche Sichuans.

Gabriele Thelen, Helena Obendiek, Yinchun Bal (Hg.): Handbuch China-Kompetenzen

Handbuch China-Kompetenzen – Best-Practice-Beispiele aus deutschen Hochschulen

Gabriele Thelen, Helena Obendiek, Yinchun Bal (Hg.)
transcript Verlag (2022)
398 Seiten, 45,00 €

Der Verlag über das Buch

Angesichts des rasanten wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Aufstrebens Chinas offenbart sich an deutschen Hochschulen ein deutlicher Mangel an China-Kompetenzen auf allen Ebenen. Wie sind chinesische Kooperationspartner*innen einzuschätzen? Wie sollten Studierende ausgebildet werden, damit sie in Zukunft informiert und (selbst-)bewusst zusammenarbeiten können? Wie kann erreicht werden, dass chinesische Studierende ihre Zeit in Deutschland als akademisch und persönlich bereichernd empfinden? Best-Practice-Beispiele aus elf deutschen Hochschulen geben Anregungen, die sich auch übergreifend auf verschiedene Bildungseinrichtungen und Partnerländer übertragen lassen.

Aktuelle Buchempfehlungen – August 2022

R. Herpich et al: Bildkultur und Mission in China

Bildkultur und Mission in China 1882–1914 – Aus dem Fotoarchiv des Berliner Missionswerkes

Roland Herpich, Wolfgang Krogel, Christof Theilemann (Hrsg.)
Wichern Verlag (2022)
224 Seiten, 30,00 €

Der Verlag über das Buch

Der Bildband lenkt den Blick auf das China des 19. Jahrhunderts und die Geschichte der Berliner Mission in den Jahren 1882 bis 1914. Die Bilder aus dem missionarischen Alltag, aber auch aus vielen anderen Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Kultur und Technik trugen zur Vermittlung von kulturellen Beziehungen zwischen China und Deutschland bei. Das Berliner Missionswerk hat seinen 120.000 Objekte umfassenden Fotobestand erschlossen, 30.000 Fotos digitalisiert. Mehr als 3000 Fotos davon betreffen die Mission in China. Sie stehen der Forschung und der politischen Bildung jetzt zur Verfügung. In diesem Band werden mehr als 150 Fotografien vorgestellt und von Expertinnen und Experten quellenkritisch analysiert und erläutert. Der Band leistet einen Beitrag zur Aufarbeitung der Berliner Missionsgeschichte und der Kolonialgeschichte Deutschlands.

Li Wei: Kampf der Systeme

Kampf der Systeme – Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen im Zeitalter des strategischen Wettbewerbs. Chinesische Perspektiven: Politik, Band 3

Li Wei
ibidem Verlag (2022)
294 Seiten, 39,90 €

Der Verlag über das Buch

Der vorliegende Band erscheint innerhalb der Reihe Chinesische Perspektiven: Politik, in der in Zusammenarbeit mit führenden chinesischen Verlagen grundlegende und einflussreiche Werke, die den Diskurs in China prägen, erstmals einem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht werden. Im Zuge des seit Beginn des neuen Jahrhunderts immer schneller werdenden Aufstieg Chinas erlebt das Verhältnis zwischen China und der Welt Veränderungen von historischem Ausmaß. Durch seine Reform- und Öffnungspolitik integrierte sich China schrittweise in das bestehende internationale System. Li Wei konzentriert sich in seiner vorliegenden Studie auf die Veränderungen in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen, die sich aus der neuen Rolle Chinas in der Welt ergeben. Wei analysiert die Konkurrenz zwischen China und den USA in diplomatischen Beziehungen sowie in Wirtschafts- und Finanzbeziehungen mit anderen Staaten, insbesondere im asiatischen Raum.

Li Hechun et al: Wuxing Yangsheng Gong

Wuxing Yangsheng Gong – Übungen zur Lebenspflege nach den Fünf Wandlungsphasen von Li Hechun. Schriftenreihe der Medizinischen Gesellschaft für Qigong Yangsheng

Li Hechun, Mario Schöniger, Christa Zumfelde-Hüneburg
Mediengruppe Oberfranken (2022)
320 Seiten, 39,95 €

Der Verlag über das Buch

Von 2016 bis 2019 war Abt Li Hechun jedes Jahr im Herbst für mehrere Wochen in Deutschland, um die Übungen des Wuxing Yangsheng Gong zu unterrichten. Während der Seminare sind die Erklärungen zu den Grundlagen der Übungen, deren Beschreibungen sowie die Fotos entstanden. Das Buch Wuxing Yangsheng Gong ist als Übungsbuch konzipiert. Es dient als Lehrmaterial zur Einführung in die Übungen, aber auch zur Begleitung und Vertiefung der eigenen Übungspraxis. Die bildliche Darstellung und die Beschreibung der Übungsabläufe bilden dabei die Schwerpunkte. Die Übungen des Wuxing Yangsheng Gong haben einen engen Bezug zu den Konzepten der Chinesischen Medizin, insbesondere zu den Fünf Wandlungsphasen. Die Übungen dienen der Zentrierung und betonen die Symmetrie, die innere Ruhe und die Stabilität. Die im Inneren ruhenden Kräfte werden gesammelt, dann in kraftvolle und dynamische Bewegungen umgesetzt, um am Ende wieder gebündelt und gespeichert zu werden. Dem Übungsteil vorangestellt sind ein Vorwort von Abt Li Hechun sowie autobiographische Anmerkungen, die seinen daoistischen Lebensweg und für ihn wichtige Meister beschreiben, ergänzt durch zahlreiche daoistische Zitate. Der chinesische Originaltext wurde in das Buch aufgenommen.

Xi Jinping: The Governance of China IV

The Governance of China IV

Xi Jinping
Foreign Languages Press (2022)
722 Seiten, 33,80 €

Der Verlag über das Buch

The Publicity Department of the CPC Central Committee and the State Council Information Office, with the support of the Research Institute of Party History and Literature of the CPC Central Committee, and China International Publishing Group, have compiled a fourth volume of Xi Jinping: The Governance of China. This volume is designed to help officials and the public better understand and apply Xi Jinping Thought on Socialism with Chinese Characteristics for a New Era, to impress upon them the decisive nature of the Two Affirmations, to strengthen their commitment to the Four Consciousnesses, the Four-sphere Confidence, and the Two Upholds, and to guide them to forge ahead in unity and with greater resolve on a new journey in the new era. It is also intended that this volume will keep the international community abreast of the latest developments in President Xi’s thoughts, give them a better understanding of how the Chinese people have succeeded under CPC leadership and how they will continue to succeed in the future, and explain the development path that China has chosen and its approach to and theory of governance. This volume contains a compilation of 109 of Xi Jinping’s spoken and written works from February 3, 2020 to May 10, 2022, along with 45 photographs taken since January 2020. It is divided into 21 sections by topic, with the articles in each section arranged in chronological order. For ease of reading, notes are provided at the end of relevant articles.

Aktuelle Buchempfehlungen – Juli 2022

Deike Lautenschläger: Das Glück verkehrt herum

Das Glück verkehrt herum – Homophone in Taiwan

Deike Lautenschläger, Fotografie & Illustrationen: Liesbeth Cole
Iudicium Verlag (2022)
277 Seiten, 19,80 €

Der Verlag über das Buch

Während man sich im Deutschen das Hirn nach so raren Beispielen zermartert wie „Wer nichts wird, wird Wirt“, fallen den Menschen im chinesischen Sprachraum auf Anhieb unzählige Anwendungen homophoner Wörter ein, also Wörter, die in der lautlichen aber nicht in der geschriebenen Form ganz und gar oder zumindest nahezu übereinstimmen, sich aber in ihrer Bedeutung unterscheiden.

Die hier ausgewählten Glücks- bzw. Tabuwörter reichen zurück bis in die Nördliche Song Dynastie oder sind aus aktuellen Geschehnissen gerade eben entstanden, werden aber gleichermaßen bis heute bewusst oder unbewusst im Alltag und vornehmlich an Feiertagen, an denen das Glück besonders herbei gewünscht wird, benutzt. In 60 atmosphärisch dichten Texten entsteht eine Mischung aus Geschichte, Mentalitäten, Kultur und derzeitigen Befindlichkeiten.

Ha JIn: Der verbannte Unsterbliche

Der verbannte Unsterbliche – Das Leben des Tang-Dichters Li Bai

Ha Jin
Matthes & Seitz Berlin (2022)
304 Seiten, 28,00 €

Der Verlag über das Buch

Ein »verbannter Unsterblicher« wurde Li Bai (701–762) schon zu Lebzeiten genannt: In der offiziellen chinesischen Literatur kaum gewürdigt, erlangten seine Gedichte, die von daoistischem Gedankengut geprägt sind und sich durch Leidenschaft und Lebenslust auszeichnen, bereits in der gesamten Tang-Dynastie über die Rezitationen von Hofunterhaltern, Tavernensängern, Soldaten und Schriftstellern großen Ruhm und landesweite Verbreitung. Noch heute werden seine von tiefer Sehnsucht nach einer höheren, vollkommeneren Welt geprägten Verse chinesischen Schulkindern beigebracht und bei Festen als Trinksprüche aufgesagt; längst sind sie untrennbarer Teil der chinesischen Sprache. Doch wer war dieser Jahrtausenddichter? Mit seinem Gespür eines meisterhaften Romanciers gelingt es Ha Jin, aus den uns überlieferten historischen und literarischen Quellen die Lebensgeschichte des großen Dichters als ein Porträt seiner Zeit zu erzählen. Er folgt Li Bai von seiner Kindheit an der westlichen Grenze bis hin zu seinen Wanderungen als junger Mann, die von Strebsamkeit, aber auch von fröhlicher Unbekümmertheit und lustvollen Ausschweifungen geprägt waren. Er folgt dem Dichter durch seine späten Jahre, in denen er in eine umwälzende militärische Rebellion verwickelt wurde, die den Lauf der chinesischen Geschichte veränderte – und erzählt von den mysteriösen und von Legenden umrankten Umständen seines Todes.

Ying Zhu: Hollywood in China

Hollywood in China: Behind the Scenes of the World’s Largest Movie Market

Ying Zhu
The New Press (2022)
384 Seiten, ca. 30,00 €

Der Verlag über das Buch

China surpassed North America to become the world ’s largest movie market in 2020. Formerly the focus of exotic fascination in the golden age of Hollywood, today the Chinese are a make-or-break audience for Hollywood’s biggest blockbusters. And movies are now an essential part of China’s global “soft power” strategy: a Chinese real estate tycoon, who until recently was the major shareholder of the AMC theater chain, built the world’s largest film production facility. Behind the curtains, as this brilliant new book reveals, movies have become one of the biggest areas of competition between the world’s two remaining superpowers.

Will Hollywood be eclipsed by its Chinese counterpart? No author is better positioned to untangle this riddle than Ying Zhu, a leading expert on Chinese film and media. In fascinating vignettes, Hollywood in China unravels the century-long relationship between Hollywood and China for the first time. Blending cultural history, business, and international relations, Hollywood in China charts multiple power dynamics and teases out how competing political and economic interests as well as cultural values are manifested in the art and artifice of filmmaking on a global scale, and with global ramifications. The book is an inside look at the intense business and political maneuvering that is shaping the movies and the U.S.-China relationship itself—revealing a headlines-grabbing conflict that is playing out not only on the high seas, but on the silver screen.

Jürgen Heiducoff: Die neue Militärmacht

Die neue Militärmacht – Welche Pläne verfolgt Peking?

Jürgen Heiducoff
Das Neue Berlin (2022)
224 Seiten, 18,00 €

Der Verlag über das Buch

Im Südchinesischen Meer kreuzen die Schiffe der NATO, darunter auch eine deutsche Fregatte. Die USA liefern atomgetriebene Atom-U-Boote an Australien und riskieren dafür einen Streit mit ihren Verbündeten in Europa. Und der US-Präsident schließt den Militärpakt AUKUS mit Großbritannien und Australien, der sich erklärtermaßen gegen China richtet. Zuvor hatte Biden bereits den Quadrilateralen Sicherheitsdialog – ein quasi-militärisches Bündnis der USA, Japans, Indiens und Australiens – ins Leben gerufen. Seit 2011, als Präsident Obama seinen »Pivot to Asia« einleitete, unternehmen die USA immer aggressivere Schritte, um die diplomatische und wirtschaftliche Stellung Chinas zu unterminieren. Sie schmieden Allianzen, bauen Militärstützpunkte im gesamten Pazifikraum, um China einzukreisen. Admiral John Aquilino, Chef des US-Kommandos für den indopazifischen Raum, erklärte, ein Konflikt mit China sei »viel näher, als die meisten denken«. Das alles ist der Führung in Peking nicht entgangen. Und deshalb entwickelt es seine militärische Abwehrkraft. Bis 2035 will China eine »grundlegende Modernisierung« seiner Streitkräfte realisieren, bis 2049 die Formierung der stärksten Streitmacht der Welt abgeschlossen haben. Jürgen Heiducoff, ein erfahrender Militär, der sowohl in der NVA als auch in der Bundeswehr, und dort speziell in Afghanistan, seine analytischen Fähigkeiten unter Beweis stellte, unterzieht die chinesische Militärpolitik einer kritischen Sichtung. Ist die Steigerung der Militärausgaben gerechtfertigt? Ist es tatsächlich nötig, zu Wasser, zu Lande, in der Luft, im Kosmos und im Cyberraum aufzurüsten, und zwar in einem Maße, wie es die Welt bislang nicht kannte? Hat nicht schon einmal ein solches Wettrüsten zum Untergang einer Großmacht geführt? Heiducoff untersucht die verschiedenen Aspekte der chinesischen Militärpolitik und bietet eine einzigartige Analyse, die nicht nur exklusive Fakten offenbart, sondern komplexe geopolitische Zusammenhänge sowie ökonomische und ökologische Weiterungen sichtbar macht.

Rainer Feldbacher: Netzwerk Seidenstraße

Netzwerk Seidenstraße – Brücke zwischen Ost und West, Vergangenheit und Gegenwart

Rainer Feldbacher
wbg Philipp von Zabern (2022)
120 Seiten, 38,00 €

Der Verlag über das Buch

Dieses Buch bietet einen kompakten Überblick über die Geschichte der Seidenstraße: von den frühesten Anfängen, dem »offiziellen Beginn« unter dem Han-Kaiser Wudi bis zu den Forschungen der Neuzeit und ihrer »Wiederentdeckung«. Der Autor Rainer Feldbacher ist Orientalist und Archäologe. Er deckt chronologisch die Phasen von der Bronzezeit zum klassischen Altertum, von der Spätantike bis ins Mittelalter ab. Geographisch spannt er den Bogen vom »Reich der Mitte« im Osten bis ins »westliche Asien« am Mittelmeer. Kenntnisreich beschreibt er die Rolle der Seidenstraße als kontaktschaffende Verbindung und analysiert die Muster überregionaler kultureller Vernetzung.

Aktuelle Buchempfehlungen – Juni 2022

Martin Warnke & Martin Woesler: Sozialkybernetik in statu nascendi

Sozialkybernetik in statu nascendi – Die Entstehungsgeschichte des chinesischen Sozialkredit-Systems

Martin Warnke & Martin Woesler
Matthes & Seitz Berlin (2022)
350 Seiten, 28,00 €

Der Verlag über das Buch

Was ist das chinesische Sozialkreditsystem? Kritisch gelesene Quellen ergeben ein überraschendes Bild

Über das chinesische Sozialkreditsystem wird viel und kritisch berichtet, dabei stammen die Vorbilder aus den USA, Japan – und auch aus Deutschland. Was der Westen zum Zweck der finanziellen Kreditsicherung in Form etwa der Schufa in die Welt gesetzt hat, soll nun im Osten zur Gesamtsteuerung eines Eineinhalb-Milliarden-Volkes dienen und wurde bereits weitgehend implementiert.

Der atemberaubende Aufstieg eines Systems zum Schutz vor Kreditausfall hin zur kybernetischen Massenkontrolle mithilfe von Strafen und Anreizen lässt sich hier erstmals anhand von ausführlich kommentierten chinesischen Quellentexten nachvollziehen. Dabei wird deutlich, dass durch das Sozialkreditsystem (Staats-)Kapitalismus und Kommunismus eine revolutionäre Verbindung eingehen, ähnlich aufgebaut und wirkend wie die technischen Protokolle, die das Internet ermöglichten. Persönliches Vertrauen, einst die Basis allen Geldverkehrs, muss im Turbokapitalismus durch instantane, binäre und informatisierte Entscheidungen ersetzt werden. Wer die Entwicklungen verstehen will, wird in diesem Buch überraschende neue Erkenntnisse gewinnen.

Gerd Kaminski: China und die Gelbe Gefahr

China und die Gelbe Gefahr

Gerd Kaminski
Bacopa Verlag (2022)
544 Seiten, 39,80 €

Der Verlag über das Buch

Zum ersten Mal seit dem 1926 erschienenen Buch von Heinz Gollwitzer liegt in deutscher Sprache ein Werk vor, welches sich mit dem Thema in seiner historischen und aktuellen Dimension befasst.

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

Tim und Struppi in Tibet

Tim und Struppi in Tibet. Taschenbuch in chinesischer Sprache


China Children’s Press Beijing (2009)
62 Seiten, 16,80 €

Tim und Struppi: Der blaue Lotus

Tim und Struppi: Der blaue Lotus


China Children’s Press Beijing (2009)
62 Seiten, 16,80 €

Shanghai Modern Ausstellungskatalog

Shanghai Modern 1919–1945. Ausstellungskatalog


Hatje Cantz Verlag (2005)
432 Seiten, 35,00 €

The Silk Road - Ausstellungskatalog

The Silk Road – Trade, Travel, War, and Faith. Ausstellungskatalog

Susan Whitfield
The British Library (2004)
366 Seiten, 78,00 €

Manfred Just: Die Kaiserin-Witwe Cixi

Die Kaiserin-Witwe Cixi

Manfred Just
Duncker & Humblot (1997)
129 Seiten, 22,00 €

Aktuelle Buchempfehlungen – Mai 2022

Wu Teiming: Menschsein lernen

Menschsein lernen – Entwurf eines Humanismus im konfuzianischen Geist

Wu Teiming
Matthes & Seitz Berlin (2022)
140 Seiten, 15,00 €

Der Verlag über das Buch

Tu Weiming zählt zu den renommiertesten chinesischen Philosophen. Sein 2018 auf dem Weltkongress für Philosophie gehaltener Vortrag über einen neuen Humanismus, Menschsein lernen ist die Krönung seines lebenslangen Bemühens, den Konfuzianismus in einen Dialog mit den spirituellen Traditionen der Welt zu bringen und die Herausforderungen zu durchdenken, denen sich das 21. Jahrhundert stellen muss. Tu strebt danach, menschliche Subjektivität im Lichte der konfuzianischen Tradition neu zu bestimmen. Auf dieser Grundlage entwirft er die Vision eines allumfassenden, dicht geknüpften Lebensnetzes, das über die vier sich in einer ständigen Kreisbewegung aufeinander beziehenden Aspekte »Selbst«, »Gemeinschaft«, »Erde« und »Himmel« auch eine ethische Perspektive eröffnet. Tus »geistiger Humanismus« soll dabei helfen, Egoismus, Ethnozentrismus, Nationalismus, aber auch Anthropozentrismus zu überwinden, denn der konfuzianische Übungsweg will den Menschen befähigen, »ein würdiges Gegenüber im kosmischen Prozess zu werden«. Wer sich mit gegenwärtigem Denken beschäftigen möchte, in globaler Perspektive und jenseits altbekannter europäischer Geisteswelten, kommt an Tu Weiming nicht vorbei.

Grundriss Geschichte des chinesischen Denkens

Anne Cheng
Meiner Verlag (2022)
560 Seiten, 78,00 €

Der Verlag über das Buch

Anne Chengs Standardwerk zur viertausendjährigen Geschichte der chinesischen Philosophie von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert liegt nun endlich auch in deutscher Übersetzung vor. In ihrer meisterhaften Gesamtdarstellung verfolgt die vielfach ausgezeichnete Autorin die Entwicklung des chinesischen Denkens in seiner Kontinuität wie in allen Verwandlungen und Brüchen und bietet gleichzeitig ein hervorragendes Nachschlagewerk.

China – Zukunftsmodell oder Albtraum?

Gerhard Stahl
Dietz Verlag (2022)
220 Seiten, 22,00 €

Der Verlag über das Buch

Der Umgang mit dem aufsteigenden China wird unsere Zukunft bestimmen. Es gibt zwei Richtungen: Technologische Abschottung, politische und militärische Konfrontation oder Kooperation. Europa muss sich entscheiden. Dieses Buch liefert dafür Informationen und Einschätzungen.

Gerhard Stahl beschreibt die Veränderungen der vielschichtigen, chinesischen Gesellschaft mit ihren Widersprüchen: Entwicklungsland und Wohlstandsgesellschaft, traditionelle Landwirtschaft und Hochtechnologiestandort, Sozialismus und Marktwirtschaft, weltoffen und nationalistisch. Das chinesische Geschichtsverständnis, der wirtschaftliche und politische Alltag sowie Vorstellungen chinesischer Gesprächspartner über das moderne China werden skizziert. Stahl analysiert den geopolitischen Konflikt mit den USA und leitet Empfehlungen für Wirtschaft und Politik sowohl in Deutschland als auch auf europäischer Ebene ab.

Supermacht China – Geschichte, Politik, Bildung, Wirtschaft und Militär. Die chinesische Weltmacht aus Asien verstehen

Hermann Rupold
Expertengruppe Verlag (2022)
214 Seiten, 9,99 €

Der Verlag über das Buch

Die Entwicklungen in China sind in den letzten Jahren zum allgegenwärtigen Thema in Medien und Gesellschaft geworden. Doch was ist dran an den vielen Zukunftsszenarien einer im Schatten agierenden Supermacht? Wie tickt das bevölkerungsreichste Land der Erde? Was sind seine Ziele und wie denkt die einheimische Bevölkerung? Was macht die Entwicklung des Landes aus und wo liegen die Stärken und Schwächen? Machen Sie sich Ihr eigenes Bild dieser aufstrebenden Weltmacht, indem Sie die Zahlen und Fakten hinter der expandierenden Wirtschaftsmacht verstehen. Um sich ein umfassendes Bild über den aktuellen Exportweltmeister machen zu können, ist eine tiefere Betrachtung der Geschichte, der Politik, des Bildungssystems, der Wirtschaft und des Militärs nötig. In diesem Buch erhalten Sie einen Überblick über all diese Aspekte, die das heutige China ausmachen. Nur durch eine Gesamtbetrachtung all dieser Teilbereiche ist es möglich, das Land China und seine Ziele zu verstehen.

China und der Westen – Aufstiege und Abstiege. Vom alten Reich der Mitte zum gegenwärtigen Konflikt

Wolfram Elsner
PapyRossa Verlag (2022)
260 Seiten, 22,00 €

Der Verlag über das Buch

Das 21. Jahrhundert ist durch eine globale geostrategische Konstellation gekennzeichnet, die mit dem Abstieg des US-Hegemons und dem Aufstieg Chinas verbunden ist. Wolfram Elsner untersucht diese Aufstiegs-Abstiegs-Konstellation und ihre Vorgeschichte in Eurasien über 5 000 Jahre, seit den Zeiten der alten Seidenstraßen und des alten Reichs der Mitte. Die vergleichsweise kurze, aber vielen als »normal« geltende globale Herrschaft der westeuropäischen und angelsächsischen Staaten mit ihrem kolonialistischen Charakter geht zu Ende. Der aktuelle Aufstieg Chinas wird als Wiederherstellung einer historischen Normalität gezeigt. Diese neue Konstellation wird die Welt voraussichtlich für die nächsten Jahrzehnte beschäftigen. Kann ein großer heißer Krieg des Absteigers gegen den Aufsteiger vermieden werden? Kann eine realistische Wahrnehmung Chinas erreicht, können Gleichberechtigung, Respekt und kulturelle Diversität verwirklicht werden? Können friedliche Koexistenz, Nichteinmischung und Kooperation wieder gelernt und dem Völkerrecht wieder Geltung verschafft werden?

Das Tibet-Kochbuch – Traditionelle Rezepte aus dem Himalaya

Julie Kleeman & Yeshi Jampa
Riva Verlag (2022)
256 Seiten, 27,00 €

Der Verlag über das Buch

Wärmendes, nährendes, saisonales Essen, das nebenbei auch noch heilt – so beschreiben die Menschen Tibets ihre Küche. Ausgefallene Gewürze und Kräuter wie Koriander, Kurkuma und Kreuzkümmel, traditionell hergestellte Nudeln und Brot und eine Zusammenstellung dieser Zutaten auf der Basis von Balance macht diese Gerichte so besonders. Chai und Buchweizen-Pancakes, Rindernudelsuppe, Tofu mit Pak Choi, die unterschiedlichsten Momos mit Chili-Dip, Dal und Kokoscurry und süße Sesamhäppchen zaubern den Geschmack Tibets in die heimische Küche.

Hongkong – Umkämpfte Metropole. Von 1841 bis heute

Klaus Mühlhahn & Julia Haes
Verlag Herder (2022)
256 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Von einem unbekannten Fischerdorf an der Peripherie Chinas wurde Hongkong während 156 Jahren britischer Herrschaft zu einer der spektakulärsten und kosmopolitischsten Städte der Welt. Hongkongs Entwicklung – von der Besetzung durch die Briten über die Rückgabe an China im Jahr 1997 bis zum Kampf um Selbstbehauptung in der Gegenwart – ist die faszinierende Geschichte einer Stadt zwischen den großen Mächten in Ost und West. Die seit Sommer 2019 immer wieder aufflackernden Proteste und schweren Ausschreitungen sind ohne Bezug auf die komplexe Geschichte Hongkongs nicht zu verstehen. Das Buch analysiert vor dem historischen Hintergrund den gegenwärtigen tiefgreifenden Wandel der Beziehungen zwischen China, Hongkong und der Welt.

Wütendes Feuer. Roman

Fang Fang
Hoffmann und Campe Verlag (2022)
208 Seiten, 22,00 €

Der Verlag über das Buch

Von der Autorin des Wuhan Diary: Ein großer, aufrüttelnder Roman über die Unfreiheit von Frauen im modernen China

Nicht lang ist es her, da schien Yingzhi die Welt offen zu stehen: Aufgewachsen im ländlichen China hatte sie es geschafft, als Sängerin in einer kleinen Band bekannt zu werden. Ihr Traum von einem freien und selbstbestimmten Leben war zum Greifen nah, bis eine Affäre alles zum Einsturz bringt. Yingzhi wird schwanger und ist gezwungen, den Vater des Kindes zu heiraten und in sein Elternhaus einzuziehen – so will es die Tradition. Als die Schulden ihres spielsüchtigen Mannes zu hoch werden und Yingzhi Geld verdienen soll, öffnet sich ein kleines Fenster, das ihr einen kurzen Blick auf die Freiheit schenkt. Doch dann gerät ihr eine kleine Unbedachtheit zum Verhängnis und gipfelt in einer Katastrophe für sie und ihre ganze Familie.

18/4 – Der Pfad des Rächers. Roman

(Band 2 der 18/4-Serie)
Zhou Haohui
Heyne Verlag (2022)
576 Seiten, 14,00 €

Der Verlag über das Buch

Chengdu, Provinz Sichuan: Der gefürchtete Killer Eumenides hat sich zusammen mit seinem letzten Opfer in die Luft gesprengt. Der Albtraum scheint endlich vorbei. Doch als zwei Studenten eine Todesankündigung wie die von Eumenides erhalten und kurze Zeit später ermordet werden, ahnt Hauptmann Pei Tao, dass der Serienmörder schon vor langer Zeit vorgesorgt hat. Offenbar gibt es einen zweiten Killer, der nun Eumenides‘ Mission unter dessen Namen unerbittlich fortführt. Pei Tao, Leiter des Sondereinsatzkommandos 18/4, und sein Team heften sich an die Fersen des neuen Eumenides, der seinem Meister in nichts nachsteht. Ein perfides Spiel beginnt, das weitere Opfer fordert und mehr als nur ein schmutziges Polizeigeheimnis ans Licht bringt …

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

Entschleiertes Tibet. Taschenbuch Geschichte

Anna Louise Strong
Rütten & Loening Verlag (1961)
152 Seiten, 17,00 €

Günter Lewin: Die ersten fünfzig Jahre der Song-Dynastie in China

Die ersten fünfzig Jahre der Song-Dynastie in China

Günter Lewin
Akademie-Verlag Berlin (1973)
350 Seiten, 17,00 €

Johannes König: Befreites China

Befreites China

Johannes König
Sachsenverlag Dresden (1951)
35 Seiten Text, 106 Seiten Fotos, 59,00 €

Franz Giet: Zur Tonität nordchinesischer Mundarten

Zur Tonität nordchinesischer Mundarten

Franz Giet
Verlag der Missionsdruckerei St. Gabriel (1950)
185 Seiten, 70,00 €

Aktuelle Buchempfehlungen – April 2022

Wu Ming-Yi: Der Mann mit den Facettenaugen

Der Mann mit den Facettenaugen

Wu Ming-Yi
Matthes & Seitz Berlin (2022)
260 Seiten, 22,00 €

Der Verlag über das Buch

Der wichtigste taiwanische Autor erstmals auf Deutsch: Magischer Realismus, fantastische Lebenswelten und taiwanische Mythologie

Wandelnde Bäume, wundersame Schmetterlinge, Rehe, die sich in Ziegen verwandeln, und eine Katze, die ein unaussprechliches Geheimnis birgt: Wu Ming-Yi hat mit Der Mann mit den Facettenaugen eine faszinierende Romanwelt geschaffen, in der Klimakollaps, indigene Mythen, Identität und existenzielle Gefühle den Hintergrund für eine vielschichtige und raffinierte Erzählung bilden. Darin begegnen sich die lebensmüde Akademikerin Alice und der in den Tod verstoßene Indigene Atile’i, nur um sich wieder zu verlieren. Die Welt wird sich in der Zwischenzeit radikal verändern. Visionäre Fantastik und harten Realismus verbindet Wu Ming-Yi auf unnachahmliche Weise zu einem literarischen Tsunami, in dem der geheimnisvolle Mann mit den Facettenaugen ein Schicksal vorhersagt, das erst mit dem Buch im Buch, das Alice zu schreiben beginnt, um den Tod ihres Sohnes zu verstehen, in Gang gesetzt wird. In dieser fantastischen Spannung zeigt sich ein hintergründiger, politisch bewusster Roman, der tief in ökologischen Belangen und Fragen indigener Identität verankert ist.

Jing Liu: Chinas Geschichte im Comic

Chinas Geschichte im Comic – China durch seine Geschichte verstehen, Band 5: Der Weg nach vorn – Von der frühen Republik bis zur Volksrepublik (1912–1949)

Jing Liu
Chinabooks (2022)
224 Seiten, 18,00 €

Der Verlag über das Buch

China trat in das 20. Jahrhundert als eine Agrargesellschaft ein, die durch innere Spannungen wie äußere Bedrängnisse geschwächt war. Revolutionäre fanden sich zusammen, um die letzte Kaiserdynastie zu stürzen, überwarfen sich aber alsbald über der Frage, welche Entwicklungsrichtung für den Wiederaufbau eingeschlagen werden sollte. Das Land schlitterte in Bürgerkriege, worauf folgte der Erste Weltkrieg folgte. Das Schicksal des Landes schien in den Händen von Industriemächten wie Großbritannien, Deutschland, Japan, der Sowjetunion oder den Vereinigten Staaten von Amerika zu liegen. Alles schien verloren zu sein, als Japan sämtliche chinesischen Seehäfen, Eisenbahnlinien, Industrien sowie fruchtbares Ackerland annektierte. Jedoch hielt der chinesische Widerstand acht Jahre an, wofür sich die gesamte Gesellschaft mobilisieren ließ. Nach jahrzehntelangem Kampf erlangte China schließlich seine Unabhängigkeit zurück, welche die Grundlagen für seinen eigenen Weg der Modernisierung legte.

Meng-Lin Chou: Der Tee aus den Wäldern

Der Tee aus den Wäldern – Eine Reise ins Land des Pu’er

Meng-Lin Chou
Edition Spuren (2022)
175 Seiten, 9,95 €

Der Verlag über das Buch

Guter Tee ist ein Inbegriff chinesischer Kultur. So sehr der Mensch den Anbau, die Herstellung und die Zubereitung dieses Getränks über Jahrhunderte auch kultivierte, besteht daneben zugleich das Ideal der Naturbelassenheit. Ganz besonders gilt dies für die Tees aus der Region Pu’er. Die Blätter, aus denen diese begehrten Spitzentees zubereitet werden, stammen von Bäumen, die teils seit mehreren hundert Jahren in entlegenen Gegenden der Provinz Yunnan wachsen. Das Blattgut wird von Hand verarbeitet und zu den für diese Tees charakteristischen Fladen gepresst. Während der Lagerung, die mehrere Jahrzehnte dauern kann, kommt es zu einer zweiten Fermentation, was diesen Grand crus des chinesischen Tees zu ihren unverkennbaren Aromen verhilft.

Meng-Lin Chou nimmt ihre Leser mit auf eine Reise in die Anbaugebiete des Pu’er. Die Zürcher Teehändlerin (Shui Tang) stammt aus Taiwan. Sie stellt nicht bloß die wichtigsten Gärten und deren Tees vor, sondern vermittelt wichtiges Hintergrundwissen zur Geschichte, Mythologie und Ökologie des Pu’er. Simon Trüb hat Meng-Lin Chou auf einer ihrer Reisen begleitet, er steuert zum edel gestalteten Buch Zeichnungen mit Motiven aus den Wäldern des Pu’er bei.

Uwe Behrens: Der Umbau der Welt

Der Umbau der Welt – Wohin führt die Neue Seidenstraße?

Uwe Behrens
edition ost im Verlag Das Neue Berlin (2022)
224 Seiten, 18,00 €

Der Verlag über das Buch

Die Chinesen nennen es Yidai Yilu – »Ein Gürtel, eine Straße«, woraus im Englischen »Belt and Road Initiative« wurde. Die Deutschen erinnern sich vorzugsweise an Marco Polo, der vor fast achthundert Jahren den Händlern auf der alten Seidenstraße nach China nachfolgte und sprechen darum von der Neuen Seidenstraße. Es handelt sich um das vermutlich größte Infrastrukturprojekt der Menschheitsgeschichte, an dem sich inzwischen mehr als sechzig Staaten auf drei Kontinenten beteiligen. Bei der 2013 von Peking angeschobenen Initiative geht es nicht einfach um den Auf- und Ausbau eines interkontinentalen Handelsnetzes zu Lande und zur See, sondern auch um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der angrenzenden Territorien, um neue Formen der Kooperation, die sich auf die Stabilisierung der Regionen auswirken und zur gleichberechtigten Zusammenarbeit führen. Das gigantische infrastrukturelle Vorhaben erreicht etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung und betrifft ein Drittel der Weltwirtschaft. Der Logistiker Uwe Behrens, der 27 Jahre in China gearbeitet hat und darüber bereits berichtete (»Feindbild China«, 2020) stellt kenntnisreich und exklusiv dieses einzigartige Projekt vor. Er setzt sich auch mit den kritischen Angriffen und Vorhaltungen auseinander: China treibe die beteiligten Länder in eine Schuldenfalle, mache sie von Peking abhängig, gebe als Entwicklungshilfe aus, was in Wirklichkeit seiner ökonomischen und politischen Expansion und lediglich einem Ziel diene: die Volksrepublik China zur stärksten Wirtschaftsmacht zu machen und die USA von diesem Thron zu stoßen. Natürlich handelt China keineswegs selbstlos, es verfolgt wie jeder Staat auf dieser Welt nationale Interessen. Dennoch greift der Anspruch weiter, wie Behrens nachweist. Der Kapitalismus hat aller Welt vor Augen geführt hat, dass er kein Problem der Menschheit lösen kann und alle existierenden Probleme – Vernichtung der Ressourcen, Zerstörung der Umwelt und des Weltklimas etc. – verschärft. Peking versucht, durch ein grundsätzlich anderes Herangehen die Fragen der Produktion und des Zusammenlebens alternativ zu beantworten. Es geht um Harmonie statt um Hegemonie, die die Kultur des Westens bestimmt, nicht um Entweder-Oder, sondern um Sowohl-als-auch. Das komplexe Herangehen an zentrale Menschheitsfragen mit diesem Infrastrukturprojekt weist in die Zukunft jenseits tradierter Gesellschaftsvorstellungen.

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

Eva Siao & Harald Hauser: Sterne über Tibet

Sterne über Tibet

Eva Siao & Harald Hauser
VEB Brockhaus Verlag Leipzig (1961)
110 Seiten, 28,00 €

Andreas Gruschke: Kham Volume 2

Kham Volume 2: The Qinghai Part of Kham (The Cultural Monuments of Tibet’s Outer Provinces)

Andreas Gruschke
Verlag White Lotus Bangkok (2004)
310 Seiten, 195,00 €

Dagmar Yu-Dembski: Chinesen in Berlin

Chinesen in Berlin

Dagmar Yu-Dembski
Bebra Verlag (2007)
158 Seiten, 28,00 €

Xin Jie: Kiefern im Schnee

Kiefern im Schnee. Gedichte

Xin Qiji
Projekt Verlag (2011)
113 Seiten, 22,00 €

Aktuelle Buchempfehlungen – März 2022

Dieter Buchhart, Elsy Lahner, Klaus Albrecht Schröder (Hrsg.): Ai Weiwei – In Search of Humanity

Ai Weiwei – In Search of Humanity

Dieter Buchhart, Elsy Lahner, Klaus Albrecht Schröder (Hrsg.)
Hirmer Verlag (2022)
336 Seiten, 45,00 €

Der Verlag über das Buch

Ai Weiwei ist nicht nur einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler, sondern auch unermüdlicher Aktivist und Kritiker autoritärer Systeme. „In Search of Humanity“ präsentiert einen umfassenden Überblick über alle Schaffensphasen mit teils unpublizierten Arbeiten. Die Gestaltung als Buchobjekt in Form eines Marmorblocks macht es zu einem außergewöhnlichen Titel.

Der Band setzt sich eingehend mit dem Aspekt der Menschlichkeit und der künstlerischen Verantwortung im Werk von Ai Weiwei auseinander. Er beleuchtet Begriffe wie Überwachung, Zensur, Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Menschenvertreibung, radikale Verantwortung, die Macht der Schönheit und die Wahrheit der Poesie. Viele Zitate des Künstlers sowie eine Timeline, die einzelne Werke optisch den historischen Ereignissen zuordnet, aus deren Anlass sie entstanden sind, erschließen die Arbeiten auf eingängige Weise.

Carlo Feber: Die letzten Tage von Tsingtau

Die letzten Tage von Tsingtau. Historischer Roman

Carlo Feber
Piper Verlag (2022; erscheint Ende März)
724 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Tsingtau 1911, die deutsche Kolonie in China. Eine faszinierende Welt mit alten Tempeln und neuen Villen, heiligen Bergen und verrufenen Spelunken. Hier will der Marinearzt Heinrich Renau Karriere machen, um seiner reichen Verlobten im fernen Berlin ebenbürtig zu werden. Doch dann bricht die Pest aus und in Peking wird die Revolution ausgerufen. Inmitten der Wirren verliebt Renau sich in Chou-Li, die faszinierende Tochter des Gouverneurs des chinesischen Umlands. Doch die Tage der Deutschen in Tsingtau sind gezählt und eine Zukunft für ihre verbotene Liebe zu finden scheint aussichtslos … es sei denn, sie opfern alles.

Horst Gründer & Hermann Hiery (Hrsg.): Die Deutschen und ihre Kolonien

Die Deutschen und ihre Kolonien

Horst Gründer & Hermann Hiery (Hrsg.)
be.bra Verlag (2022)
368 Seiten, 26,00 €

Der Verlag über das Buch

Die Auseinandersetzung über den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands ist in vollem Gange. Um die aktuellen Debatten über Raubkunst und Wiedergutmachung zu verstehen, braucht es Wissen um die historischen Grundlagen. Dieses Buch bietet einen kenntnisreichen und allgemeinverständlichen Überblick über die Entstehung, Ausdehnung und Entwicklung des deutschen Kolonialreichs, das sich zwischen 1884 und 1914 von Westafrika bis zu den Inseln Samoas im Pazifik erstreckte. Im Fokus stehen unter anderem das Wirken von Verwaltung, Justiz und Militär, die christliche Mission, die Diskussionen um »Rassenfrage« und »Mischehen« – aber auch die Nachwirkungen und das Erinnern an die Kolonialzeit.

Ein fundierter Überblick über alle Aspekte des deutschen Kolonialismus – mit zahlreichen Abbildungen und Karten.

Christian Geinitz: Chinas Griff nach dem Westen

Chinas Griff nach dem Westen

Christian Geinitz
C.H. Beck Verlag (2022)
381 Seiten, 18,00 €

Der Verlag über das Buch

Pirelli, Volvo, Club Méditerranée, Syngenta oder Spotify: Mit Milliardenbeträgen kaufen sich chinesische Investoren in europäische Unternehmen ein. Besonders beliebt sind deutsche Marken, darunter Daimler, Steigenberger oder BioNTech. Die wilde Shoppingtour hat ein Ziel: Bis 2049 will die Volksrepublik die Industrieländer entthronen und in allen Zukunftsbranchen Weltmarktführer werden. Christian Geinitz zeigt in seinem Buch, wie die ökonomische Supermacht China nach dem Westen greift – eine Gefahr, auf die Deutschland und Europa konzentriert reagieren müssen.

China reckt und streckt sich Richtung Europa. Zum einen über die «Neuen Seidenstraße», die gewaltigste Infrastruktur-Initiative aller Zeiten. Zum anderen, indem sich chinesische Konzerne in Schlüsselindustrien einkaufen. Am begehrtesten ist Deutschland mit seinen vielen Technologieführern. Die Corona-Pandemie hat den Vorstoß zwar verlangsamt, aber an den Langfristzielen nichts geändert. Dass sich die Asiaten an der Infrastruktur und an Unternehmen beteiligen, sollte uns eigentlich willkommen sein. Doch die Skepsis ist groß und die Abwehrbereitschaft wächst, weil Peking auch politische Zwecke verfolgt und nicht gewillt ist, seine eigenen Märkte vollständig zu öffnen. Christian Geinitz rät in seinem penibel recherchierten Buch dazu, einen kühlen Kopf zu bewahren. Europa sollte sich weder einkapseln noch Chinas zweifelhaftes Geschäftsgebaren übernehmen. Tritt die EU indes geeinigt auf und erkennt, dass Peking mehr denn je auf sie angewiesen ist, dann kann Europa die Bedingungen mitgestalten und gemeinsam mit China wachsen.

Alice Grünfelder: Wolken über Taiwan

Wolken über Taiwan – Notizen aus einem bedrohten Land

Alice Grünfelder
Rotpunktverlag (2022)
260 Seiten, 28,00 €

Der Verlag über das Buch

Wie soll man über ein Land schreiben, das es offiziell nicht gibt? Das keinem Vergleich standhält und immer wieder von neuem überrascht? Taiwan, die kleine Insel und Chipgroßmacht vor der südchinesischen Küste, hat in den letzten Jahrzehnten eine enorme gesellschaftliche Wandlung durchlaufen. Bürgerrechtsbewegungen ist es zu verdanken, dass der Übergang von einer Jahrzehnte andauernden Militärdiktatur zu einer der offensten und lebendigsten Demokratien Asiens so friedlich verlaufen ist.

Emily Hahn: Shanghai Magie

Shanghai Magie – Reportagen aus dem New Yorker

Emily Hahn; übersetzt von Dagmar Yu-Dembski
Ebersbach & Simon (2022)
144 Seiten, 18,00 €

Der Verlag über das Buch

Kaum in Shanghai angekommen, stürzt sich US-Journalistin Emily Hahn Hals über Kopf in eine Amour fou mit dem charismatischen Verleger Zau Sinmay, entdeckt ihre Leidenschaft fürs Opiumrauchen und debattiert nächtelang mit Künstlern und Intellektuellen über Chinas Zukunft. Es ist die stürmischste Zeit ihres Lebens, nicht nur, weil sie in die politischen Konflikte des Landes verstrickt wird … Emily Hahns Reportagen indes sprühen vor Lebenslust, sind heiter und leicht wie Musik. Oft ironisch, mit feinem Humor und untrüglichem Gespür für die Dramaturgie ihrer Geschichten lässt sie uns teilhaben am Lebensgefühl der 1930er- und 1940er-Jahre im legendären ‚Paris des Ostens‘.

Nobody said not to go …

Wei Zhang: Satellit über Tiananmen

Satellit über Tiananmen. Roman

Wei Zhang
Salis Verlag (2022)
400 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Während Mao gerade den »Großen Sprung nach vorn« propagiert, darf »Großmutter« Guo mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter in die Neubergstraße im sogenannten Harmoniedorf ziehen, einer neuen und einigermaßen komfortablen Siedlung auf einem Hügel, zu dessen Füßen die gigantische Dongshan-Stahlfabrik liegt. »Großmutter« wird sie vom Polizisten aus Respekt genannt, und zur Parteisekretärin der Neubergstraße wird sie, weil kein anderes Parteimitglied dort lebt.

Guos Quartierinitiative wird durch den »Großen Sprung nach vorn«, mit der die Stahlproduktion in die Höhe getrieben werden soll, komplett in den Schatten gestellt. Plötzlich bauen sogar die bisher untätigen Hausfrauen des Quartiers einen Hochofen und beginnen Stahl zu schmelzen. Dabei treten sie in einen Wettstreit mit ihren Männern, den Arbeitern des Stahlwerks, darum, einen neuen Produktionsrekord aufzustellen, was damit verglichen wird, einen Satelliten ins All zu schießen.

Die Stahlschmelze schlägt derweil Funken der Liebe, entfacht das Feuer der politischen Gesinnung und lässt die Flammen des Schicksals in den Himmel lodern. Wei Zhangs neuer Roman ist bunt und vielschichtig wie ein Kaleidoskop, dabei präzise beobachtet und mitreißend erzählt. Und am Ende – nach den Wirrungen der Kampagnenjahre – besinnen sich die Frauen des Quartiers endlich auf ihre Stärken und feiern mit selbstgeschneiderten Jeanshosen der Marke »Satellit« eine echte Kampagne mit greifbaren Erfolgen.

Li Shuhong & Martin Krott: Die schöne Meng klagt an der Mauer

Die schöne Meng klagt an der Mauer – Chinesische Liebesgeschichten

Li Shuhong & Martin Krott
Drachenhaus Verlag (2022)
120 Seiten, 16,00 €

Der Verlag über das Buch

In Chinas vier uralten Liebeslegenden sind die Hauptfiguren durchwegs Frauen: Die göttliche Weberin durchbricht alle Grenzen, um mit ihrem sterblichen Hirten leben zu können. Die schöne Meng wagt es, aus Liebe zu ihrem Mann sogar den Kaiser selbst zu konfrontieren. Zhu Yingtai verteidigt die selbstbestimmte Liebe bis in den Tod, und Bai Suzhen schließlich stellt bei dem Versuch, ihren Mann zu retten, einen von Eifersucht und Hass getriebenen Mönch bloß, obwohl dieser als religiöse Figur weitgehend Immunität genießt. Auch wenn es tragische Schicksale sind, so haben es die Erzählungen von dem Mut, der Güte, der Aufopferungsbereitschaft und der Selbstlosigkeit dieser Frauen durchaus verdient, von Generation zu Generation weitergetragen zu werden. Denn damals wie heute stehen sie vorbildhaft für Menschen, die unbeirrt und beharrlich ihre Freiheit und Selbstbestimmung verteidigend, gegen Vorurteile, Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Respektlosigkeit vorgehen!

Aktuelle Buchempfehlungen – Februar 2022

Wolfgang Kubin: Die Farbe Weiß, die Farbe Schwarz

Die Farbe Weiß, die Farbe Schwarz oder das neue Buch der Wandlungen. Eine Erzählung

Wolfgang Kubin
Edition Pen im Löcker Verlag (2022)
100 Seiten, 19,80 €

Der Verlag über das Buch

Die Erzählung dieses Bandes handelt vom Emsland, von Kentucky und von Südchina. Ihr Thema ist gemäß dem Yijing (I Ging) das Gesetz der Wandlung. „Wer damals im Anblick einer weißen Bluse vom Index Sex sprach, ist heute lange schon tot, als habe sich deren Bild einem Tumor gleich in sein Gehirn hineingefressen. Und auch ihr erster Liebhaber lebt längst nicht mehr. Vielleicht hatte er zu viel an ihre weiße Bluse gedacht, als er mit seinem schwarzen Wagen zwischen zwei sich schließenden Eisenbahnschranken endete. Mag sein letztes Bild ein offener Knopf gewesen sein, so wäre sein früher Tod möglicherweise ein seliger gewesen. So also begann die neue Geschichte von Herrn Niemand mit der Farbe Weiß, ohne daß er darum besonders gewußt hätte. Und sie endete mit dem Wörtchen „und“, bevor er darüber überhaupt nachdenken konnte. Denn da hatte sich unversehens Schwarz eingenistet, die linde Farbe der Schwäne.“

Michael von Brück: Zen

Zen – Geschichte und Praxis

Michael von Brück
C.H. Beck Verlag (2021)
128 Seiten, 9,95 €

Der Verlag über das Buch

Zen, eine besondere Entwicklung im ostasiatischen Buddhismus, ist auch aus dem westlichen Kulturkreis nicht mehr wegzudenken. Damit hat sich die mit ihm verbundene Meditationspraxis als besonders wirkungsmächtig und dauerhaft erwiesen. Mit Michael von Brück beschreibt einer der besten Kenner die historische Entwicklung des traditionsreichen Zen, erklärt seine wichtigsten Ziele und erläutert die wesentlichen Elemente seiner Meditationspraxis.

Ulli Kulke: Erwin Wickert

Erwin Wickert – Abenteurer zwischen den Welten. Ein Leben als Diplomat und Schriftsteller

Ulli Kulke
Langen Müller Verlag (2021)
400 Seiten, 25,00 €

Der Verlag über das Buch

Erwin Wickert (1915-2008), Vater des bekannten TV-Journalisten Ulrich Wickert, ist der Inbegriff des kosmopolitischen und kultivierten Diplomaten. Sein bewegtes Leben beginnt bereits während seines Philosophiestudiums Mitte der 1930er-Jahre. Er verbringt mehrere Semester in den USA, schlägt sich als Hilfsarbeiter durch und kehrt schließlich auf abenteuerlichen Wegen über China und Japan nach Deutschland zurück. 1939 als erster Rundfunkattaché des Auswärtigen Dienstes nach Tokio und Shanghai entsandt, widmet er sich nach dem Krieg zunächst seiner Leidenschaft, der Schriftstellerei. Wickert verfasst zahlreiche Romane, Sachbücher und Hörspiele, häufig über China bzw. Ostasien. 1955 tritt er in den Diplomatischen Dienst der jungen Bundesrepublik, zunächst bei der NATO in Paris, bevor er zur Ostabteilung des Auswärtigen Amtes nach Bonn wechselt. In dieser Funktion verfasst er 1966 die berühmte „Friedensnote“, einen Meilenstein der Entspannungspolitik gegenüber dem Ostblock. In der Ära von Außenminister Joschka Fischer, der ehemaligen NSDAP-Mitgliedern im Auswärtigen Dienst generell ein ehrendes Angedenken verwehren wollte, legte Erwin Wickert zusammen mit insgesamt 128 hochrangigen Diplomaten Protest ein – eine Aktion, die politisch hohe Wellen schlug.

Desmond Shum: Chinesisches Roulette

Chinesisches Roulette. Ein Ex-Mitglied der roten Milliardärskaste packt aus

Desmond Shum
Droemer Verlag (2022)
312 Seiten, 22,00 €

Der Verlag über das Buch

Wann ist man wirklich mächtig? Wenn auf dem Konto eine Milliarde liegt? Wenn die Ehefrau mit der Frau des Premiers beim Shoppen große Geschäfte macht? Desmond Shum wächst in Shanghai und Hongkong auf. Nach dem Studium in den USA stürzt er sich ins Beijinger Businessleben mit dem Blickwinkel eines Outsiders und den richtigen Connections. Er scheffelt mit Immobilientransaktionen Geld. Ehefrau Whitney pflegt Beziehungen zu Ehefrauen wichtiger politischer Akteure. Und doch sind Desmond Shum die Hände gebunden, als Whitney, Multimilliardärin wie er, spurlos verschwindet. Wem aber konnte Whitney Duan gefährlich werden? Was wusste sie über Staatspräsident Xi Jinping – oder was außer Ärger mit der Staatsführung könnte hinter ihrem plötzlichen Verschwinden sonst stecken?

Rebiya Kadeer & Alexandra Cavelius: Die Himmelsstürmerin

Die Himmelsstürmerin – Chinas Staatsfeindin Nr. 1 erzählt aus ihrem Leben

Rebiya Kadeer & Alexandra Cavelius
Europa Verlag (Neuauflage 2022)
488 Seiten, 14,00 €

Der Verlag über das Buch

Chinas bekannteste Dissidentin, Rebiya Kadeer, war einst die einflussreichste Frau im Reich der Mitte. Nach einer beispiellosen Karriere begann sie schließlich, ihre politische Macht zu nutzen und sich für die Rechte der Uiguren in ihrem Land einzusetzen. Das Regime rächte sich, indem es sie für fünf Jahre ins Gefängnis brachte, wo sie Zeugin von Folter, Vergewaltigungen und Hinrichtungen wurde. Nach ihrer Haftentlassung gelang ihr die Ausreise in die USA, von wo sie ihren leidenschaftlichen Kampf für die Menschenrechte weiterführt.

Thomas O. Höllmann: China und die Seidenstraße

China und die Seidenstraße – Kultur und Geschichte von der frühen Kaiserzeit bis zur Gegenwart

Thomas O. Höllmann
Beck Verlag (2022)
454 Seiten, 34,00 €

Der Verlag über das Buch

Die Seidenstraße, die Ostasien mit dem Mittelmeerraum verbindet, ist zum Inbegriff einer frühen Globalisierung geworden. Thomas O. Höllmann schaut von China aus auf das legenden umrankte Routennetzwerk. Er beschreibt anschaulich, wie die Menschen reisten und wie Güter und Ideen weiter vermittelt wurden. Ein Ausblick macht deutlich, warum China mit der «Neuen Seidenstraße» auf das symbolische Kapital der alten Verbindungen setzt. Seit der Antike nutzten Gesandte, Händler, Missionare und Abenteurer die Seidenstraße. Auf dem Landweg passierten sie dabei lebensfeindliche  Wüsten wie die Taklamakan, überwanden hoch aufragende Gebirge wie den Pamir und verweilten in betriebsamen Oasenstädten wie Buchara, Samarkand oder Turfan. Davon künden zahllose archäologische Zeugnisse, von denen viele erst in den letzten Jahrzehnten erschlossen wurden. Thomas O. Höllmann rekonstruiert mit ihrer Hilfe sowie anhand von historiographischen Quellen, fesselnden Reisebeschreibungen und lebensnahen Gedichten, welche Waren nach China gelangten, wieder Buddhismus und andere Religionen im Reich der Mitte rezipiert wurden und welche Schlüsseltechnologien, allen voran Papier und Buchdruck, von dort aus ihren Siegeszug über die ganze Welt antraten. Das Buch geht den ökonomischen Grundlagen, politischen Motiven und kulturellen Rahmenbedingungen des Austauschs nach und führt faszinierend konkret vor Augen, was Globalisierung in einem Zeitraum von rund zwei Jahrtausenden bedeutete.

Josie-Marie Perkuhn & Mariana Münning (Hrsg.): Operation Covid

Operation Covid – Umgang mit dem Coronavirus von Wuhan bis Taipei

Josie-Marie Perkuhn & Mariana Münning (Hrsg.)
Drachenhaus Verlag (erscheint Februar 2022)
80 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Es gibt unzählige Artikel über die Corona-Situation und die Rolle, die China darin spielt. Selten wird jedoch die Perspektive Chinas oder Taiwans beachtet. Was hat sich in den chinesischsprachigen Ländern seit dem Ausbruch des Virus abgespielt? Ein Team von Nachwuchswissenschaftler:innen hat chinesischsprachige Internetquellen ausgewertet und gibt Antworten auf Fragen zur Herkunft des Virus, zur Anzahl der gemeldeten Todesfälle, zum Umgang mit Whistleblowern uvm.

Aktuelle Buchempfehlungen – Januar 2022

Dai Sijie: Die lange Reise des Yong Sheng

Die lange Reise des Yong Sheng. Roman

Dai Sijie
Piper Verlag (erscheint im Januar)
432 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Es ist das Jahr 1911. Zimmermann Yong, der die besten Taubenflöten im Bezirk Putian fertigt, wird ein Sohn geboren. Dem kleinen Yong steht ein außergewöhnliches Leben bevor. Mary, die Tochter des amerikanischen Pastors, in dessen Obhut er aufwächst, ermutigt ihn, der erste chinesische Pastor Putians zu werden. Und so beginnt für Yong eine Reise durch das ganze Land. Er studiert Theologie, erlebt Familienglück und Verrat, den Ausruf der Volksrepublik und die Gräuel der Kulturrevolution.

Dai Sijie erzählt von seinem Großvater, der die großen Umbrüche im Reich der Mitte selbst miterlebte. Eine bewegende Geschichte von Liebe und Verrat, Demut und Glück, und davon, dem Leben mit Duldsamkeit zu begegnen. Der biografische Roman des Autors von „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“.

Zhou Haohui: 18/4 – Der Hauptmann und der Mörder

18/4 – Der Hauptmann und der Mörder. Roman

Zhou Haohui
Heyne Verlag (erscheint im Januar)
400 Seiten, 13,00 €

Der Verlag über das Buch

In der chinesischen Millionenstadt Chengdu treibt ein kaltblütiger Killer sein Unwesen, der vor 18 Jahren die Polizei schon einmal zum Narren gehalten hat. Er nennt sich selbst Eumenides und tötet Menschen, deren Verbrechen von der Polizei nicht geahndet wurden. Mittels Todesanzeigen kündigt er an, wen er ermordet, wann er zuschlägt und warum das Opfer sterben muss. Damit verhöhnt er die zu seiner Verhaftung einberufene Sondereinsatzgruppe 18/4 und den brillanten Hauptmann Pei Tao. Bei jedem Mord ist Eumenides ihnen einen Schritt voraus. Zu spät erkennt Pei Tao, dass auch seine Geheimnisse und Vergehen vor dem Killer nicht sicher sind. Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt …

Philipp Mattheis: Ein Volk verschwindet

Ein Volk verschwindet – Wie wir China beim Völkermord an den Uiguren zuschauen

Philipp Mattheis
Ch. Links Verlag (erscheint im Januar)
240 Seiten, 18,00 €

Der Verlag über das Buch

In der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang ist in den vergangenen Jahren eine Dystopie Wirklichkeit geworden: Die muslimischen Uiguren werden dort mit allen Möglichkeiten des Digitalzeitalters erfasst und überwacht. Etwa eine Million Menschen sind monatelang in »Umerziehungslagern« interniert, wo Folter, Zwangsarbeit und Gehirnwäsche an der Tagesordnung sind. Gleichzeitig werden Moscheen geschlossen, religiöse Feste untersagt, Baudenkmäler zerstört. Offensichtlich soll die kulturelle Identität des 15-Millionen-Volks ausgelöscht werden. Westliche Konzerne hält das nicht davon ab, in Xinjiang produzieren zu lassen. Philipp Mattheis‘ aufrüttelndes Buch erzählt von den Schicksalen Betroffener und klärt über die Hintergründe des Geschehens auf.

Gulbahar Haitiwaji & Rozenn Morga: Wie ich das chinesische Lager überlebt habe

Wie ich das chinesische Lager überlebt habe – Der erste Bericht einer Uigurin

Gulbahar Haitiwaji & Rozenn Morga
Aufbau Verlag (erscheint im Januar)
259 Seiten, 20,00 €

Der Verlag über das Buch

Seit Jahren lebt Gulbahar Haitiwaji mit ihrem Mann und ihren Töchtern in Frankreich. Bis die chinesische Regierung sie auffordert, aus administrativen Gründen nach Xinjiang zu kommen. Gulbahar Haitiwaji bucht eine zweiwöchige Reise und kehrt drei Jahre später zurück. Sie ertrug Verhöre, Folter, Hunger und kafkaeske Zersetzungsmethoden. Weil eine der Töchter an einer uigurischen Versammlung in Paris teilgenommen hatte. Seit 2017 wurden mehr als eine Million Uigurinnen und Uiguren in Umerziehungslager gesperrt. Gulbahar Haitiwaji ist die Erste, die darüber berichten kann, weil sie wieder in Frankreich lebt. Ihr Buch ist ein mutiger Appell an die internationale Gemeinschaft, diesen Völkermord nicht mehr zu dulden.

Liao Yiwu: Wuhan

Wuhan – Dokumentarroman

Liao Yiwu
S. Fischer Verlage (erscheint im Januar)
352 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Gleich nach dem Ausbruch des Corona-Virus reist der Bürgerjournalist Li in das Epizentrum der Katastrophe. »Weil er keine Angst vor Gespenstern hat«, so die Stellenanzeige, findet er einen Job im Krematorium. Schnell begreift er, dass die offiziellen Opferzahlen nicht stimmen. Doch der kurze Augenblick, in dem er glaubt, die Wahrheit sagen zu dürfen, vergeht über Nacht: Er wird entdeckt, verfolgt und dokumentiert im Internet live, wie er brutal verhaftet wird.

In diesem bestürzend aktuellen Dokumentarroman »Wuhan« führt uns Liao Yiwu in das Herz der ungelösten Fragen und erzählt die spannende Recherche der Hintergründe einer gewaltigen Vertuschung. Woher stammt das Virus und was geschah in Wuhan? Protokolle verschwinden, und neue Lügen zementieren die Geschichte vom heroischen Sieg der Partei – Propaganda, die die Menschen vergiftet wie das Virus.

Konrad Winkler (Hrsg.): Chinesisch für jeden Tag

Chinesisch für jeden Tag – Übungen zur Sprache und Kultur. Mit Lösungsbuch

Konrad Winkler (Hrsg.)
Buske Verlag (erscheint im Januar)
250 Seiten, 21,90 €

Der Verlag über das Buch

Das Übungsbuch „Chinesisch für jeden Tag“ ist lehrwerkunabhängig und eignet sich als Ergänzung zum täglichen Lernpensum.
– Kurze und unterhaltsame Übungen für zwischendurch
– Alle Texte mit Pinyin versehen
– Die beliebtesten und besten Übungen aus vergangenen Chinesisch-Sprachkalendern

Stefan Kramer: Der chinesische Film

Der chinesische Film. Filmgeschichte kompakt, Band 3

Stefan Kramer
Edition Text + Kritik (erscheint im Januar)
100 Seiten, 19,00 €

Der Verlag über das Buch

China gehört zu den vielfältigsten, produktivsten – wenn auch oft unterschätzten – Filmnationen weltweit. Die Geschichte des mandarinsprachigen Films reicht von frühen lokalen Pekingopernfilmen aus dem späten chinesischen Kaiserreich hin zu dem antikolonialen und sozial orientierten Kino der chinesischen Republikzeit zwischen 1912 und 1949. Sie erzählt von den politisch konformistischen, ästhetisch indes oftmals erstaunlich reichhaltigen Werken des sozialistischen Realismus unter der Herrschaft Mao Zedongs. Mit Einsetzen der Reformpolitik Ende der 1970er Jahre machte sie schließlich einem unvergleichlichen Reichtum an Geschichten und Bildern sowie einer tiefgreifenden kinematografischen Reflexion der chinesischen Kulturen Platz, mit denen das chinesische Kino seinen Platz in der weltweiten Filmlandschaft eroberte. Sie blickt nicht zuletzt auf ein thematisch und ästhetisch breit aufgestelltes Kunstkino, mit dem Filmschaff ende sich im 21. Jahrhundert weiterhin der Massenproduktion für weltweit agierende Streamingdienste erwehren.

A. Lai: Zhan Dui – Geschmolzenes Eisen

Zhan Dui – Geschmolzenes Eisen. Die Legende von Khampa

A. Lai
Bacopa Verlag (2021)
360 Seiten, 34,80 €

Der Verlag über das Buch

Dies ist ein ungewöhnliches Buch. Auf den ersten Blick handelt es sich um die Übersetzung eines chinesischen historischen Romans ins Deutsche. Das ist auch nicht falsch. Allerdings handelt es sich weder um einen Roman, noch behandelt der Autor A Lai hier ein chinesisches Thema, wie es der westliche Leser gewohnt sein mag.

Wie der Autor selbst in seinem Vorwort schreibt, ist dieses Buch kein fiktiver Roman. Es ist auch keine historische Erzählung, denn nichts an dem Inhalt ist von A Lai erdacht worden. Es ist am ehesten eine Kompilation, also eine Zusammenstellung von Materialien, Fundstücken, Dokumenten und mündlicher Überlieferung, die A Lai anfangs nebenbei, später aber in unermüdlicher Kleinarbeit und gründlicher Recherche zusammengetragen hat. Wie der Autor selbst sagt, stieß er zufällig auf die Geschichte Zhan Duis, wurde von ihr immer mehr gefangen genommen und begann, ihre Spuren Stück für Stück freizulegen. Es war gar nicht notwendig, sich etwas auszudenken, denn die Geschichte erzählt sich selbst. A Lai hat die komplexe Aufgabe übernommen, sie auszugraben, in Form von Schriften und Zitaten sprechen zu lassen und sie so zu arrangieren, dass sie für den Leser in geschlossenes Narrativ ergibt. Dieser Prozess erfordert sicher nicht weniger Arbeit und Geduld, Kreativität und Fantasie wie das Verfassen eines richtigen Romans.

Auf der anderen Seite ist Zhan Dui kein bloßes Geschichtsbuch. A Lai ist kein Historiker und erhebt auch nicht den Anspruch, hier eine wissenschaftliche Abhandlung vorzulegen – auch wenn das authentische Material dafür durchaus taugen würde. Der Autor nutzt seine Fähigkeiten als Erzähler und erschafft eine Geschichte aus der Realität. Dabei kann er sich größere Freiheiten als ein Historiker leisten und so webt er offizielle Dokumente wie den Schriftverkehr zwischen hohen chinesischen Beamten in Sichuan und dem Kaiser zusammen mit Fundstücken aus lokalen Chroniken und anderen Quellen und bereichert unser Bild von den Vorgängen um Zhan Dui durch Volkserzählungen und Legenden – unabhängig davon, ob sie nun wahre Geschichten transportieren oder nicht.

Walter Fehlinger: Chinesische Heilpflanzen – Immerwährender Kalender

Chinesische Heilpflanzen – Immerwährender Kalender

Walter Fehlinger
Bacopa Verlag (2021)
13 Blätter mit Illustrationen, 24,80 €

Die vorgestellten Heilpflanzen

Zhu Ru, Bambusae Caulis in Taeniam, Bambusrohrstreifen
Li Zhi He, Litchi Semen, Litchisamen
Ze Lan, Lycodi Lucidus Herba, Wolfstrappkraut
Ren Shen, Panacis ginseng, Ginseng
Xing Ren, Prunus Armeniacae semen, Aprikose
Ying Su Qiao, Papaveris Pericarpium, Schlafmohn
Xiang Yuan, Citrus Medica, Zitronatzitrone
Wu Wei Zi, Schizandra Fructus, Chinesische Beerentraube
Zhi Qiao, Aurantii Fructus, Pomeranze
Shan Zhu Yu, Corni fructus, Asiatische Kornelkirsche
Yin Chen Hao, Artemisiae Scopariae Herba, Besen-Beifußkraut
Shi Liu Pi, Granati Pericarpium, Granatapfelschale

Aktuelle Buchempfehlungen – Dezember 2021

Ai Weiwei: 1000 Jahre Freud und Leid

1000 Jahre Freud und Leid

Ai Weiwei
Penguin Verlag (2021)
416 Seiten, 38,00 €

Der Verlag über das Buch

Ai Weiwei gehört zu den bekanntesten Künstlern unserer Zeit. In »1000 Jahre Freud und Leid« schildert er erstmals seinen außerordentlichen künstlerischen Werdegang vor dem Hintergrund der Geschichte seiner Familie in China. Schon als Junge erlebte er die Verbannung und Demütigung seines Vaters Ai Qing, einst ein Vertrauter Maos und Chinas einflussreichster Dichter, der im Zuge der Kulturrevolution als »Rechtsabweichler« gebrandmarkt wurde. Diese Erfahrungen prägten Ai Weiweis Schaffen und seine politischen Überzeugungen. Er beschreibt die schwierige Entscheidung, seine Familie zu verlassen, um für ein Kunststudium in die USA zu gehen, wo er sich u. a. mit Allen Ginsberg anfreundete und künstlerische Inspiration fand. Offen erzählt er von seinem Aufstieg zu einem Star der internationalen Kunstwelt, der aufgrund seiner Menschenrechtsaktivitäten jedoch immer stärker ins Visier des chinesischen Regimes geriet, das ihn schließlich 2011 mehrere Monate inhaftierte. Die sehr persönlichen und vom Künstler selbst reich illustrierten Erinnerungen geben nicht nur einen fesselnden Einblick in Ai Weiweis Leben und Arbeiten, sie sind zugleich Mahnung, die Meinungsfreiheit immer wieder neu zu verteidigen.

Meiling Yao: Chinesische Schriftzeichen entdecken

Chinesische Schriftzeichen entdecken

Meiling Yao
Chinabooks (2021)
136 Seiten, 19,00 €

Der Verlag über das Buch

Bei der Reihe China entdecken handelt es sich um eine der meistverwendeten Lehrmittelreihen für Chinesisch als Fremdsprache im deutschen Sprachraum. Der vorliegende Band Chinesische Schriftzeichen entdecken ist ein inoffizieller Begleitband zu Band 1 der beliebten Lehrmittelreihe und füllt eine wichtige Lücke. Es werden sämtliche im Band 1 eingeführten Schriftzeichen detailliert analysiert. Da es sich hierbei vollumfänglich um Schriftzeichen handelt, die zu den am häufigsten verwendeten zählen, ist der vorliegende Band für alle Chinesischlerner auf Anfängerniveau von großem Nutzen, selbst wenn diese mit einem anderen Lehrmittel lernen.

Zunächst wird in der Einleitung grundlegendes Wissen über die chinesische Schrift vermittelt, wobei u. a. die unterschiedlichen Bildungsprinzipien chinesischer Schriftzeichen (piktographische Zeichen, indikatorische Zeichen, Bedeutungskomposita, Signifikum-Phonetikum-Zeichen) und die Grundstriche sowie Grundregeln in der Strichfolge erläutert werden. Die nachfolgenden Einheiten und Lektionen sind je­weils gleich aufgebaut: Zunächst wird die Strichfolge für jedes Schriftzeichen eingeübt, dann folgen zusammenfassende Übungen, bei denen es u. a. darum geht, Signifika (bedeutungstragende Bestandteile) und Phonetika (lauttragende Bestandteile) innerhalb der Schriftzeichen ausfindig zu machen oder einander ähnliche Schriftzeichen miteinander zu vergleichen, um diese besser differenzieren zu lernen. Im Abschnitt Zeichenstrukturanalyse werden die Schriftzeichen anhand ihres jeweils zugrunde liegenden Bildungsprinzips detailliert analysiert und in ihre Bestandteile zerlegt. Auch die Entwicklungsgeschichte der Schriftzeichen wird ange­sprochen, bietet diese doch oftmals für das Memo­rieren der Schriftzeichen sinnvolle Eselsbrücken an.

Professorin Yao Meiling von der East China Normal University in Shanghai ist eine ausgewiesene Expertin auf den Gebieten der Didaktik und der Entwicklungsgeschichte chinesischer Schriftzeichen. In China wie auch im Westen gibt sie ihr Wissen und ihren breiten Erfahrungsschatz im Rahmen von Workshops auch an Chinesischlehrer weiter.

Sigrun Abels, Tania Becker & Philipp Mahltig (Hrsg.): Mobilität in China

Mobilität in China

Jahrbuch der Deutschen Vereinigung für Chinastudien 15
Sigrun Abels, Tania Becker & Philipp Mahltig (Hrsg.)
Harrassowitz Verlag (2021)
248 Seiten, 49,00 €

Der Verlag über das Buch

Mobilität verbindet Menschen miteinander, bringt das Fremde näher, überwindet Grenzen und erweitert Horizonte. Zur Mobilität gehört die Bereitschaft zur Bewegung sowie zur Überwindung räumlicher Distanzen. Die Zunahme der Mobilitätsbedürfnisse verändert weltweit die Anforderungen an Mobilitätsangeboten. Dabei steht insbesondere China durch seinen rapiden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Wandel vor großen Herausforderungen.

Die 29. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Chinastudien (DVCS), die vom 30. November bis zum 1. Dezember 2018 am Center for Cultural Studies on Science and Technology in China (CCST) der Technischen Universität Berlin stattfand, widmete sich der Mobilität, der Bewegung sowie ganz allgemein den Transferprozessen in China. Die Teilnehmenden thematisierten diesen vielfältigen Gegenstand aus verschiedenen Perspektiven, indem sie Mobilität in einem breiten, umfassenden Sinne verstanden: So beschränken sich die Beiträge nicht nur auf technische Themen wie Logistik, e-Mobility, Schienenverkehr und die geplanten ultraschnellen Hyperflight-Systeme, sondern umfassen auch historisch-gesellschaftliche, soziale und philosophische Themen, wie etwa die Reisen der Gelehrtenbeamten und studentische Auslandsreisen, die Veränderungen des Mobilitätsverhaltens sowie die infrastrukturellen Voraussetzungen für Mobilität. Zudem behandeln sie Fragen der sozialen Mobilität durch den Wandel der Gesellschaft und Prozesse des Wissens- und Erfahrungstransfers in der chinesischen Geschichte und Gegenwart.

Cixin Liu: Supernova

Supernova. Roman

Cixin Liu
Heyne Verlag (2021)
512 Seiten, 14,99 €

Der Verlag über das Buch

Der letzte Tag der Menschheit ist angebrochen. Eine gewaltige Strahlenwolke, ausgelöst durch eine Sternexplosion acht Jahre zuvor, wird schon bald alle Menschen über dreizehn Jahren töten. Seit acht Jahren läuft der Countdown, und seitdem werden die Kinder und Jugendlichen der Welt auf eine Zukunft allein vorbereitet. Einige von ihnen jedoch wollen gar nicht so weitermachen wie zuvor. Sie träumen von einer neuen, einer besseren Zukunft für sich und ihren Planeten. Dies ist ihre Geschichte …

Peter Krauss: Tierische Augenweide

Tierische Augenweide – Die Faszination chinesischer Schriftzeichen

Peter Krauss
Frank & Timme Verlag (2021)
224 Seiten, 28,00 €

Der Verlag über das Buch

Es wimmelt von Tieren in der chinesischen Schrift, selbst in Schriftzeichen, in denen man es nicht vermuten würde. Peter Krauss greift zwanzig Tiere heraus, die in einzelnen Schriftzeichen, in Wörtern und Redewendungen vorkommen. Nicht immer ist der Bezug zwischen dem Tier und der Bedeutung des entsprechenden Zeichens sofort verständlich. Zumeist ist die Funktion des Tieres im Schriftzeichen aber erklärbar. Oft treten dabei interessante volkskundliche Aspekte zutage. Krauss lädt zu einer Entdeckungsreise ein, auf der er zeigt, wie sich aus dreitausend Jahre alten, einfachen Bildern die komplexen Zeichen der modernen chinesischen Schrift entwickelt haben. Die Kombination verschiedener Grundzeichen folgt dabei stets einer Verbindung aus Fantasie und Logik. Die Bildhaftigkeit der so entstandenen Zeichen macht aus ihnen kleine graphische Kunstwerke. Auch wer sich selbst an die Ausführung der Schriftzeichen heranwagen will, findet in diesem Buch wertvolle Hinweise.

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

Chinesische und japanische Kalligraphie aus zwei Jahrtausenden

Chinesische und japanische Kalligraphie aus zwei Jahrtausenden – Die Sammlung Heinz Götze

Prestel Verlag (1987)
198 Seiten, 29,00 €

Die Drei Reiche. Roman aus dem alten China

Die drei Reiche. Roman aus dem alten China

Kiepenheuer Verlag (1951)
445 Seiten, 45,00 €

Wolfgang Kubin (Hrsg.): Aus dem Garten der Wildnis

Aus dem Garten der Wildnis – Studien zu Lu Xun (1881-1936). Studium Universale

Wolfgang Kubin (Hrsg.)
Bouvier Verlag (1989)
215 Seiten, 25,00 €

Das andere China – Festschrift für Wolfgang Bauer zum 65. Geburtstag

Das andere China – Festschrift für Wolfgang Bauer zum 65. Geburtstag

Wolfenbütteler Forschungen, Band 62
Harrassowitz Verlag (1995)
686 Seiten, 25,00 €

Antje Richter, Helmolt Vittinghoff (Hrsg.): China und die Wahrnehmung der Welt

China und die Wahrnehmung der Welt

Jahrbuch der Deutschen Vereinigung für Chinastudien, Band 3
Antje Richter, Helmolt Vittinghoff (Hrsg.)
Harrassowitz Verlag (2007)
364 Seiten, 25,00 €

Marcus Hernig (Text), Jan Siefke (Fotografie): Angekommen!

Angekommen! 100 Jahre und 3 Monate durch Nordchina

Marcus Hernig (Text), Jan Siefke (Fotografie)
China Intercontinental Press (2005)
255 Seiten, 18,00 €

Aktuelle Buchempfehlungen – November 2021

Tenzin Geyche Tethong: Dalai Lama

Dalai Lama – Eine illustrierte Biografie

Tenzin Geyche Tethong
Insel Verlag (2021)
351 Seiten, 32,00 €

Der Verlag über das Buch

Die aktuelle Biografie des Vierzehnten Dalai Lama ermöglicht einen intimen  Einblick in die bewegte Lebensgeschichte des spirituellen Oberhaupts der Tibeter. Verfasst von seinem Sekretär Tenzin Geyche Tethong, zeichnet der mit rund vierhundert bisher unveröffentlichten Fotografien, Interviews und persönlichen Erinnerungen aufwendig gestaltete Bildband das denkwürdige Porträt einer der eindrucksvollsten Persönlichkeiten unserer Zeit. Tethong schildert das dramatische Leben des inzwischen sechsundachtzigjährigen Dalai Lama, der im Alter von zwei Jahren als Wiedergeburt seines Vorgängers aufgefunden wurde, als Fünfzehnjähriger der Großmacht China entgegentreten musste und seit über sechzig Jahren seine Heimat Tibet nicht wiedergesehen hat. Ergänzt werden die zeitgeschichtlichen Dokumente durch Abbildungen von Wandgemälden und Buchillustrationen, die die historische Stellung der Dalai Lamas veranschaulichen.

Lothar Ledderose: China Schreibt Anders

China Schreibt Anders (Heidelberger Akademische Bibliothek)

Lothar Ledderose
Kröner Verlag (2021)
120 Seiten, 19,90 €

Der Verlag über das Buch

In einer Zeit, da China immer wichtiger wird, wird es auch immer wichtiger, China zu verstehen. Viel ist da noch zu tun. Die chinesische Schrift ist das komplizierteste System von Formen, welches die Menschheit geschaffen hat, und ein Alleinstellungsmerkmal der chinesischen Kultur. Eine Analyse dieses Systems lässt die grundlegende Andersartigkeit Chinas verstehen, in Erziehung, Religion und Politik.

Chen Hong: Durchs wilde Tibet

Durchs wilde Tibet – Ein Roadtrip über das Dach der Welt

Chen Hong
Drachenhaus Verlag (2021)
ca. 300 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Extreme Landschaften, steile Berge und mystische Kultur – Tibet ist ein faszinierendes Land, das schon seit vielen Jahrhunderten Reisende anzieht. So auch die chinesische Schriftstellerin Chen Hong: Realistisch und voller Selbstironie beschreibt sie ihre Abenteuer in der dünnen Luft, ihre eindrucksvollen Begegnungen mit Mensch und Tier auf fünf wilden Roadtrips in die entlegensten Winkel des Landes. Fernweh garantiert!

Stephan Thome: Gebrauchsanweisung für Taiwan

Gebrauchsanweisung für Taiwan

Stephan Thome
Piper Verlag (2021)
224 Seiten, 15,00 €

Der Verlag über das Buch

Stephan Thome blickt tief in die Seele seiner zweiten Heimat: Taiwan ist eine ebenso junge wie umkämpfte Demokratie, geprägt von Kolonialherrschaft, Diktatur und neuer Freiheit. Hier mischt sich das japanische Erbe mit chinesischem Brauchtum und den Traditionen der Ureinwohner. Reisende erwartet eine auf ihre Unabhängigkeit pochende Nation, die sich im Meistern von Krisen bewährt und zu deren größten Obsessionen Essen und Baseball zählen. Dazu grandiose Naturlandschaften mit Nationalparks, imposanten Bergen und Steilküsten, heißen Quellen und wilden Schluchten. Eine außergewöhnliche Dichte an alten Tempeln und unzählige Nachtmärkte mit der köstlichsten Küche Asiens – und so verlockenden Speisen wie „Stink-Tofu“.

Der preisgekrönte Autor lebt seit vielen Jahren in Taiwan und erzählt kundig und unterhaltsam von seiner Liebe zum geschichtsträchtigen Inselstaat im Pazifik.

Hermann Simon: Hidden Champions

Hidden Champions – Die neuen Spielregeln im chinesischen Jahrhundert

Hermann Simon
Campus Verlag (2021)
280 Seiten, 39,95 €

Der Verlag über das Buch

Hidden Champions – das sind die Weltmarktführer, die kaum jemand kennt. Die meisten von ihnen sitzen nicht etwa im Silicon Valley, sondern in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Management-Vordenker Hermann Simon prägte den Begriff für die Top-Mittelständler in Nischenmärkten bereits vor 30 Jahren, doch vieles hat sich seither verändert. Nach dem Export-Boom in den Jahren 1990–2010 sehen die Unternehmen sich heute vor großen neuen Herausforderungen: Direktinvestitionen verdrängen den Export, die Warenströme weichen zunehmend digitalen Dienstleistungen, das Thema Nachhaltigkeit bietet Chancen, erfordert aber ein Umdenken. Wie steht es um die Zukunftsaussichten der »Heimlichen Gewinner«, und welche Strategien und neuen Spielregeln bringen sie weiter angesichts der wachsenden Wirtschaftsmacht Chinas?

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

Edition Minerva: Tsingtau

Tsingtau – Ein Kapitel deutscher Kolonialgeschichte in China 1897–1914

Hans Martin Hinz & Christoph Lind (Hrsg.)
Edition Minerva (1998)
220 Seiten, 70,00 €

Christa-Maria Zimmermann: Hundert Tage bis Lhasa

Hundert Tage bis Lhasa

Christa-Maria Zimmermann
Arena Verlag (2004)
290 Seiten, 14,00 €

Helmut Peters: Auf der Suche nach der Furt

Auf der Suche nach der Furt – Die VR China aus dem Mittelalter zum Sozialismus

Helmut Peters
Neue Impulse Verlag (2009)
580 Seiten, 48,00 €

Edition Freie Kultur Aktion: Rikscha-Kuli

Rikscha-Kuli. Comic nach Lao She

Edition Freie Kultur Aktion (1996)
86 Seiten, 8,00 €

Lin Yutang: Lady Wu

Lady Wu – Das ungewöhnliche Leben einer Kaiserin

Lin Yutang
Deutscher Bücherbund (o. J., ca. 1960)
319 Seiten, 49,00 €

Aktuelle Buchempfehlungen – Oktober 2021

Björn Alpermann: Xinjiang

Xinjiang – China und die Uiguren

Björn Alpermann
Würzburg University Press (2021)
276 Seiten, 29,80 €

Der Verlag über das Buch

Die Situation in Chinas nordwestlicher Region Xinjiang hat in den letzten Jahren zunehmende internationale Aufmerksamkeit erfahren. Berichte über Masseninternierungen von Uiguren und anderen ethnischen Gruppen in Umerziehungslagern, Zwangsarbeit, Zwangssterilisation und weitere Menschenrechtsverletzungen beherrschen die Schlagzeilen und belasten die Beziehungen zwischen China und seinen Kritikern. Die chinesische Regierung rechtfertigt ihr Vorgehen hingegen als Kampf gegen Terrorismus, islamistischen Extremismus und ethnischen Separatismus. „Xinjiang – China und die Uiguren“ präsentiert erstmalig in deutscher Sprache eine tiefergehende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem kontroversen Thema. Prägnant und anschaulich führt der erste Teil des Buchs in die komplexe Geschichte der Region ein. Der zweite Teil stellt die Entwicklungen im 21. Jahrhundert dar. Hierbei zeigt sich ein facettenreiches Bild der sozioökonomischen Entwicklung, der ethnischen Identität sowie der Sprach- und Religionspolitik. Der dritte Teil hinterfragt die gängigen Deutungen des Xinjiang-Konflikts, analysiert Proteste und Terrorismus ebenso wie die staatlichen Repressionsmaßnahmen und die internationale Dimension der Auseinandersetzung. Quellennah, basierend auf den Ergebnissen der neuesten Forschung und in einem unaufgeregten Ton vermittelt „Xinjiang – China und die Uiguren“ ein ausgewogenes Bild der aktuellen Konflikte.

Wang Rong et al: Unter dem Baum auf einen Hasen warten

Unter dem Baum auf einen Hasen warten – Chinesische Sprichwortgeschichten

Wang Rong et al.
Drachenhaus Verlag (2021)
36 Seiten, 7,00 €

Der Verlag über das Buch

Chengyu sind chinesische Redewendungen mit einer moralischen oder philosophische Botschaft. Sie sind ein wichtiger Teil der chinesischen Sprachkultur und werden sogar an Schulen unterrichtet. 3000 Chengyu werden häufig verwendet, geschätzte 50.000 gibt es.

In unserer Sprachlehrreihe „Level“ stellen wir die gebräuchlichsten Redewendungen vor. Die zweisprachigen Texte mit Pinyin-Umschrift bieten die Möglichkeit, die Sprachfähigkeiten zu verbessern und gewähren tiefe Einblicke in Chinas großen Schatz an Volksweisheiten.

Die QR-Codes im Buch führen zu Audio-Dateien mit den von Muttersprachlern vorgelesenen Geschichten!

Erika Fatland: Hoch oben

Hoch oben – Eine Reise durch den Himalaya

Erika Fatland
Suhrkamp Verlag (2021)
636 Seiten, 20,00 €

Der Verlag über das Buch

Die preisgekrönte Bestsellerautorin Erika Fatland zieht es nach ihren Reisen durch das wilde Sowjetistan und entlang der russischen Grenze nun in das höchste Gebirge der Welt. Für Hoch oben reiste sie durch den gesamten Himalaya von Pakistan nach Myanmar, über Nepal, Indien, Tibet und Bhutan. Hier begegnet sie Menschen, die ihr Leben in schwindelnder Höhe unter den widrigsten klimatischen Bedingungen bestreiten. Wie diese Menschen damit umgehen und was sie dort hält, erzählt Erika Fatland in diesem aufregenden und kenntnisreichen Reisebericht.

Hugh Amano & Sarah Becan: Dumplings für alle!

Dumplings für alle! Ein Kochbuch über asiatische Teigtaschen

Hugh Amano & Sarah Becan
Verlag Antje Kunstmann (2021)
208 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Dumplings, die in allen asiatischen Kochkulturen verbreiteten Teigtaschen, werden immer beliebter: Dieses illustrierte Kochbuch serviert authentische Rezepte für japanische Gyoza, chinesische Jiaozi, koreanische Mandu und viele mehr. Eine Liebeserklärung an ein Essen, von dem man nie genug kriegen kann.

Das neue Buch von Chef Hugh Amano und Illustratorin Sarah Becan lädt in die weite Welt der Teigtaschen aus diversen asiatischen Kochkulturen ein: Die kulinarische Reise geht von Gyoza aus Japan, Jiaozi, Wonton, Siu Mai und diversen Baozi aus China, Mandu aus Korea über tibetische Momos und mongolische Buuz bis zu den süßen Kaya Baozi aus Malaysia und Num Kom aus Kambodscha.

Dieses detailreich illustrierte, kompetente und dabei äußerst zugängliche Kochbuch wird Neueinsteigern ebenso viel Vergnügen bereiten wie erfahrenen Köchen. Geschichte – und Geschichten – der Teigtaschen finden darin ebenso Platz wie die passenden Teige, die diversen klassischen Formen und die dazugehörigen Falttechniken, die aromatischen Füllungen und die Zubereitungsmöglichkeiten.

Rezension von Dagmar Yu-Dembski

Martin Krieger: Geschichte des Tees

Geschichte des Tees – Anbau, Handel und globale Genusskulturen

Martin Krieger
Böhlau Verlag (2021)
302Seiten, 35,00 €

Der Verlag über das Buch

In der Teetasse spiegeln sich zwei Jahrtausende Weltgeschichte wider. Schon früh ein Getränk am chinesischen Kaiserhof und in buddhistischen Klöstern, eroberte der Tee seit dem 17. Jahrhundert Europa. Die Mediziner versprachen sich von ihm Gesundheit und ein langes Leben, am gepflegten Teetisch wurde er wiederum zum Inbegriff höchster Genussfreude. Auch die Deutschen lernten ihn kennen und schätzen. Nicht nur in Ostfriesland, sondern ebenso in Hamburg, Berlin, Weimar und Baden Baden verspricht der Tee bis heute Genuss und Lebensfreude. Das Buch schildert in lebendiger Sprache Anbau, Handel und Konsum eines einzigartigen Getränks. Ebenso hinterfragt es die sich immer noch um den Tee rankenden Legenden. Es liefert einen umfassenden Überblick von den frühesten Anfängen in Asien bis in die Gegenwart und beleuchtet ausführlich die Entwicklung des Teegenusses in Deutschland.

An Yu: Unter Wasser atmen

Unter Wasser atmen. Roman

An Yu
dtv Verlagsgesellschaft (2021)
224 Seiten, 20,00 €

Der Verlag über das Buch

Ein Tauchgang zum Ursprung unserer Gefühle

Eines Herbstmorgens findet Jia Jia ihren Mann leblos in der halbvollen Badewanne. Neben ihm liegt die Zeichnung einer rätselhaften Kreatur: halb Fisch, halb Mann. Obwohl der Tod ihres Mannes das Ende einer unglücklichen Ehe und den Beginn einer neuen Freiheit bedeutet, lässt Jia Jia diese Zeichnung nicht mehr los. Der Fischmann verfolgt sie in ihrem einsamen Alltag in der Millionenmetropole Peking und in ihren Träumen. Um seine Bedeutung zu entschlüsseln, begibt Jia Jia sich auf eine Spurensuche, die wertvolle Begegnungen mit sich bringt und sie bis ins Landesinnere Tibets führt – und in die Tiefen ihres eigenen Bewusstseins.

Can Xue: Liebe im neuen Jahrtausend

Liebe im neuen Jahrtausend. Roman

Can Xue
Matthes & Seitz Berlin (2021)
420 Seiten, 26,00 €

Der Verlag über das Buch

»Wenn es eine chinesische Kandidatin für den Nobelpreis gibt, dann ist es sicher Can Xue.« Susan Sontag

Wei Bo irrlichtert durch eine Welt ständiger erotischer Verfügbarkeit, in der er zum Spielball in einer geheimnisvoll matriarchal kontrollierten Gesellschaft wird. Vier Frauen dominieren seine Welt, in der sich alle in permanenter Überwachung befinden, in der Informanten in Blumenbeeten lauern und es vor falschen Berichten wimmelt. Verschwörungen wuchern an allen Ecken und Enden dieser Gesellschaft, die Paranoia und Misstrauen schürt. Manche versuchen zu fliehen – sei es in ein mysteriöses Wellnesshotel oder in die Häuser der Ahnen, die nur unterirdisch durch schlammige Höhlen, Abwasserkanäle und Tunnel erreicht werden können. Andere suchen die Zuflucht in einer Stadt namens Chao, wo traditionelle chinesische Heilpflanzen es ermöglichen, zu einem neuen Selbst zu finden, und versprechen, die Welt etwas glücklicher werden zu lassen. Jedes Leben wird hier von tief vergrabenen Geheimnissen und surrealen Trugbildern heimgesucht.

Can Xues meisterhaft erzählte Liebesgeschichte ist eine düster-groteske Farce aus dem heutigen China. Sie zeigt die vielen Gesichter der Liebe – satirisch, tragisch, vergänglich, absurd und erfüllend – vor einer Kulisse aus Kommerz und Industrie, Betrug und Ausbeutung.

Alexander Görlach: Brennpunkt Hongkong

Brennpunkt Hongkong – Warum sich in China die Zukunft der freien Welt entscheidet

Alexander Görlach
Hoffmann und Campe Verlag (2021)
176 Seiten, 14,00 € (Taschenbuchausgabe)

Der Verlag über das Buch

Sollte es uns Hoffnung machen, dass die Menschen in Hongkong für die Demokratie ihr Leben aufs Spiel setzen? Oder wird dort der globale Sieg der Autokratie besiegelt?

Egal ob in Amerika, Europa oder Asien: Überall auf der Welt erleben wir den Aufstieg von rechtem Populismus und autokratischen Systemen. Die Zukunft der Demokratie steht auf dem Spiel. Nirgendwo wird dies so deutlich wie in Hongkong. Wie verhält sich der Westen dazu? Stehen wir den Menschen bei? Oder knicken wir ein vor der wirtschaftlichen Macht Chinas?

Alexander Görlach kennt die Situation in Hongkong wie kaum ein anderer. Für ihn ist klar: Viele schauen mit Bewunderung auf die Prosperität Chinas und die vermeintlich schnelle Umsetzung von Entscheidungen. Doch in Hongkong wird deutlich, was ein Flirt mit autokratischen Staaten in Zukunft auch für uns bedeuten kann.

Jonas Cramby: China vegetarisch

China vegetarisch – 65 authentische Lieblingsgerichte von Shanghai bis Chinatown NY

Jonas Cramby
Christian Verlag (2021)
208 Seiten, 24,99 €

Der Verlag über das Buch

Dass die asiatische Küche viel Erfreuliches für Vegetarier zu bieten hat, ist hinlänglich bekannt. China hatte man in dieser Hinsicht allerdings bisher kaum auf dem Schirm. Dabei eignet sich kaum eine Küche so gut für vegetarische Rezepte wie die chinesische! Die Aromenvielfalt chinesischen Essens ist einfach unvergleichlich: Vom würzigen Mapo Tofu oder klassischem Hotpot aus Sichuan über kantonesischen Claypot Rice bis hin zum frittierten Blumenkohl aus New Yorks Chinatown – mehr Geschmack geht nicht!

Nicola Spakowski: China seit 1978

China seit 1978 – Politik, Wirtschaft, Gesellschaft

Nicola Spakowski
Kohlhammer Verlag (2021)
184 Seiten, 29,00 €

Der Verlag über das Buch

Nachdem sich China im Jahr 1978 eine Politik von „Reform und Öffnung“ zum Ziel gesetzt hatte, durchlief das Land eine beeindruckende Entwicklung. Von einem Entwicklungsland hat es sich zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt vorgearbeitet und den durchschnittlichen Lebensstandard der Bevölkerung beträchtlich erhöht. Nicola Spakowski zeigt fundiert auf, wie es den Nachfolgern von Mao Zedong gelungen ist, das Land aus der Isolation herauszuführen, Reformen anzustoßen und das politische und ökonomische System unablässig an immer neue Herausforderungen anzupassen. Sie stellt die Besonderheiten der chinesischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dar und erklärt die Probleme und Konflikte, die mit der fundamentalen Umgestaltung des Landes einhergehen.

Aktuelle Buchempfehlungen – September 2021

Annette Morheng: China - Harmonie der Farben

China – Harmonie der Farben

Annette Morheng
teNeues Verlag (2021)
176 Seiten, 39,90 €

Der Verlag über das Buch

China in unbekannten, leisen und fröhlichen Tönen. Unvoreingenommen richtet die Luxemburger Fotografin und Reisejournalistin Annette Morheng ihre Kamera seit vielen Jahren auf den authentischen Alltag im Reich der Mitte – einem Land, in dem Tradition und Fortschritt aufeinanderprallen. Ihre Bilder erzählen von Menschen, Dörfern und Hutongs, von Tempeln und Wolkenkratzern, von Natur und Megametropolen. Sie zeigt, wie die Menschen in China mit den rasanten Veränderungen umgehen und Brauchtum mit Internationalität verknüpfen. Erfrischend beschreibt die Autorin Unbekanntes und lässt uns lebhaft an ihren Reisen in die entlegensten Provinzen zu den unterschiedlichsten Ethnien teilnehmen. Ein neues natur-, kultur- und menschenliebendes Chinabild!

Christine Maiwald: Das schwierige schöne Leben

Das schwierige schöne Leben. Ein deutscher Kaufmann in Shanghai 1906 bis 1952

Christine Maiwald
Dölling und Galitz Verlag (2021)
670 Seiten, 29,90 €

Der Verlag über das Buch

Hermann W. Breuer (1884–1973) ging 1906, mit 22 Jahren, für das Bremer Übersee-Haus Melchers & Co. als Kaufmann nach Shanghai und empfand sich bald als »Sohn des Reiches der Mitte«. Seine Geschichte steht exemplarisch für das schwierige schöne Leben der deutschen Kaufleute in der internationalen Handelsmetropole Shanghai während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie beginnt in einer Zeit kolonialer Ansprüche und endet mit dem Neubeginn des deutsch-chinesischen Austauschs, den Breuer als Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins Bremen mit prägte. Unterhaltsam und mit großer Kenntnis wird erzählt vom Reisen und Alltagsleben in China, von Fahrten mit der Transsibirischen Eisenbahn und auf Ozeandampfern, von neuen Kommunikationsmitteln, von Briten, Amerikanern und Chinesen, die Breuer im Job, in Clubs, beim Sport begegneten.

Stephan Thome: Pflaumenregen

Pflaumenregen. Roman

Stephan Thome
Suhrkamp Verlag (2021)
526 Seiten, 25,00 €

Der Verlag über das Buch

Taiwan in den 1940er Jahren, am Ende der japanischen Kolonialzeit. Während der Pazifische Krieg unaufhaltsam näher rückt, wächst die achtjährige Umeko behütet in einer Kleinstadt im Norden der Insel auf. Sie ist stolz auf ihr gutes Japanisch und himmelt ihren älteren Bruder an, der der Star des örtlichen Baseballteams ist. Als die Armee jedoch am Ortsrand ein Lager für ausländische Kriegsgefangene einrichtet, gerät ihr Leben in einen Strudel aus Schuld und Verbrechen, der die Familie siebzig Jahre später immer noch gefangen hält.

Stephan Thomes neuer Roman ist eine Liebeserklärung an seine Wahlheimat Taiwan und den zähen Überlebenswillen ihrer Bewohner. Pflaumenregen entfaltet ein berührendes historisches Panorama, in dessen Zentrum eine familiäre Tragödie steht. Gleichzeitig zielen die darin aufgeworfenen Fragen auf unsere eigene zerrissene Gegenwart: Was stiftet Zugehörigkeit, wenn persönliche und nationale Identität viel weniger eindeutig sind, als wir glauben? Wie viel wissen wir von denen, die uns am nächsten stehen? Was wissen wir wirklich über uns selbst?

Hugh Amano & Sarah Becan: Dumplings für alle!

Dumplings für alle! Ein Kochbuch über asiatische Teigtaschen

Hugh Amano & Sarah Becan
Verlag Antje Kunstmann (2021)
208 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Dumplings, die in allen asiatischen Kochkulturen verbreiteten Teigtaschen, werden immer beliebter: Dieses illustrierte Kochbuch serviert authentische Rezepte für japanische Gyoza, chinesische Jiaozi, koreanische Mandu und viele mehr. Eine Liebeserklärung an ein Essen, von dem man nie genug kriegen kann.

Das neue Buch von Chef Hugh Amano und Illustratorin Sarah Becan lädt in die weite Welt der Teigtaschen aus diversen asiatischen Kochkulturen ein: Die kulinarische Reise geht von Gyoza aus Japan, Jiaozi, Wonton, Siu Mai und diversen Baozi aus China, Mandu aus Korea über tibetische Momos und mongolische Buuz bis zu den süßen Kaya Baozi aus Malaysia und Num Kom aus Kambodscha.

Dieses detailreich illustrierte, kompetente und dabei äußerst zugängliche Kochbuch wird Neueinsteigern ebenso viel Vergnügen bereiten wie erfahrenen Köchen. Geschichte – und Geschichten – der Teigtaschen finden darin ebenso Platz wie die passenden Teige, die diversen klassischen Formen und die dazugehörigen Falttechniken, die aromatischen Füllungen und die Zubereitungsmöglichkeiten.

Rezension von Dagmar Yu-Dembski

Marko Martin: Die letzten Tage von Hongkong

Die letzten Tage von Hongkong

Marko Martin
Tropen Verlag (2021)
320 Seiten, 22,00 €

Der Verlag über das Buch

2019/2020 – Zwischen den Jahren ist Marko Martin mit seinem Partner in Hongkong. Am Neujahrstag nimmt er an den Protesten der Demokratiebewegung teil. Es werden die Letzten sein. Gleichzeitig machen Nachrichten von einem neuartigen Virus die Runde. Das intime Porträt einer Stadt, die in wenigen Tagen alle Freiheit verliert. Was kann Literatur dagegen setzen? Vielleicht ihr Insistieren auf Gedächtnis und die Freiräume unzensierter Reflexion.

K-Ming Chang: Bestiarium

Bestiarium. Roman

K-Ming Chang
Hanser Verlag (2021)
288 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

K-Ming Chang erzählt in ihrem elektrisierendem Debüt von queerer Liebe, Migration und Familie entlang von drei Generationen taiwanisch-amerikanischer Frauen in den USA. Eine Familie gräbt im Garten nach Gold. Es soll der Türöffner sein, um ihr altes Leben in Taiwan hinter sich zu lassen. Doch der verheißungsvolle Traum vom Leben in Arkansas kann die Familie nicht vor den Traumata bewahren, die sie stets mit sich trägt. Eine Generation später in Kalifornien gräbt eine Tochter nach den Geschichten ihrer Herkunft und findet anarchische Briefe ihrer Großmutter. Die Figuren in K-Ming Changs Roman feiern die Kraft des Erzählens: Wild entschlossen spinnen sie die Mythen ihrer Vergangenheit fort und erschaffen sich so neue Wurzeln und eine ganz eigene Identität. Bestiarium pulsiert vor Lebendigkeit. Ein elektrisierendes Debüt!

Bei Dao: Das Stadttor geht auf

Das Stadttor geht auf. Eine Jugend in Peking

Bei Dao
Hanser Verlag (2021)
336 Seiten, 25,00 €

Der Verlag über das Buch

Der weltberühmte Dichter Bei Dao, der nach Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens des Landes verwiesen wurde, erinnert sich: an seine Kindheit in Peking und seine turbulente Jugend während der Kulturrevolution, an die berauschende und festliche Stimmung dieser Zeit, an die Roten Garden, denen er sich als Siebzehnjähriger anschloss. Das intim Familiäre und das lärmend Politische, die Begeisterung und die Ernüchterung, das Feiern, auf das die Hungersnot folgt: All dies erzählt Bei Dao in seinem einzigartigen Erinnerungsbuch, in dem er seine verlorene Stadt mit all ihren Empfindungen, Gerüchen und Geräuschen aufleben lässt, „um das Peking von heute zu widerlegen.“

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

Hpng Lou Meng - Der Traum der roten Kammer

Hóng Lóu Mèng (红楼梦 – „Der Traum der roten Kammer“; in chinesischer Sprache)

2 Bände (1993)
1418 Seiten, 36,00 €

Masterworks of Chinese Porcelain in the National Palace Museum, Supplement

4 Bände herausgegeben vom National Palace Museum Taipei:

Masterpieces of Chinese Seals in the National Palace Museum (1974), 39,00 €
Masterworks of Chinese Porcelain in the National Palace Museum, Supplement (1973), 29,00 €
Masterpieces of Chinese Bronze Mirrors in the National Palace Museum (1971), 39,00 €
Select Chinese Rare Books and Historical Documents in the National Palace Museum (1971), 39,00 €

Aktuelle Buchempfehlungen – August 2021

Maos langer Schatten – Chinas Umgang mit der Vergangenheit

Daniel Leese
C.H.Beck Verlag (2020)
606 Seiten, 38,00 €

Der Verlag über das Buch

Wie kann sich eine Diktatur mit dem Erbe von Unrecht und Staatsverbrechen auseinandersetzen, die unter ihrer Herrschaft begangen wurden? Mit dieser Frage sah sich die Kommunistische Partei Chinas nach dem Tod Mao Zedongs im Jahr 1976 konfrontiert. Gestützt auf eine Vielzahl bislang unbekannter Dokumente entwirft der Freiburger Sinologe Daniel Leese ein breit angelegtes Panorama der chinesischen Politik und Gesellschaft in der kritischen Umbruchphase zwischen 1976 und 1987.

Die Massenkampagnen des «Großen Vorsitzenden» Mao Zedong hatten horrende Opferzahlen gefordert und die Volksrepublik China an den Rand eines Bürgerkriegs geführt. Unter seinen Nachfolgern begann die Kommunistische Partei ein großangelegtes Experiment historischer Krisenbewältigung. Millionen politisch Verfolgte wurden rehabilitiert, Entschädigungszahlungen geleistet und Täter vor Gericht gestellt, allen voran die «Viererbande» um Maos Frau Jiang Qing. Das Ziel bestand darin, einen Schlussstrich unter die Geschichte zu ziehen und alle Energien auf die wirtschaftliche Reformpolitik zu lenken. Aber die Schatten der Vergangenheit ließen sich nicht so einfach bannen. Gestützt auf eine Vielzahl bislang unbekannter Quellen – von vormals geheimen Reden der Parteiführung bis zu Petitionsschreiben einfacher Bürger – zeichnet Daniel Leese ein hochdifferenziertes Bild der Dekade nach Mao Zedongs Tod. Die Auswirkungen dieses Ringens um historische Gerechtigkeit sind in der chinesischen Politik und Gesellschaft bis heute spürbar.

Das Buch war nominiert für den deutschen Sachbuchpreis 2021.

Sehnsucht nach Shanghai. Roman

Luo Lingyuan
Ebersbach & Simon (2021)
320 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Eine leidenschaftliche Liebe in Shanghai
Shanghai 1935: Klug, schön und unkonventionell, passt die amerikanische Journalistin Emily Hahn perfekt in die schillernde Stadt der Abenteurer, Dichter und Dandys. Mit ihrem Gibbon Mr Mills ist sie stets Mittelpunkt der mondänen Dinnerpartys von Victor Sassoon, ihre China-Reportagen für den New Yorker sind ein Riesenerfolg. Als sie den attraktiven Lyriker und Verleger Zau Sinmay kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick – und der Beginn einer leidenschaftlichen Affäre. Durch ihn bekommt sie Zugang zur gehobenen chinesischen Gesellschaft und die einmalige Chance, eine Biografie über die berühmten Soong-Schwestern zu schreiben. Doch schon bald werfen die politischen Ereignisse ihre Schatten voraus … Ein bewegender Roman über eine Frau, die unbeirrt ihren Weg geht, und zugleich eine spannende Zeitreise in das Shanghai der wilden Dreißigerjahre.

„Wann immer sich mir die Gelegenheit bot, habe ich bewusst den Weg eingeschlagen, der ins Ungewisse führte.“ Emily Hahn

Der Schwur der Adlerkrieger (Die Legende der Adlerkrieger Band 2)

Jing Yong
Heyne Verlag (2021)
560 Seiten, 16,99 €

Der Verlag über das Buch

Kaum in der Jin-Hauptstadt Zhongdu angekommen, erfährt der tapfere Kung-Fu-Kämpfer Guo Jing nicht nur die Wahrheit über den gewaltsamen Tod seines Vaters, sondern findet auch noch heraus, dass er gegen seinen Willen gleich zwei Frauen versprochen ist. Dabei gehört sein Herz doch der schönen Rebellin Huang Rong! Gemeinsam mit ihr macht er sich auf die gefährliche Reise durch China, um das seit Langem verschollene Buch Der Wahre Weg der Neun Yin zu finden. Mit dieser Schrift kann jeder Kung-Fu-Künstler unbesiegbar werden, und sollte sie in den falschen Händen landen, wäre das Schicksal des ganzen Reiches besiegelt …

Qingjing Jing – Das Buch der Klarheit und Ruhe

Chinesisch/Deutsch
Kalligraphie, Übers. und Komm. von Hsing-Chuen Schmuziger-Chen
Reclam Verlag (2021)
104 Seiten, 20,00 €

Der Verlag über das Buch

Das Qingjing Jing ist ein Werk von großer sprachlicher Klarheit und spiritueller Tiefe. Der kurze, anonyme Text in Versform aus dem 7./8. Jahrhundert gilt als eine der wichtigsten Schriften des Daoismus, dessen zentrale Elemente er mit buddhistischem Gedankengut verbindet. Das Buch der Klarheit und Ruhe widmet sich dem menschlichen Sein wie der Ordnung des Kosmos und ist deutlich zugänglicher als das im Westen weitaus bekanntere Daodejing des Laozi.

Die deutsche Übersetzung von Hsing-Chuen Schmuziger-Chen fußt erstmals auf dem chinesischen Urtext und nicht, wie üblich, auf englischen Fassungen. In einem knappen Kommentar erläutert sie Kernbegriffe und gibt Hinweise für ihre lebenspraktische Anwendung. Ihre Kalligraphien bannen Rhythmus und Bewegung des Textes in kunstvoll fließende Bewegung.

Qianziwen – Der 1000-Zeichen-Klassiker

Xingsi Zhou, übers. und komm. von Eva Lüdi Kong
Reclam Verlag (2021)
128 Seiten, 8,00 €

Der Verlag über das Buch

Den 1000-Zeichen-Klassiker konnte über 1000 Jahre jeder, der lesen und schreiben lernte, auswendig; er vermittelt die Grundzüge konfuzianischer Ethik und Bildung.

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

Eisenbahnkursbuch der chinesischen Eisenbahn von 1965 – verkauft

Verlag unbekannt
141 Seiten, 25,00 €
Innen tadellos, Umschlag mit Gebrauchsspuren

Telefonbuch von Peking von 1965 – verkauft

Verlag unbekannt
183 Seiten, 25,00 €
Innen tadellos, Umschlag mit Gebrauchsspuren

Woodcuts of War-Time China 1937–1945 – verkauft

Compiled by the Chinese Woodcutters’ Association
Kaiming Books Company Shanghai (1946)
160 Seiten, 170,00 €
Innen tadellos, Papier nachgedunkelt, Umschlag vorne mit Gebrauchsspuren

1000 Modern Songs From Hollywood – verkauft

Modern Screen Song Corp. Shanghai (1939)
351 Seiten, 28,00 €
Die ersten Seiten mit  leichten Stockflecken, sonst sauber; grüner, sehr stark abgenutzter Einband

An Official Guide to Eastern Asia Vol. IV – China – verkauft

The Imperial Japanese Government Railways Tokyo, Japan (1915)
414 Seiten, 45,00 €
Einband tadellos, oberer Schnitt Goldschnitt,  Bindung nicht mehr ganz gerade, leicht angestaubt im  Seitenschnitt, auf Seite 2 eingeklebtes Preisschild des letzten Ladens in Peking; Karte fehlt

马克思恩格斯文集 – Gesammelte Werke von Marx und Engels

Sprache: Chinesisch
Beijing (2009)
10 Bände, 150,00 €
Exzellenter Zustand

Aktuelle Buchempfehlungen – Juli 2021

Weiches Begräbnis

Fang Fang
Hoffmann und Campe Verlag (2021)
448 Seiten, 26,00 €

Der Verlag über das Buch

„Fesselnd wie ein Opiumrausch.“ Le Monde — Wer China verstehen will, sollte diesen Roman lesen: In ihrem zuerst gefeierten, dann verfemten Roman rührt Fang Fang an die Traumata der chinesischen Seele. Als „Weiches Begräbnis“ 2016 in China erscheint, wird der Roman als wichtigstes chinesisches Werk der letzten Jahrzehnte gefeiert und mit dem renommierten Literaturpreis Lu Yao ausgezeichnet. Doch als bei einer Parteizusammenkunft der Roman mit dem Vokabular der Kulturrevolution als „Giftpflanze“ verbrämt wird, verschwindet das Buch vom Markt. Denn Fang Fang rührt darin an ein unverarbeitetes Trauma der chinesischen Gesellschaft, die Landreform nach 1948, als Millionen Chines*innen hingerichtet und in „weichen Begräbnissen“, d. h. ohne Sarg, verscharrt wurden. In einem kleinen Dorf wird eine junge Frau halbtot aus einem Fluss gezogen, sie erinnert sich an nichts. Der Dorfarzt Dr. Wu rettet ihr das Leben, und sie beginnt ein neues: Sie wird Haushälterin des KP-Kaders vor Ort, heiratet ihren Retter Dr. Wu, und sie bekommen einen Sohn. Doch im Laufe der Jahre löst sich der schützende Kokon des Vergessens. Sie sind verdammt zu schweigen, denn das Schweigen schützt die Familie: auch dafür steht „weiches Begräbnis“, die Erinnerung so tief zu begraben, dass gefährliches Wissen für immer verlorengeht. Im Schatten dieses Traumas wächst ihr Sohn auf – doch alles ändert sich, als er beginnt, die Vergangenheit zu erforschen.

Leben und Sterben in China – 111 Fabeln nach 111 Zeichen

(Herbert) Schuldt
Verlag Matthes & Seitz Berlin (2021)
278 Seiten, 28,00 €

Der Verlag über das Buch

Die knappen Geschichten sind so schnell und plötzlich wie ein Kuss oder ein Niesen. Neben jeder Bildseite mit einem roten Zeichen steht die Fabel dazu. So entfaltet Schuldt Blitzkarrieren, Menschen am Abgrund, Draufgänger, die sich retten, beobachtet mit Witz, aufgezeichnet in mitleidloser Lakonie. Ein längst überfälliges Exercitium in Befindlichkeitsaustreibungen. In New York aus den Vokabeln in Lius Wörterbuch zu befremdlichen Abenteuern zusammengesetzt, erzeugen die ebenso verblüffenden wie behänden Texte ein gestaltreiches Kontinuum von Verwandlungen, einen Atlas unerhörter chinesischer Schönheit. Die Fabeln folgen der chinesischen Vorliebe, sich an den Ähnlichkeiten von Gestalt und Aussehen entlangzuhangeln, von einer Idee zur nächsten, zu verrückten Einfällen und garstigen Überraschungen. Ein Glossar führt den Leser durch den Irrgarten von den Wurzeln vor dreitausend Jahren bis in die Gegenwart der Zeichen.

China-Kompetenz in Deutschland und Deutschland-Kompetenz in China

Chunchun Hu, Hendrik Lackner, Thomas Zimmer Hrsg.
Springer Verlag (2021)
360 Seiten, 54,99 €

Der Verlag über das Buch

Das Buch ist die erste Publikation zum Thema und spiegelt nicht nur das Denken der akademischen Welt und praktische Erfahrungen wider, sondern entspricht auch dem derzeitigen Zeitgeist im Sinne der kulturellen Identität. Es greift den vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeführten Länderkompetenz-Begriff auf und versucht, die gegenseitige Wahrnehmung, den Dialog und Austausch zwischen China und Deutschland im 21. Jahrhundert aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Geschichte des modernen China – Von der Qing-Dynastie bis zur Gegenwart

Klaus Mühlhahn
C.H. Beck (2021)
760 Seiten, 39,95 €

Der Verlag über das Buch

Selbst elementare Kenntnisse der Geschichte Chinas sind hierzulande noch immer Mangelware. Klaus Mühlhahn beschreibt in seiner umfassenden Darstellung, wie sehr das Land auf seinem Weg von der gedemütigten Halbkolonie zur globalen Supermacht unserer Tage von der eigenen Vergangenheit geprägt wurde. Denn Chinas holpriger Weg in die Moderne ist nicht nur als eine Aufholjagd gegenüber dem Westen zu verstehen, sondern als ein großes Ringen um eine eigenständige chinesische Moderne. Wer Chinas phänomenalen Aufstieg, seine Widersprüche und Gegensätze begreifen will, der kommt an diesem grundlegenden Werk nicht vorbei.

Chinas Geschichte seit dem späten 17. Jahrhundert ist durchzogen von Krisen, Reformen, Revolutionen und Kriegen. Zugleich aber hat das Land stets eine hohe Widerstandsfähigkeit und Beharrlichkeit bewiesen. Selbst im „Jahrhundert der Erniedrigung“, als europäische Kolonialmächte das Sagen hatten, konnte es eine halbsouveräne Stellung behaupten. Klaus Mühlhahn schildert in seinem großen Buch auf dem neuesten Stand der Forschung Chinas Geschichte von der Qing- Dynastie bis zu Xi Jinping und nimmt dabei von der Politik über die Gesellschaft bis zur Wirtschaft und Umwelt alle Felder detailliert in den Blick. Der Schlüssel seiner Interpretation sind die chinesischen Institutionen, die seit Konfuzius über alle Regime und Machthaber hinweg auf die jeweiligen Umstände reagiert und sie zugleich mit ihrem enormen eichtum an Ideen und Modellen bis in die heutige Gegenwart mitgestaltet haben.

Xi Jinping – Der mächtigste Mann der Welt

Stefan Aust, Adrian Geiges
Piper Verlag (2021)
288 Seiten, 22,00 €

Der Verlag über das Buch

China wächst weiter unaufhaltsam, ist aus der Corona-Pandemie sogar noch gestärkt hervorgegangen. Der Westen hingegen versinkt in Krise und Chaos. Mächtigster Mann der Welt ist heute nicht mehr der Präsident der USA, sondern Xi Jinping, Generalsekretär der Kommunistischen Partei und Staatspräsident Chinas. Wie funktioniert der Funktionär, der eine Machtfülle auf sich vereint wie vor ihm nur Mao? Welche Rolle spielt seine Frau Peng Liyuan, Chinas bekannteste Volkssängerin und Sonderbotschafterin der Weltgesundheitsorganisation (WHO)? Wie wurde er, wer er ist? Was hat er vor? Wie hält er es mit der Ökologie? Warum schafft er eine neue Seidenstraße? Was bedeuten seine Pläne für uns? Stefan Aust und Adrian Geiges zeichnen das faszinierende Porträt einer Persönlichkeit, die unser aller Leben beeinflusst.

Architekturführer Peking. Wohnquartiere, Tempel und Industriebauten: Chinas Hauptstadt im Wandel

Frédéric Schnee
DOM publishers (2021)
576 Seiten, 48,00 €

Der Verlag über das Buch

Tempel, Industriebauten und Wohnquartiere: Von der Kaiserzeit bis in die Gegenwart werden Architektur und Städtebau in der Komplexität Pekings sichtbar. Abseits touristischer Pfade zeichnet Architekt und Autor Frédéric Schnee den Wandel von einer ganzheitlich konzipierten Kaiserstadt zur internationalen Megalopolis Jing-Jin-Ji nach.

Die fast 150 Bauten und Projekte beginnen mit den buddhistischen und taoistischen Tempeln aus der Kaiserzeit, die für das städtische Leben in der frühen Neuzeit maßgeblich waren. Einen weiteren Fokus legt das detailreiche Buch auf die Architektur aus den Anfangsjahren der Volksrepublik China und somit die Bauzeugnisse jenes Experiments, das Peking zu einer Produktionsstadt transformieren wollte. Bei den aktuellen Bauten fokussiert Frédéric Schnee auf Projekte junger chinesischer Architekten und zeigt, wie sich eine neue Generation auf die selbstbewusste Suche nach einer originär chinesischen Baukunst macht.

Bei dem Architekturführer Peking handelt es sich um eine der umfangreichsten deutschsprachigen Publikationen zur Architektur in der chinesischen Hauptstadt. Zahlreiche Abbildungen werden erstmals außerhalb Chinas veröffentlicht.

Die ewige Supermacht – Eine chinesische Weltgeschichte

Michael Schuman
Propyläen Verlag (2021)
512 Seiten, 26,00 €

Der Verlag über das Buch

Wieso ignoriert China westliche Werte wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte? Warum verhält es sich anderen Staaten gegenüber desto übergriffiger, je stärker seine Wirtschaft wird? Die Antwort darauf steckt in Chinas großer Geschichte und seinem Anspruch, alleinige Supermacht zu sein. Über Jahrtausende hinweg verfügte das Reich der Mitte über das stärkste Militär, die florierendste Wirtschaft und den größten wissenschaftlichen und kulturellen Einfluss in seiner Region. Die Weltgeschichte stellt sich aus Chinas Sicht also völlig anders dar als jene, die den westlichen Kanon bestimmt – und hieraus speist sich Chinas Verständnis davon, wie man als Supermacht mit Menschen und anderen Staaten umgeht. In diese Position der Stärke will es zurück, nach Jahrzehnten, in denen das Land durch die westliche Kolonialpolitik und den importierten Kommunismus vorübergehend in seine Schranken gewiesen war. Michael Schuman erzählt Chinas komplexe Historie: von großen Dynastien und faszinierenden Persönlichkeiten, epischen Konflikten und einflussreichen Denkern. Er macht deutlich: China hat sich stets als alleinige Weltmacht gesehen, nach der die anderen sich ausrichten. Es geht nicht um die Frage, ob China die Welt wieder beherrscht, sondern wann und wie.

Die Entdeckung des chinesischen Buddhismus. Walter Liebenthal (1886–1982): Ein Forscherleben im Exil

Mechthild Leutner, Roberto Liebenthal
Berliner Chinastudien 57, LIT Verlag (2021)
480 Seiten, 69,90 €

Der Verlag über das Buch

Walter Liebenthal, Sinologe, Indologe und Philosoph, war ein Pionier bei der Entdeckung des spezifisch chinesischen Buddhismus als eigenständiges Forschungsfeld. Im vorliegenden Band werden erstmals die Genese seiner sino-buddhistischen Forschungen und deren Verortung im chinesischen Kontext ebenso wie die indischen Einflüsse aufgearbeitet. Liebenthals wissenschaftliches Schaffen ist eng verflochten mit dem politisch-gesellschaftlichen und dem persönlich-familiären Kontext. Hier kommt seiner Frau Charlotte Oenike eine wichtige Rolle zu.

Langjährige Exilerfahrungen in China (1933–1952) und Indien (1952–1959) schlugen sich in Liebenthals fachlichen Ideen und philosophischen Theorien nieder: Sie ermöglichten inter- und transkulturelle Einflüsse, bedeuteten aber auch den Verlust individueller und akademischer Heimat.

Auf Grundlage umfassender persönlicher Zeugnisse und von Archivmaterial wird hier beispielhaft das Verhältnis von Politik und Ideologie ausgelotet und aufgezeigt, wie materielle Lebensumstände und politisch-gesellschaftlicher Kontext die Wissensproduktion beeinflussen.

New York Ghost. Roman

Ling Ma
CulturBooks Verlag (2021)
360 Seiten, 23,00 €

Der Verlag über das Buch

Candace Chen treibt recht ziellos durch ihr New Yorker Leben. Tagsüber arbeitet sie in einem Büroturm in Manhattan – sie ist zuständig für die Herstellung von Bibeln in China – und abends sieht sie sich mit ihrem Freund in ihrem Kellerappartement Filme an. Seit ihre Eltern, mit denen sie als Kind aus China in die USA eingewandert ist, vor nicht allzu langer Zeit gestorben sind, hat sie genug von jeder Form der Unsicherheit. So hingebungsvoll folgt sie ihren täglichen Routinen, dass sie erst gar nicht bemerkt, wie tödliche Pilzsporen Virus über New York hereinbrechen – ins Land gekommen durch billige, in China hergestellte Konsumgüter. Auch durch ihre Bibeln! Das Shen-Fieber greift rasant um sich: Geschäfte schließen. U-Bahnen stehen still. Menschen fliehen. Ihre Chefs überzeugen sie mit der Aussicht auf eine große Prämie, im Büro die Stellung zu halten. Bald ist sie fast ganz allein in New York, fotografiert – noch immer ohne Fieber – die unheimliche, verlassene Stadt und stellt die Fotos auf ihren anonymen Blog NY Ghost.

Aber schließlich muss auch Candace die Stadt verlassen und schließt sich einer Gruppe Überlebender an – angeführt von dem machthungrigen IT-Techniker Bob. Sie machen sich auf zu einem Ort namens »Die Anlage«, wo sie, wie Bob verspricht, alles haben werden, was sie brauchen, um eine neue Gesellschaft zu begründen. Doch Candace trägt ein Geheimnis in sich, von dem sie weiß, dass Bob es ausnutzen wird. Soll sie vor ihrem Retter fliehen?

Ling Mas ungewöhnliches Debüt ist eine bewegende Familiengeschichte, ein schräges Roadmovie, eine originelle Endzeiterzählung, eine schwarzhumorige Satire über die Folgen unseres Konsumverhaltens – und nicht zuletzt eine aufrichtige Hommage an all die menschlichen Beziehungen, die erst dafür sorgen, dass sich unser Leben nicht in einem reinen Überlebenskampf erschöpft.

Aktuelle Buchempfehlungen – März 2021

Der Masterplan – Chinas Weg zur Hightech-Weltherrschaft

Stephan Scheuer
Herder Verlag (kartonierte Ausgabe)
224 Seiten, 14,00 €

Der Verlag über das Buch

Chinas Digitalkonzerne drängen nach Europa. Ob Netzausrüster Huawei, Online-Händler Alibaba oder Smartphone-Marke Xiaomi: Die Firmen weiten ihren Einfluss aus. Anfangs wurden sie begrüßt. Heute werden sie mit Sorge betrachtet. Die USA und deutsche Sicherheitsbehörden warnen, Huawei fungiere als Einfallstor für chinesische Spionage und Sabotage beim Echtzeitmobilfunk 5G. Der Konzern widerspricht. Der US-Präsident Donald Trump hat chinesischen Tech-Konzernen bereits einen digitalen Kalten Krieg erklärt.

Eine fundamentale Verschiebung des globalen Kräfteverhältnisses ist im Gange. China steigt zum internationalen Innovationstreiber auf. Die Hightech-Hersteller in Fernost blieben lange namenlos. Sie waren die billigen Auftragsfertiger. Heute beanspruchen sie selbst wichtige Märkte für sich – auch in Europa. Die USA fühlen sich bedroht und reagieren mit Sanktionen. Deutschland ist auf diesen Konflikt nicht vorbereitet. In der Bundesrepublik fehlt es an Verständnis dafür, wer hinter den aufstrebenden Konzernen aus China steckt. Die erweiterte und aktualisierte Taschenbuchausgabe von „Der Masterplan“ soll diese Lücke schließen. Autor Stephan Scheuer zeigt auf, welche Gründer hinter den chinesischen Tech-Firmen stehen und wie sie groß werden konnten. Dabei zeigt er, wie Peking gezielt internationale Wettbewerber ausgesperrt hat und wie der Staat die Firmen heute für seine Ziele einbindet.

中國公主 – Chinaprinzessin

余德美 – Dagmar Yu-Dembski
Eigenverlag (2020)
102 Seiten, 18,00 €

Über das Buch

Zur 2013 in der Edition Ebersbach erschienenen Ausgabe der „Chinaprinzessin“ von Dagmar Yu-Dembski gibt es nun eine chinesischsprachige Ausgabe, die über den Chinaladen bezogen werden kann. Eine Frau auf der Suche nach Identität erzählt die Geschichte ihrer deutsch-chinesischen Familie, die weder Sprache noch Heimat gemeinsam hat und dennoch im geteilten Berlin miteinander verbunden bleibt.

Songjiang – The Cradle of Shanghai (englischsprachiger Titel)

Johannes Voit
Eigenverlag (2020)
144 Seiten, 9,99 €

Der Autor über das Buch

When you are in Shanghai, visit Songjiang! Songjiang is terra incognita for most people living outside Shanghai, and even for many Shanghainese. However, it is the cradle of the global metropolis Shanghai, and of Shanghai Culture. Today a city and a southwestern district of Shanghai, Songjiang was populated more than five thousand years ago when the area of modern-day Shanghai still was covered by water. Songjiang combines the old and the new: the Sutra Stele is the oldest object above the surface of the earth in the greater Shanghai area, and the spectacular Guangfulin Ancient Relics Site opened in Songjiang in 2018 is the latest addition to Shanghai visitors’ must-see list. The Guangfulin Culture Museaum traces more than five thousand years of history of Songjiang and Shanghai in an awesome, tent-like building rising from the waters of an artificial lake.This book describes both the rich cultural heritage of Songjiang which can be visited today, like Zuibaichi and Fangta Parks, Dacang Bridge, Xilin and Dong Yue Temples, the Sutra Stele and the Mosque, and many of the modern additions such as the InterContinental Shanghai Wonderland Hotel, the Guangfulin Relics Park, the Film Park, and many more. Most importantly, it provides detailed descriptions of how to get there by public transport.

Vortrag von Johannes Voit am 28.03.2021

Westliche Architektur in den Handelszentren Chinas – 1841 bis 1914

Michael Hofmann
Imhof Verlag
176 Seiten, 29,95 €

Der Verlag über das Buch

Das Buch gibt einen Überblick über die Vielfalt und Entwicklung der westlichen Architektur in Hongkong, Shanghai, Tientsin, Hankow, Tsingtau, Charbin und Dalny/Dairen. Zu den Städten wurde ein kurzer Abriss der städtebaulichen Entwicklung erarbeitet und historische Stadtpläne mit Kennzeichnung vieler Bauten ermöglichen eine Vorstellung von der Topografie der Stadt und der Lage der abgebildeten Bauwerke. Etwa 460 historische Ansichtskarten und wenige Fotos führen die Entwicklung vor Augen. Die Bilderschau belegt, dass die Bauwerke in den von Briten, US-Amerikanern, Franzosen, Deutschen, Russen und Japanern geprägten Städten oder Niederlassungen zum größten Teil europäische Standards besaßen. Beim Vergleich der Städte zeigen sich Unterschiede in der Stadtplanung und teils in der Architektur durch die Verwendung nationaler Baustile.

Zhuangzi – Das Buch der daoistischen Weisheit. Vollständige Ausgabe

Reclam Verlag (Taschenbuch)
530 Seiten, 14,80 €

Der Verlag über das Buch

Das Buch »Zhuangzi«, auch bekannt unter dem Ehrentitel »Das wahre Buch vom südlichen Blütenland«, ist zusammen mit dem »Daodejing« der wichtigste Text des chinesischen Daoismus. Zhuangzi (Dschuang Dsi) soll im 4. Jahrhundert v. Chr. gelebt, sich allen Ämtern verweigert und als Gärtner gearbeitet haben. Ihm geht es darum, zurückzulenken auf das Eigentliche, das Einfache: die Freiheit, nichts Besonderes zu tun, die Freiheit, sich selbst zu folgen, die Freiheit, mit der Natur zu leben. Zhuangzi ist der wilde Denker, der keine vorgegebene Ordnung akzeptiert und alles in Frage stellt. Sein Buch besteht aus 300 kurzen Texten: Anekdoten, Gleichnissen, Gedanken, Dialogen, die in 33 Kapitel geordnet sind.

Viktor Kalinke hat 2017 die erste ernstzunehmende und vollständige Übersetzung des »Zhuangzi« aus dem Chinesischen ins Deutsche vorgelegt. Diese neue Übersetzung erscheint nun in der Universal-Bibliothek.

Tsingtau – Eine deutsche Kolonialstadt in China (1897–1914)

Helga Rathjen
Böhlau Verlag
328 Seiten, 45,00 €

Der Verlag über das Buch

Heute noch stehen in der chinesischen Millionenstadt Qingdao Fachwerkhäuser im „neu-nürnbergischen Stil“. Der historische Stadtkern, die deutsche Kolonialstadt Tsingtau (1897-1914), erzählt ein koloniales Gründungsnarrativ deutscher Selbstrepräsentation im Spiegel einer rassistischen Konstruktion des chinesischen Anderen.

Tsingtau war eine städtebauliche Selbstinszenierung des Deutschen Reiches, die von bürgerlicher Selbsterfindung und imperialem Anspruch der „deutschen Kulturnation“ auf ihren „Platz an der Sonne“ kündete. Das koloniale Gründungsnarrativ von der „saubersten und gesündesten Stadt an der ganzen ostasiatischen Küste“ untermauerte nicht nur die nationale und bürgerliche Selbstrepräsentation, sondern lieferte auch die Begründung für eine rassistische Ausgrenzung und Disziplinierung der chinesischen Bevölkerung, die sich dem Zugriff der Macht auf unterschiedlichste Weise zu entziehen verstand.

Das Buch zeigt, wie Ausgrenzung und Disziplinierung der Mehrheitsbevölkerung und der Rückzug in eine gated community Imaginationen eines Belagerungszustandes durch „die feindlichen Anderen“ hervorbrachten, die auf kolonialen Deutungen der Welt, des Selbst und des Fremden beruhten. Imaginationen, die wir in unseren heutigen postkolonialen Denk- und Handlungsmustern wiedererkennen können.

Was der Osten ist

Paul Claudel
Verlag Matthes & Seitz Berlin
222 Seiten, 28,00 €

Der Verlag über das Buch

In neuer Übersetzung: das wohl einflussreichste französische Buch über das alte China. Auf seinen Reisen zwischen Shanghai, Fuzhou und Hankou beginnt der Diplomat Claudel gleich bei seinem ersten Aufenthalt von 1895–1899 mit der Niederschrift literarischer Momentaufnahmen. Obwohl er die chinesische Sprache nicht versteht, fühlt er sich sofort wie ein Fisch im Wasser, alles erscheint ihm »natürlich und normal«, die scheinbare Unordnung der chinesischen Stadt wird für ihn zum Zeichen einer Harmonie, die er der etablierten Ordnung europäischer Großstädte vorzieht. China sollte fortan das Land sein, in dem Paul Claudel nach kurzem Zwischenaufenthalt in Japan die meiste Zeit seiner diplomatischen Karriere verbrachte. Eindrücke vom Meer, den Flüssen, dem Land und den Gärten wechseln sich in den von eigenwilligen, mitunter gebrochenen Rhythmen durchzogenen Prosagedichten ab. Claudel streut Reflexionen, Gesänge und Fabeln ein; Phasen des Innehaltens, der produktiven Leere und Meditation folgt rasende Bewegung. Sie sind daher literarisches Zeugnis einer durch Baudelaire angestoßenen und von Rimbaud weitergeführten aufgebrochenen Prosaform und zugleich Zeugnis eines von allen Klischees befreiten und völlig unvoreingenommenen Blicks auf ein China des späten 19. Jahrhunderts.

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

鲁迅全集 – Lu Xün Qu Ji

鲁迅 – Lu Xün
人民文学出版社 1995年
Gesamtausgabe in 16 Bänden, 250,00 €. Versand auf Anfrage möglich.

Wu Ch’êng ên – Der rebellische Affe (Die Reise nach dem Westen)

Rowohlt Verlag (1961)
265 Seiten, 18,00 €

官场现形记 – Die Bürokraten

李宝嘉 – Li Bao Jia
春风文艺出版社  1993年
18,00 €

Aktuelle Buchempfehlungen – Februar 2021

Kernbeißer und Kreuzschnäbel – Ein Sittenbild aus dem alten Peking

Rainer Kloubert
Elfenbein Verlag (2020)
304 Seiten, 39,00 €

Der Verlag über das Buch

Die Bewohner des alten Peking – vom Kaiser bis hin zum einfachsten Untertanen – waren darin vernarrt, den Lauten von Vögeln zu lauschen, neue für sie zu erfinden, natürliche zu verändern, sie ganze Strophen trällern zu lassen oder ihnen kuriose Manieren beizubringen, um sie anderen vorführen zu können. Die Utensilien: Käfige, Käfiggriffe, Sitzstangen, Fress- und Trinknäpfe, Gestelle, Rahmen, Halsfesseln, Kästchen, Schächtelchen und vieles mehr, von dem Rainer Klouberts grundlegend erweitertes und reich illustriertes Buch berichtet, sind leider für immer verschwunden – die konfuzianischen Tugendwächter hatten nur wenig für Vögel übrig. Die Mode, sie zum Vergnügen abzurichten, kam in den Regierungsjahren des Pracht und Spiel liebenden Kaisers Qianlong (1735–1799) auf, der etwa zu der Zeit, als August der Starke sein Grünes Gewölbe mit chinesischem Porzellan füllte, in Pekings Sommerpalast Versailler Bauten errichten ließ, in denen künstliche Nachtigallen sangen, Wasserkaskaden tanzten und Spieluhren sich im Kreis drehten. Unter seinen Nachfolgern gewann die Sitte, Vögel in Käfigen zu halten, immer mehr Anhänger. Mandschurische Beamte und Sinekuristen vor allem bezahlten Unsummen für besonders gelehrige oder farbenprächtige Exemplare, die so genannten »Beamten-« oder »Residenzvögel«. Als gegen Ende der Dynastie exotische Vögel auftauchten, trat für Pekings Bewohner ein weiteres Faszinosum hinzu: die berauschenden Farben des Federkleides, an der sie sich nicht satt genug sehen konnten, Gefieder nicht weniger prächtig als die Kostüme von aufgeplusterten Opernschauspielern, die auf der Bühne hin und her stolzierend ähnlich gellende und dramatische Laute von sich gaben, Schreie, die sich, wenn man sie nur genügend in die Länge zog, in Musik verwandelten, um den »sieben Gemütsregungen« Ausdruck zu verleihen: Freude, Zorn, Trauer, Angst, Liebe, Hass und Begehren.

Die Rätsel Chinas und das Weltbild des Westens – Digitale Diktatur, Staatskapitalismus oder sozialistische Marktwirtschaft?

Wolfgang Müller
VSA Verlag (2021)
160 Seiten, 14,80 €

Der Verlag über das Buch

Chinas rasanter Aufstieg zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt stellt den kapitalistischen Westen, in dem einige nach dem Fall der Mauer 1989 schon vom »Ende der Geschichte« halluzinierten, wieder vor die Systemfrage: Wie umgehen mit einem »systemischen Konkurrenten« (EU-Kommission)?

Die Erfolgsgeschichte der Volksrepublik ist begleitet von der Entfesselung der Marktkräfte im Inneren und die politische Führung des Landes tritt für freien Welthandel ein. Gleichzeitig macht sie aber keine Anstalten, die erfolgreiche staatliche Teilsteuerung der Wirtschaft aufzugeben.

Chinas Aufstieg in der Welt jenseits der kapitalistischen Metropolen wird zunehmend als Alternative zum neoliberalen »Washington Consensus« und zu dessen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell begriffen. Das wird nicht zuletzt durch die Initiative zu einer »Neuen Seidenstraße« (»One Belt, One Road«) deutlich, mit der durch den Ausbau von Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung und Wirtschaftskorridoren zwischen Asien, Afrika und Europa ein »neues Goldenes Zeitalter der Globalisierung« eingeleitet werden soll. Was ist also zu halten von China und einer politischen Führung, die offiziell die Einführung des ­Sozialismus »chinesischer Prägung« verfolgt bei gleichzeitig hoher sozialer Ungleichheit und ausgeprägter, zunehmend digital unterstützter sozialer Kontrolle?

Leseprobe

Chinesische Philosophie – Von Konfuzius bis zur Gegenwart

Hans van Ess
C.H.Beck Wissen
128 Seiten, 9,95 €

Der Verlag über das Buch

Die Prinzipien von Yin und Yang, Konfuzius’ Tugendlehre oder Laozis Lehre vom Nicht-Handeln sind auch im Westen ein Begriff und doch mit der Aura des Rätselhaften umgeben. Hans van Ess bietet einen Schlüssel zum Verständnis dieser Denktradition. Er erzählt die Geschichte der chinesischen Philosophie von Konfuzius über Laozi und die buddhistischen Spielarten des chinesischen Denkens bis hin zum modernen Neukonfuzianismus und macht verständlich, warum die traditionelle Philosophie in China bis heute einen so hohen Stellenwert hat.

Leseprobe

Drachentanz – Chinas Aufstieg zur Weltmacht und was er für uns bedeutet

Matthias Naß
C.H.Beck
320 Seiten, 24,95 €

Der Verlag über das Buch

Chinas Aufstieg fasziniert die Welt – und lehrt sie das Fürchten. Unter Parteichef Xi Jinping erlebt das Land einen Rückfall in die Diktatur. Gleichzeitig dehnt es seinen globalen Einfluss immer weiter aus. Nicht nur in Amerika, auch in Europa wächst das Unbehagen an der neuen Weltmacht und an ihren Methoden. Droht ein neuer kalter Krieg oder sogar ein chinesischer Triumph über den Westen? Zeit-Korrespondent Matthias Naß gibt einen spannenden Einblick in das Land, das sich anschickt, zur Führungsmacht des 21. Jahrhunderts zu werden.

Pekings Machthaber perfektionieren die Überwachung ihrer Bevölkerung und errichten ein System aus Belohnungen und Strafen für regimekonformes Verhalten. Minderheiten wie die Uiguren werden brutal verfolgt und in Lagern „umerzogen“. In Hongkong soll die Opposition zum Schweigen gebracht werden, während im südchinesischen Meer Chinas militärische Präsenz zielstrebig ausgebaut wird. Mit dem Riesenprojekt der „Neuen Seidenstraße“ schafft China neue Abhängigkeiten im Mittleren Osten, Afrika und in Europa. Doch es gibt auch Probleme. Manches spricht dafür, dass China diesen Expansionskurs weder ökonomisch noch politisch auf Dauer durchhalten kann. Massive Umweltprobleme kommen hinzu. Und die Corona-Krise hat vielen westlichen Ländern gezeigt, dass die Abhängigkeit von China ein kritisches Ausmaß erreicht hat. Matthias Naß kennt China so gut wie nur wenige andere und zieht in diesem Buch eine ebenso sachlich fundierte wie fesselnde Bilanz.

Leseprobe

An den Ufern des Amur – Die vergessene Welt zwischen China und Russland

Sören Urbansky
C.H.Beck (2021)
375 Seiten, 26,00 €

Der Verlag über das Buch

Am Amur stoßen auf einer Länge von knapp 2000 Kilometern China und Russland aufeinander. Sören Urbansky ist ein Jahr lang vom Baikalsee bis zum Japanischen Meer durch die abgelegene Grenzregion gereist. In seiner fesselnden Reportage vom „Schwarzen Drachen“, wie die Chinesen den riesigen Strom nennen, versteht er es meisterhaft, an unscheinbaren Begebenheiten, vorerst noch kleinen Beben und Brüchen, die großen tektonischen Verschiebungen der Supermächte abzulesen.

Wo der Norden Chinas sibirisch wird und der Südosten Russlands zunehmend chinesisch, stehen die beiden autoritären Imperien Rücken an Rücken zueinander. Bis zum Zweiten Weltkrieg kämpften hier die Sowjetunion und Japan um die Vorherrschaft. Auf der Suche nach Spuren der Geschichte ist Sören Urbansky auf eine erstaunliche chinesisch-russische Gegenwart gestoßen. In seinem wunderbar anschaulich erzählten Buch berichtet er von prosperierenden chinesischen Metropolen und erstarrten russischen Orten auf der anderen Seite des Flusses – vor wenigen Jahrzehnten war das Gefälle noch umgekehrt. Er besucht Städte wie Harbin im Nordosten Chinas, einst „Moskau des Ostens“, und Wladiwostok, das erträumte russische San Francisco, und ist zu Gast bei einfachen Menschen, die fließend Chinesisch und Russisch sprechen und ihre Soljanka mit Stäbchen schlürfen. Sein einfühlsamer Bericht kommt den Profiteuren und Verlierern der Grenze ganz nahe und erlaubt gerade dadurch ungewöhnliche Einblicke in den Zustand der beiden Großmächte und ihr spannungsvolles Verhältnis.

Made in China. Roman

Tilman Spengler
Transit Verlag
240 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Leo Zwirn, sowjetischer Kulturexperte und Lebenskünstler, wird Anfang der 60er Jahre nach China strafversetzt. Nach dem Bruch der chinesisch-sowjetischen »Freundschaft« müssen alle Experten zurück in die UdSSR – außer Zwirn, der an ein von aller Welt vergessenes Museum in Xi’an, der alten Kaiserstadt, »delegiert« wird. Es ist die Zeit der Kulturrevolution, das Museum soll als »rückwärtsgewandte Institution« geschlossen werden. Um ­dies zu verhindern, finden sich im Museum Mitstreiter, die mit gewiefter Taktik und Phantasie diesen Beschluss zu unterlaufen versuchen. Mit der Wahrheit muss unkompliziert umgegangen werden. Ein sensationeller Fund, nämlich abstrakte Zeichnungen des frühen Mao Zedong, tauchen auf, die im Museum wirkungsvoll präsentiert werden. Aber sind sie tatsächlich echt? Und wie lässt sich der misstrauische, skrupellose und machthungrige Politkommissar, der »Stählerne Wu«, in ein weiteres Projekt einbinden, durch das ein kunsthistorisches Weltwunder herbeigezaubert werden könnte: Das Entstehen der unsterblichen Armee von Terrakottakriegern, die von der Überlegenheit des chinesischen Volkes kündet und ganz nebenbei dem Tourismus, der »Industrie ohne Rauch«, einen global bewunderten Aufschwung verschafft.

Ein aufregender, komischer, mit viel Wissen erzählter Roman über China, die Kulturrevolution – und eine Ode an die subversive Kreativität.

Feindbild China – Was wir alles nicht über die Volksrepublik wissen

Uwe Behrens
edition ost im Verlag Das Neue Berlin
192 Seiten, 15,00 €

Der Verlag über das Buch

China – das Reich der Mitte hat in den letzten Jahrzehnten einen beispielhaften wirtschaftlichen Aufschwung erfahren. Uwe Behrens, der 27 Jahre in diesem Land lebte und arbeitete, informiert in zehn Frageblöcken kenntnisreich, wie die Volksrepublik es schaffte, ohne Demokratie westlichen Vorbilds ihre Wirtschaft auf den heutigen Stand zu heben, mit welchen Schwierigkeiten sie dabei zu kämpfen hatte und welche Probleme noch immer bestehen.

Mit dem Hintergrund jahrelanger Erfahrung als Transportökonom klärt Uwe Behrens über Handelswege wie die neue Seidenstraße auf und thematisiert darüber hinaus die kritische wie parteiische Perspektive des Westens. Das rasche wirtschaftliche Wachstum und die damit einhergehende wachsende Bedeutung der Rolle Chinas in der Weltpolitik werden in den westlichen Medien und der Politik seit Jahren negativ betrachtet. Chinesische Wissenschaftler werden aus den USA ausgewiesen, Dumpingvorwürfe erhoben und Import- oder Exportverbote ausgesprochen. Wer kann es China also verübeln, andere Wege zu gehen, neue Handelspartner für sich zu gewinnen? Uwe Behrens beantwortet als Experte Fragen zur Unterdrückung von Minderheiten, Territorialkämpfen, Cyberkriminalität und der Behandlung der Menschenrechte.

Leseprobe

Kleine Erzählungen aus China – Für Chinesischlernende (zweisprachig Chinesisch-Deutsch)

Alina Jianmei Xiang, Helga Kunsemüller
Chinabooks (2021)
100 Seiten, 19,99 €

Der Verlag über das Buch

Eine Auswahl an klassischen Erzählungen aus dem alten China in einer zweisprachigen Ausgabe Deutsch und Chinesisch mit Pinyin-Lautumschrift. Kurzweilig und lehrreich, in einfacher Sprache speziell für Chinesischlerner geschrieben. Mit herrlichen Tuschemalereien des chinesischen Illlustrators Li Meng.

Leseprobe

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

The Historical Atlas of China (8 volumes)

Tan Qianxiang
Cartographic Publishing House Beijing (1987)
Tadelloser Zustand, 250,00 € (Versand auf Anfrage möglich)

Mehr Informationen

Chinesische Mythologie

Anthony Christie
Emil Vollmer Verlag (1968)
140 Seiten, 12,80 €

Aktuelle Buchempfehlungen – Sommer 2020

Wolfgang Hirn: Shenzhen

Shenzhen – Die Weltwirtschaft von morgen

Wolfgang Hirn
Campus Verlag (2020)
286 Seiten, 25,00 €

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Shenzhen ist die Stadt der Superlative: die am schnellsten wachsende Metropole der Welt, die jüngste, offenste, reichste und teuerste Stadt Chinas. Ob Elektromobilität, Gentechnik oder Künstliche Intelligenz – bei den wichtigen Zukunftstechnologien werden hier die Trends gesetzt.

Wenn Chinaexperte Wolfgang Hirn Shenzhen beschreibt, entwirft er damit gleichzeitig das Bild der Urbanität von morgen. Er bereist die Region seit vielen Jahren und beobachtet die rasante Entwicklung. Auch immer mehr ausländische Konzerne – ob Airbus, Apple, Daimler oder Lufthansa – installieren Labs in der Megacity. Die Weltwirtschaft bekommt mit Shenzhen ein neues Gravitationszentrum, die neue Maßeinheit heißt Shenzhen-Speed.

Clive Hamilton & Mareike Ohlberg: Die lautlose Eroberung

Die lautlose Eroberung – Wie China westliche Demokratien unterwandert und die Welt neu ordnet

Clive Hamilton & Mareike Ohlberg
Deutsche Verlags-Anstalt (2020)
496 Seiten, 26,00 €

Der Verlag über das Buch

Chinas Aufstieg zur Weltmacht ist unaufhaltsam. Lange erwartete man, dass sich das Land mit zunehmendem Wohlstand demokratisieren würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Kommunistische Partei Chinas will sich mit allen Mitteln an der Macht halten. Dafür werden Wirtschaft und Gesellschaft im eigenen Land auf Linie gebracht und ein weitreichendes Programm wurde entwickelt, mit dem China die westlichen Demokratien unterwandert und eine neue Weltordnung etablieren will. Dabei setzt es nicht nur seine Wirtschaftsmacht als Waffe ein, sondern die gesamte Bandbreite seiner Politik. Wie vielfältig der chinesische Einfluss auch bei uns bereits ist, enthüllen die beiden Autoren an zahlreichen Beispielen – ein Anstoß zu einer dringend notwendigen Debatte: Wie soll Deutschland, wie Europa mit der neuen Weltmacht China umgehen?

Eileen Chang: Die Klassenkameradinnen

Die Klassenkameradinnen

Eileen Chang
Ullstein Verlag (2020)
96 Seiten, 18,00 €

Der Verlag über das Buch

Der letzte Roman einer der bedeutendsten chinesischen Erzählerinnen der Moderne
Zhao Jue lebt in New York, arbeitet als Dolmetscherin für die UN. In einer Zeitschrift entdeckt sie das Foto einer ehemaligen Mitschülerin. Ihre Freundin lebt inzwischen mit ihrem deutschen Mann in Washington, es ist 1975, China und die USA nähern sich nach dem Besuch von Nixon langsam an. Zhao Jue erinnert sich an die Schulzeit im Schanghai der Dreißigerjahre, an das sexuelle Erwachen der Freundinnen. Wie Eileen Chang überwirft sich Zhao Jue mit der Familie, widersetzt sich deren Heiratsplänen und hält sich während der japanischen Besetzung mit Schmuggel über Wasser. In Amerika begegnet sie Vorurteilen, lernt aber auch die Freiheit kennen.

Eileen Chang ist die bedeutendste chinesische Erzählerin der Moderne. Ende der Siebzigerjahre schrieb sie Die Klassenkameradinnen, verbot jedoch eine Veröffentlichung zu Lebzeiten, da der Text eigene Erlebnisse verarbeitet.

Rezension von Dagmar Yu-Dembski

Lea Schneider, Yimeng Wu: Made in China

Made in China

Gedichte: Lea Schneider
Illustrationen: Yimeng Wu
Verlagshaus Berlin (2020)
120 Seiten, 17,90 €

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made in china ist made in China. Lea Schneider bewegt sich durch sechs chinesische Metropolen, durch die chinesische Sprache, durch die chinesische Geschichte. Nanjing, Shanghai, Hong Kong, Taipei, Chengdu, Beijing — die Gedichte sind in den Städten entstanden, aber keines behauptet, sie zu kennen oder erklären zu wollen. Stattdessen sind sie ein zärtliches Sammeln und Suchen: Nach Objekten, Texten, Sprachfragmenten und Gerüchen, die uns viel näher liegen, als eine koloniale Sichtweise auf China nach wie vor behauptet. Was sie finden ist keine Stadt, kein Land: Sie finden ein Loch im Papier, das groß genug ist. Groß genug für Freundschaften mit Menschen, Büchern und Geistern. Groß genug für eine Nostalgie, die zwar in die Vergangenheit schaut, aber sich an die Gegenwart richtet — eine auf 350 km/h beschleunigte Gegenwart, gegen die Europa alt aussieht.

Miriam Leitner & Theresia Romberg-Frede: Anders gleich

Anders gleich – 45 Perspektiven auf Leben und Alltag in China

Miriam Leitner & Theresia Romberg-Frede
Drachenhaus Verlag (2020)
300 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

45 Frauen erzählen aus ihrem Leben

Die Globalisierung macht die Welt klein – sie bringt uns aber nicht zwangsläufig näher zusammen und sie führt zu keinem besseren Verständnis untereinander. Das interkulturelle Projekt ANDERS GLEICH ist durch den Wunsch entstanden, in einen Austausch zu treten.

In 45 Interviews erzählen die Frauen aus ihrem Leben: Was sind ihre Werten, was wünschen sie sich für sich und ihr Land? Ihre Geschichten regen an, einander offen und neugierig zu begegnen.

Fang Fang: Wuhan Diary

Wuhan Diary – Tagebuch aus einer gesperrten Stadt

Fang Fang
Hoffman und Campe Verlag (2020)
352 Seiten, 25,00 €

Der Verlag über das Buch

Das Tagebuch der berühmten chinesischen Schriftstellerin Fang Fang aus einer abgeriegelten Stadt ist ein einzigartiges, ergreifendes Zeitdokument über den Kampf gegen einen unsichtbaren Feind, den die Menschen in Wuhan weltweit als erste führten. Wuhan: Am 25. Januar, zwei Tage nachdem erstmals in der Geschichte eine 9-Millionen-Einwohner-Stadt komplett von der Außenwelt abgeriegelt wurde, beginnt Fang Fang, online Tagebuch zu schreiben. Eingeschlossen in ihrer Wohnung berichtet sie vom Hereinbrechen und dem Verlauf einer Katastrophe, von der Panik während der ersten Tage der Covid-19-Epidemie bis zu ihrer erfolgreichen Eindämmung. Sie erzählt von der Einsamkeit, dem heroischen Kampf des Personals in den Krankenhäusern, vom Leid der Erkrankten, dem Schmerz der Angehörigen von Verstorbenen und der Solidarität unter Nachbarn. Millionen Chinesen folgen ihren Gedanken und ihren Geschichten aus dem unmöglichen Alltag – vom Zorn über die Untätigkeit und Vertuschungsmanöver der Behörden während der Anfangsphase der Epidemie und der Unterdrückung warnender Stimmen, bis zur Anerkennung der wirkungsvollen Maßnahmen der Regierung in den Wochen danach. Fang Fang liefert einen unverstellten Blick auf die Katastrophe “von unten”, ganz nah an den Menschen, ihren Ängsten und Nöten, aber auch ihren kleinen Freuden und dem speziellen Wuhaner Humor selbst in dunkelsten Stunden. Zugleich wurde ihr Wuhan Diary in China zum Gegenstand erbitterter Auseinandersetzung über den Umgang mit kritischen Stimmen und Verantwortung – und somit über Chinas künftigen Weg. „Als Zeugen, die wir die tragischen Tage von Wuhan miterlebt haben, sind wir verpflichtet, für diejenigen Gerechtigkeit einzufordern, die gestorben sind.“ – Fang Fang

Joshua Wong: Unfree Speech

Unfree Speech – Nur wenn alle ihre Stimme erheben, retten wir die Demokratie

Joshua Wong mit Jason Y. Ng
S. Fischer Verlag (2020)
208 Seiten, 16,00 €

Der Verlag über das Buch

Was Malala für die Kinderrechte ist und Greta Thunberg für den Klimaschutz, das ist Joshua Wong für die Demokratie

Joshua Wong – das Gesicht der Protestbewegungen in Hongkong – schreibt erstmals selbst darüber, wie er es mit der Supermacht China aufgenommen hat. In seinem Buch, das halb Memoir, halb Manifest ist, appelliert er an alle, sich im Kampf um Freiheit und Demokratie einzubringen. Ob wir in Hongkong leben oder anderswo, seine Botschaft ist klar: Wenn wir als freie Individuen leben wollen, müssen wir gemeinsam für Demokratie und Freiheit kämpfen. Schweigen wir, ist niemand in Sicherheit. Nur wenn wir sprechen, können wir etwas bewirken.

Joshua Wong erreichte mit 14 Jahren das Unvorstellbare. Als China drohte, die Bildungspolitik in Hongkong zu ändern und die Erwachsenen schwiegen, veranstaltete er den ersten Studentenprotest in Hongkong gegen das Unterdrückungsregime: und gewann.Seitdem hat sich Joshua verpflichtet, unermüdlich für Demokratie und Menschenrechte zu protestieren. 2014 führte er die Regenschirm-Revolution an und spielt auch bei der aktuellen Protestbewegung eine zentrale Rolle. Hier erzählt er selbst, wie er es mit der Supermacht aufnahm und – und warum wir alle uns im Kampf für die Demokratie einbringen müssen.
»Joshua Wong ist ein mutiger und inspirierender junger Aktivist. Zusammen sind wir eine laute Stimme, die nicht zum Schweigen gebracht werden kann.« Greta Thunberg

Mit einem Vorwort von Ai Weiwei

Theo Sommer: China First

China First – Die Welt auf dem Weg ins chinesische Jahrhundert

Theo Sommer
Verlag C.H.Beck (2020, Taschenbuch-Ausgabe)
496 Seiten, 16,00 €

Der Verlag über das Buch

China hat sich in wenigen Jahrzehnten vom Armenhaus im Mao-Look zur Hightech-Nation gewandelt. Vielspurige Autobahnen und Hochgeschwindigkeitszüge verbinden die Zentren. Wer aus Schanghai nach Berlin kommt, erlebt eine Reise in die Vergangenheit. Oft heißt es, die Technologie sei nur importiert, ja geraubt, und die sozialen und ökologischen Probleme seien übermächtig. Doch das ist ein gefährlicher Irrtum. Das chinesische Jahrhundert hat bereits begonnen.

Theo Sommer blickt hinter die Kulissen der chinesischen Expansion, die einem ehrgeizigen Masterplan folgt. Das Seidenstraßen-Projekt stellt wichtige Handelswege zwischen Asien, Afrika und Europa unter chinesische Kontrolle. Ebenso planmäßig erfolgen Investments in europäische und gerade auch deutsche Firmen. Außenpolitisch trumpft China immer mehr auf, in Asien auch militärisch. Der neue starke Mann Xi Jinping hat sich eine Machtfülle gesichert, wie sie nicht einmal Mao hatte. Er perfektioniert den Überwachungsstaat mit einem an Orwell gemahnenden «Sozialkreditsystem», in der Provinz Xinjiang gar mit einem Lagersystem. Und auch in Hongkong sind Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten bedroht. Wer Theo Sommers luzides Buch voller überraschender Fakten und Zusammenhänge gelesen hat, wird China und den Westen mit anderen Augen sehen.

Rezension von Dagmar Yu-Dembski

Sayragul Sauytbay & Alexandra Cavelius

Die Kronzeugin – Eine Staatsbeamtin über ihre Flucht aus der Hölle der Lager und Chinas Griff nach der Weltherrschaft

Sayragul Sauytbay & Alexandra Cavelius
Europa Verlag (2020)
352 Seiten, 22,00 €

Der Verlag über das Buch

Infolge einer Reihe von Anschlägen in Xinjiang 2014 errichtete die chinesische Regierung in den letzten Jahren dort ein riesiges Netz von Straflagern für ethnische Minderheiten, vorwiegend muslimische Uiguren und Kasachen. Beschönigend nennt Peking diese – trotz erdrückender Beweislage – weiterhin »Berufsbildungslager«, in denen sich alle »Schüler freiwillig« aufhielten.

Im Jahr 2017 gerät die kasachische Staatsbeamtin und Direktorin mehrerer Vorschulen Sayragul Sauytbay selbst in die Mühlen des chinesischen Unterdrückungsapparates. Nachdem ihr kasachischer Mann mit beiden Kindern das Land verlassen hat, wird sie mehrmals verhört und schließlich in ein Umerziehungslager gesteckt, wo sie ihren Mitgefangenen von morgens bis abends die chinesische Sprache, Kultur und Politik beibringen muss. Dabei erhält sie Zugang zu geheimsten Informationen, die Pekings langfristige Pläne offenlegen, die Demokratien zu unterhöhlen und zu unterwerfen. Die Bedingungen sind unmenschlich: Gehirnwäsche, Folter und Vergewaltigung, dazu erzwungene Einnahme von Medikamenten, die die Inhaftierten apathisch macht oder vergiftet. Jede Nacht müssen sie stundenlang mit erhobenen Händen an einer Wand stehen und ihre »Sünden« bekennen. Überraschend kommt Sayragul Sauytbay 2018 wieder frei, soll aber kurz darauf als Gefangene ins Lager, deshalb flieht sie nach Kasachstan.

Obwohl Peking mit allen Mitteln versucht, die Entflohene zurückzuholen, und sie bis heute vom chinesischen Geheimdienst bedroht wird, sieht sie es als ihre Aufgabe an, der Welt Zeugnis abzulegen von den chinesischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und sie will die Welt warnen vor der Politik Pekings, das mit »Softpower« wie beim »Seidenstraßenprojekt« großzügige Kredite vergibt, andere Länder in Abhängigkeit bringt und langfristig die Unterwerfung der freien Welt anstrebt. Modell steht dabei Xinjiang – der größte Überwachungsstaat, den die Welt je gesehen hat, in dem Faschismus und Tyrannei regieren.