Chinaladen – Buchempfehlungen

Aktuelle Buchempfehlungen – September 2021

Annette Morheng: China - Harmonie der Farben

China – Harmonie der Farben

Annette Morheng
teNeues Verlag (2021)
176 Seiten, 39,90 €

Der Verlag über das Buch

China in unbekannten, leisen und fröhlichen Tönen. Unvoreingenommen richtet die Luxemburger Fotografin und Reisejournalistin Annette Morheng ihre Kamera seit vielen Jahren auf den authentischen Alltag im Reich der Mitte – einem Land, in dem Tradition und Fortschritt aufeinanderprallen. Ihre Bilder erzählen von Menschen, Dörfern und Hutongs, von Tempeln und Wolkenkratzern, von Natur und Megametropolen. Sie zeigt, wie die Menschen in China mit den rasanten Veränderungen umgehen und Brauchtum mit Internationalität verknüpfen. Erfrischend beschreibt die Autorin Unbekanntes und lässt uns lebhaft an ihren Reisen in die entlegensten Provinzen zu den unterschiedlichsten Ethnien teilnehmen. Ein neues natur-, kultur- und menschenliebendes Chinabild!

Christine Maiwald: Das schwierige schöne Leben

Das schwierige schöne Leben. Ein deutscher Kaufmann in Shanghai 1906 bis 1952

Christine Maiwald
Dölling und Galitz Verlag (2021)
670 Seiten, 29,90 €

Der Verlag über das Buch

Hermann W. Breuer (1884–1973) ging 1906, mit 22 Jahren, für das Bremer Übersee-Haus Melchers & Co. als Kaufmann nach Shanghai und empfand sich bald als »Sohn des Reiches der Mitte«. Seine Geschichte steht exemplarisch für das schwierige schöne Leben der deutschen Kaufleute in der internationalen Handelsmetropole Shanghai während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie beginnt in einer Zeit kolonialer Ansprüche und endet mit dem Neubeginn des deutsch-chinesischen Austauschs, den Breuer als Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins Bremen mit prägte. Unterhaltsam und mit großer Kenntnis wird erzählt vom Reisen und Alltagsleben in China, von Fahrten mit der Transsibirischen Eisenbahn und auf Ozeandampfern, von neuen Kommunikationsmitteln, von Briten, Amerikanern und Chinesen, die Breuer im Job, in Clubs, beim Sport begegneten.

Stephan Thome: Pflaumenregen

Pflaumenregen. Roman

Stephan Thome
Suhrkamp Verlag (2021)
526 Seiten, 25,00 €

Der Verlag über das Buch

Taiwan in den 1940er Jahren, am Ende der japanischen Kolonialzeit. Während der Pazifische Krieg unaufhaltsam näher rückt, wächst die achtjährige Umeko behütet in einer Kleinstadt im Norden der Insel auf. Sie ist stolz auf ihr gutes Japanisch und himmelt ihren älteren Bruder an, der der Star des örtlichen Baseballteams ist. Als die Armee jedoch am Ortsrand ein Lager für ausländische Kriegsgefangene einrichtet, gerät ihr Leben in einen Strudel aus Schuld und Verbrechen, der die Familie siebzig Jahre später immer noch gefangen hält.

Stephan Thomes neuer Roman ist eine Liebeserklärung an seine Wahlheimat Taiwan und den zähen Überlebenswillen ihrer Bewohner. Pflaumenregen entfaltet ein berührendes historisches Panorama, in dessen Zentrum eine familiäre Tragödie steht. Gleichzeitig zielen die darin aufgeworfenen Fragen auf unsere eigene zerrissene Gegenwart: Was stiftet Zugehörigkeit, wenn persönliche und nationale Identität viel weniger eindeutig sind, als wir glauben? Wie viel wissen wir von denen, die uns am nächsten stehen? Was wissen wir wirklich über uns selbst?

Hugh Amano & Sarah Becan: Dumplings für alle!

Dumplings für alle! Ein Kochbuch über asiatische Teigtaschen

Hugh Amano & Sarah Becan
Verlag Antje Kunstmann (2021)
208 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Dumplings, die in allen asiatischen Kochkulturen verbreiteten Teigtaschen, werden immer beliebter: Dieses illustrierte Kochbuch serviert authentische Rezepte für japanische Gyoza, chinesische Jiaozi, koreanische Mandu und viele mehr. Eine Liebeserklärung an ein Essen, von dem man nie genug kriegen kann.

Das neue Buch von Chef Hugh Amano und Illustratorin Sarah Becan lädt in die weite Welt der Teigtaschen aus diversen asiatischen Kochkulturen ein: Die kulinarische Reise geht von Gyoza aus Japan, Jiaozi, Wonton, Siu Mai und diversen Baozi aus China, Mandu aus Korea über tibetische Momos und mongolische Buuz bis zu den süßen Kaya Baozi aus Malaysia und Num Kom aus Kambodscha.

Dieses detailreich illustrierte, kompetente und dabei äußerst zugängliche Kochbuch wird Neueinsteigern ebenso viel Vergnügen bereiten wie erfahrenen Köchen. Geschichte – und Geschichten – der Teigtaschen finden darin ebenso Platz wie die passenden Teige, die diversen klassischen Formen und die dazugehörigen Falttechniken, die aromatischen Füllungen und die Zubereitungsmöglichkeiten.

Marko Martin: Die letzten Tage von Hongkong

Die letzten Tage von Hongkong

Marko Martin
Tropen Verlag (2021)
320 Seiten, 22,00 €

Der Verlag über das Buch

2019/2020 – Zwischen den Jahren ist Marko Martin mit seinem Partner in Hongkong. Am Neujahrstag nimmt er an den Protesten der Demokratiebewegung teil. Es werden die Letzten sein. Gleichzeitig machen Nachrichten von einem neuartigen Virus die Runde. Das intime Porträt einer Stadt, die in wenigen Tagen alle Freiheit verliert. Was kann Literatur dagegen setzen? Vielleicht ihr Insistieren auf Gedächtnis und die Freiräume unzensierter Reflexion.

K-Ming Chang: Bestiarium

Bestiarium. Roman

K-Ming Chang
Hanser Verlag (2021)
288 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

K-Ming Chang erzählt in ihrem elektrisierendem Debüt von queerer Liebe, Migration und Familie entlang von drei Generationen taiwanisch-amerikanischer Frauen in den USA. Eine Familie gräbt im Garten nach Gold. Es soll der Türöffner sein, um ihr altes Leben in Taiwan hinter sich zu lassen. Doch der verheißungsvolle Traum vom Leben in Arkansas kann die Familie nicht vor den Traumata bewahren, die sie stets mit sich trägt. Eine Generation später in Kalifornien gräbt eine Tochter nach den Geschichten ihrer Herkunft und findet anarchische Briefe ihrer Großmutter. Die Figuren in K-Ming Changs Roman feiern die Kraft des Erzählens: Wild entschlossen spinnen sie die Mythen ihrer Vergangenheit fort und erschaffen sich so neue Wurzeln und eine ganz eigene Identität. Bestiarium pulsiert vor Lebendigkeit. Ein elektrisierendes Debüt!

Bei Dao: Das Stadttor geht auf

Das Stadttor geht auf. Eine Jugend in Peking

Bei Dao
Hanser Verlag (2021)
336 Seiten, 25,00 €

Der Verlag über das Buch

Der weltberühmte Dichter Bei Dao, der nach Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens des Landes verwiesen wurde, erinnert sich: an seine Kindheit in Peking und seine turbulente Jugend während der Kulturrevolution, an die berauschende und festliche Stimmung dieser Zeit, an die Roten Garden, denen er sich als Siebzehnjähriger anschloss. Das intim Familiäre und das lärmend Politische, die Begeisterung und die Ernüchterung, das Feiern, auf das die Hungersnot folgt: All dies erzählt Bei Dao in seinem einzigartigen Erinnerungsbuch, in dem er seine verlorene Stadt mit all ihren Empfindungen, Gerüchen und Geräuschen aufleben lässt, „um das Peking von heute zu widerlegen.“

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

Hpng Lou Meng - Der Traum der roten Kammer

Hóng Lóu Mèng (红楼梦 – „Der Traum der roten Kammer“; in chinesischer Sprache)

2 Bände (1993)
1418 Seiten, 36,00 €

Masterworks of Chinese Porcelain in the National Palace Museum, Supplement

4 Bände herausgegeben vom National Palace Museum Taipei:

Masterpieces of Chinese Seals in the National Palace Museum (1974), 39,00 €
Masterworks of Chinese Porcelain in the National Palace Museum, Supplement (1973), 29,00 €
Masterpieces of Chinese Bronze Mirrors in the National Palace Museum (1971), 39,00 €
Select Chinese Rare Books and Historical Documents in the National Palace Museum (1971), 39,00 €

Aktuelle Buchempfehlungen – August 2021

Maos langer Schatten – Chinas Umgang mit der Vergangenheit

Daniel Leese
C.H.Beck Verlag (2020)
606 Seiten, 38,00 €

Der Verlag über das Buch

Wie kann sich eine Diktatur mit dem Erbe von Unrecht und Staatsverbrechen auseinandersetzen, die unter ihrer Herrschaft begangen wurden? Mit dieser Frage sah sich die Kommunistische Partei Chinas nach dem Tod Mao Zedongs im Jahr 1976 konfrontiert. Gestützt auf eine Vielzahl bislang unbekannter Dokumente entwirft der Freiburger Sinologe Daniel Leese ein breit angelegtes Panorama der chinesischen Politik und Gesellschaft in der kritischen Umbruchphase zwischen 1976 und 1987.

Die Massenkampagnen des «Großen Vorsitzenden» Mao Zedong hatten horrende Opferzahlen gefordert und die Volksrepublik China an den Rand eines Bürgerkriegs geführt. Unter seinen Nachfolgern begann die Kommunistische Partei ein großangelegtes Experiment historischer Krisenbewältigung. Millionen politisch Verfolgte wurden rehabilitiert, Entschädigungszahlungen geleistet und Täter vor Gericht gestellt, allen voran die «Viererbande» um Maos Frau Jiang Qing. Das Ziel bestand darin, einen Schlussstrich unter die Geschichte zu ziehen und alle Energien auf die wirtschaftliche Reformpolitik zu lenken. Aber die Schatten der Vergangenheit ließen sich nicht so einfach bannen. Gestützt auf eine Vielzahl bislang unbekannter Quellen – von vormals geheimen Reden der Parteiführung bis zu Petitionsschreiben einfacher Bürger – zeichnet Daniel Leese ein hochdifferenziertes Bild der Dekade nach Mao Zedongs Tod. Die Auswirkungen dieses Ringens um historische Gerechtigkeit sind in der chinesischen Politik und Gesellschaft bis heute spürbar.

Das Buch war nominiert für den deutschen Sachbuchpreis 2021.

Sehnsucht nach Shanghai. Roman

Luo Lingyuan
Ebersbach & Simon (erscheint im August 2021)
320 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Eine leidenschaftliche Liebe in Shanghai
Shanghai 1935: Klug, schön und unkonventionell, passt die amerikanische Journalistin Emily Hahn perfekt in die schillernde Stadt der Abenteurer, Dichter und Dandys. Mit ihrem Gibbon Mr Mills ist sie stets Mittelpunkt der mondänen Dinnerpartys von Victor Sassoon, ihre China-Reportagen für den New Yorker sind ein Riesenerfolg. Als sie den attraktiven Lyriker und Verleger Zau Sinmay kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick – und der Beginn einer leidenschaftlichen Affäre. Durch ihn bekommt sie Zugang zur gehobenen chinesischen Gesellschaft und die einmalige Chance, eine Biografie über die berühmten Soong-Schwestern zu schreiben. Doch schon bald werfen die politischen Ereignisse ihre Schatten voraus … Ein bewegender Roman über eine Frau, die unbeirrt ihren Weg geht, und zugleich eine spannende Zeitreise in das Shanghai der wilden Dreißigerjahre.

„Wann immer sich mir die Gelegenheit bot, habe ich bewusst den Weg eingeschlagen, der ins Ungewisse führte.“ Emily Hahn

Der Schwur der Adlerkrieger (Die Legende der Adlerkrieger Band 2)

Jing Yong
Heyne Verlag (erscheint im August 2021)
560 Seiten, 16,99 €

Der Verlag über das Buch

Kaum in der Jin-Hauptstadt Zhongdu angekommen, erfährt der tapfere Kung-Fu-Kämpfer Guo Jing nicht nur die Wahrheit über den gewaltsamen Tod seines Vaters, sondern findet auch noch heraus, dass er gegen seinen Willen gleich zwei Frauen versprochen ist. Dabei gehört sein Herz doch der schönen Rebellin Huang Rong! Gemeinsam mit ihr macht er sich auf die gefährliche Reise durch China, um das seit Langem verschollene Buch Der Wahre Weg der Neun Yin zu finden. Mit dieser Schrift kann jeder Kung-Fu-Künstler unbesiegbar werden, und sollte sie in den falschen Händen landen, wäre das Schicksal des ganzen Reiches besiegelt …

Qingjing Jing – Das Buch der Klarheit und Ruhe

Chinesisch/Deutsch
Kalligraphie, Übers. und Komm. von Hsing-Chuen Schmuziger-Chen
Reclam Verlag (erscheint im August 2021)
104 Seiten, 20,00 €

Der Verlag über das Buch

Das Qingjing Jing ist ein Werk von großer sprachlicher Klarheit und spiritueller Tiefe. Der kurze, anonyme Text in Versform aus dem 7./8. Jahrhundert gilt als eine der wichtigsten Schriften des Daoismus, dessen zentrale Elemente er mit buddhistischem Gedankengut verbindet. Das Buch der Klarheit und Ruhe widmet sich dem menschlichen Sein wie der Ordnung des Kosmos und ist deutlich zugänglicher als das im Westen weitaus bekanntere Daodejing des Laozi.

Die deutsche Übersetzung von Hsing-Chuen Schmuziger-Chen fußt erstmals auf dem chinesischen Urtext und nicht, wie üblich, auf englischen Fassungen. In einem knappen Kommentar erläutert sie Kernbegriffe und gibt Hinweise für ihre lebenspraktische Anwendung. Ihre Kalligraphien bannen Rhythmus und Bewegung des Textes in kunstvoll fließende Bewegung.

Qianziwen – Der 1000-Zeichen-Klassiker

Xingsi Zhou, übers. und komm. von Eva Lüdi Kong
Reclam Verlag (erscheint im August 2021)
128 Seiten, 8,00 €

Der Verlag über das Buch

Den 1000-Zeichen-Klassiker konnte über 1000 Jahre jeder, der lesen und schreiben lernte, auswendig; er vermittelt die Grundzüge konfuzianischer Ethik und Bildung.

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

Eisenbahnkursbuch der chinesischen Eisenbahn von 1965 – verkauft

Verlag unbekannt
141 Seiten, 25,00 €
Innen tadellos, Umschlag mit Gebrauchsspuren

Telefonbuch von Peking von 1965 – verkauft

Verlag unbekannt
183 Seiten, 25,00 €
Innen tadellos, Umschlag mit Gebrauchsspuren

Woodcuts of War-Time China 1937–1945 – verkauft

Compiled by the Chinese Woodcutters’ Association
Kaiming Books Company Shanghai (1946)
160 Seiten, 170,00 €
Innen tadellos, Papier nachgedunkelt, Umschlag vorne mit Gebrauchsspuren

1000 Modern Songs From Hollywood – verkauft

Modern Screen Song Corp. Shanghai (1939)
351 Seiten, 28,00 €
Die ersten Seiten mit  leichten Stockflecken, sonst sauber; grüner, sehr stark abgenutzter Einband

An Official Guide to Eastern Asia Vol. IV – China – verkauft

The Imperial Japanese Government Railways Tokyo, Japan (1915)
414 Seiten, 45,00 €
Einband tadellos, oberer Schnitt Goldschnitt,  Bindung nicht mehr ganz gerade, leicht angestaubt im  Seitenschnitt, auf Seite 2 eingeklebtes Preisschild des letzten Ladens in Peking; Karte fehlt

马克思恩格斯文集 – Gesammelte Werke von Marx und Engels

Sprache: Chinesisch
Beijing (2009)
10 Bände, 150,00 €
Exzellenter Zustand

Aktuelle Buchempfehlungen – Juli 2021

Weiches Begräbnis

Fang Fang
Hoffmann und Campe Verlag (2021)
448 Seiten, 26,00 €

Der Verlag über das Buch

„Fesselnd wie ein Opiumrausch.“ Le Monde — Wer China verstehen will, sollte diesen Roman lesen: In ihrem zuerst gefeierten, dann verfemten Roman rührt Fang Fang an die Traumata der chinesischen Seele. Als „Weiches Begräbnis“ 2016 in China erscheint, wird der Roman als wichtigstes chinesisches Werk der letzten Jahrzehnte gefeiert und mit dem renommierten Literaturpreis Lu Yao ausgezeichnet. Doch als bei einer Parteizusammenkunft der Roman mit dem Vokabular der Kulturrevolution als „Giftpflanze“ verbrämt wird, verschwindet das Buch vom Markt. Denn Fang Fang rührt darin an ein unverarbeitetes Trauma der chinesischen Gesellschaft, die Landreform nach 1948, als Millionen Chines*innen hingerichtet und in „weichen Begräbnissen“, d. h. ohne Sarg, verscharrt wurden. In einem kleinen Dorf wird eine junge Frau halbtot aus einem Fluss gezogen, sie erinnert sich an nichts. Der Dorfarzt Dr. Wu rettet ihr das Leben, und sie beginnt ein neues: Sie wird Haushälterin des KP-Kaders vor Ort, heiratet ihren Retter Dr. Wu, und sie bekommen einen Sohn. Doch im Laufe der Jahre löst sich der schützende Kokon des Vergessens. Sie sind verdammt zu schweigen, denn das Schweigen schützt die Familie: auch dafür steht „weiches Begräbnis“, die Erinnerung so tief zu begraben, dass gefährliches Wissen für immer verlorengeht. Im Schatten dieses Traumas wächst ihr Sohn auf – doch alles ändert sich, als er beginnt, die Vergangenheit zu erforschen.

Leben und Sterben in China – 111 Fabeln nach 111 Zeichen

(Herbert) Schuldt
Verlag Matthes & Seitz Berlin (2021)
278 Seiten, 28,00 €

Der Verlag über das Buch

Die knappen Geschichten sind so schnell und plötzlich wie ein Kuss oder ein Niesen. Neben jeder Bildseite mit einem roten Zeichen steht die Fabel dazu. So entfaltet Schuldt Blitzkarrieren, Menschen am Abgrund, Draufgänger, die sich retten, beobachtet mit Witz, aufgezeichnet in mitleidloser Lakonie. Ein längst überfälliges Exercitium in Befindlichkeitsaustreibungen. In New York aus den Vokabeln in Lius Wörterbuch zu befremdlichen Abenteuern zusammengesetzt, erzeugen die ebenso verblüffenden wie behänden Texte ein gestaltreiches Kontinuum von Verwandlungen, einen Atlas unerhörter chinesischer Schönheit. Die Fabeln folgen der chinesischen Vorliebe, sich an den Ähnlichkeiten von Gestalt und Aussehen entlangzuhangeln, von einer Idee zur nächsten, zu verrückten Einfällen und garstigen Überraschungen. Ein Glossar führt den Leser durch den Irrgarten von den Wurzeln vor dreitausend Jahren bis in die Gegenwart der Zeichen.

China-Kompetenz in Deutschland und Deutschland-Kompetenz in China

Chunchun Hu, Hendrik Lackner, Thomas Zimmer Hrsg.
Springer Verlag (2021)
360 Seiten, 54,99 €

Der Verlag über das Buch

Das Buch ist die erste Publikation zum Thema und spiegelt nicht nur das Denken der akademischen Welt und praktische Erfahrungen wider, sondern entspricht auch dem derzeitigen Zeitgeist im Sinne der kulturellen Identität. Es greift den vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeführten Länderkompetenz-Begriff auf und versucht, die gegenseitige Wahrnehmung, den Dialog und Austausch zwischen China und Deutschland im 21. Jahrhundert aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Geschichte des modernen China – Von der Qing-Dynastie bis zur Gegenwart

Klaus Mühlhahn
C.H. Beck (2021)
760 Seiten, 39,95 €

Der Verlag über das Buch

Selbst elementare Kenntnisse der Geschichte Chinas sind hierzulande noch immer Mangelware. Klaus Mühlhahn beschreibt in seiner umfassenden Darstellung, wie sehr das Land auf seinem Weg von der gedemütigten Halbkolonie zur globalen Supermacht unserer Tage von der eigenen Vergangenheit geprägt wurde. Denn Chinas holpriger Weg in die Moderne ist nicht nur als eine Aufholjagd gegenüber dem Westen zu verstehen, sondern als ein großes Ringen um eine eigenständige chinesische Moderne. Wer Chinas phänomenalen Aufstieg, seine Widersprüche und Gegensätze begreifen will, der kommt an diesem grundlegenden Werk nicht vorbei.

Chinas Geschichte seit dem späten 17. Jahrhundert ist durchzogen von Krisen, Reformen, Revolutionen und Kriegen. Zugleich aber hat das Land stets eine hohe Widerstandsfähigkeit und Beharrlichkeit bewiesen. Selbst im „Jahrhundert der Erniedrigung“, als europäische Kolonialmächte das Sagen hatten, konnte es eine halbsouveräne Stellung behaupten. Klaus Mühlhahn schildert in seinem großen Buch auf dem neuesten Stand der Forschung Chinas Geschichte von der Qing- Dynastie bis zu Xi Jinping und nimmt dabei von der Politik über die Gesellschaft bis zur Wirtschaft und Umwelt alle Felder detailliert in den Blick. Der Schlüssel seiner Interpretation sind die chinesischen Institutionen, die seit Konfuzius über alle Regime und Machthaber hinweg auf die jeweiligen Umstände reagiert und sie zugleich mit ihrem enormen eichtum an Ideen und Modellen bis in die heutige Gegenwart mitgestaltet haben.

Xi Jinping – Der mächtigste Mann der Welt

Stefan Aust, Adrian Geiges
Piper Verlag (2021)
288 Seiten, 22,00 €

Der Verlag über das Buch

China wächst weiter unaufhaltsam, ist aus der Corona-Pandemie sogar noch gestärkt hervorgegangen. Der Westen hingegen versinkt in Krise und Chaos. Mächtigster Mann der Welt ist heute nicht mehr der Präsident der USA, sondern Xi Jinping, Generalsekretär der Kommunistischen Partei und Staatspräsident Chinas. Wie funktioniert der Funktionär, der eine Machtfülle auf sich vereint wie vor ihm nur Mao? Welche Rolle spielt seine Frau Peng Liyuan, Chinas bekannteste Volkssängerin und Sonderbotschafterin der Weltgesundheitsorganisation (WHO)? Wie wurde er, wer er ist? Was hat er vor? Wie hält er es mit der Ökologie? Warum schafft er eine neue Seidenstraße? Was bedeuten seine Pläne für uns? Stefan Aust und Adrian Geiges zeichnen das faszinierende Porträt einer Persönlichkeit, die unser aller Leben beeinflusst.

Architekturführer Peking. Wohnquartiere, Tempel und Industriebauten: Chinas Hauptstadt im Wandel

Frédéric Schnee
DOM publishers (2021)
576 Seiten, 48,00 €

Der Verlag über das Buch

Tempel, Industriebauten und Wohnquartiere: Von der Kaiserzeit bis in die Gegenwart werden Architektur und Städtebau in der Komplexität Pekings sichtbar. Abseits touristischer Pfade zeichnet Architekt und Autor Frédéric Schnee den Wandel von einer ganzheitlich konzipierten Kaiserstadt zur internationalen Megalopolis Jing-Jin-Ji nach.

Die fast 150 Bauten und Projekte beginnen mit den buddhistischen und taoistischen Tempeln aus der Kaiserzeit, die für das städtische Leben in der frühen Neuzeit maßgeblich waren. Einen weiteren Fokus legt das detailreiche Buch auf die Architektur aus den Anfangsjahren der Volksrepublik China und somit die Bauzeugnisse jenes Experiments, das Peking zu einer Produktionsstadt transformieren wollte. Bei den aktuellen Bauten fokussiert Frédéric Schnee auf Projekte junger chinesischer Architekten und zeigt, wie sich eine neue Generation auf die selbstbewusste Suche nach einer originär chinesischen Baukunst macht.

Bei dem Architekturführer Peking handelt es sich um eine der umfangreichsten deutschsprachigen Publikationen zur Architektur in der chinesischen Hauptstadt. Zahlreiche Abbildungen werden erstmals außerhalb Chinas veröffentlicht.

Die ewige Supermacht – Eine chinesische Weltgeschichte

Michael Schuman
Propyläen Verlag (2021)
512 Seiten, 26,00 €

Der Verlag über das Buch

Wieso ignoriert China westliche Werte wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte? Warum verhält es sich anderen Staaten gegenüber desto übergriffiger, je stärker seine Wirtschaft wird? Die Antwort darauf steckt in Chinas großer Geschichte und seinem Anspruch, alleinige Supermacht zu sein. Über Jahrtausende hinweg verfügte das Reich der Mitte über das stärkste Militär, die florierendste Wirtschaft und den größten wissenschaftlichen und kulturellen Einfluss in seiner Region. Die Weltgeschichte stellt sich aus Chinas Sicht also völlig anders dar als jene, die den westlichen Kanon bestimmt – und hieraus speist sich Chinas Verständnis davon, wie man als Supermacht mit Menschen und anderen Staaten umgeht. In diese Position der Stärke will es zurück, nach Jahrzehnten, in denen das Land durch die westliche Kolonialpolitik und den importierten Kommunismus vorübergehend in seine Schranken gewiesen war. Michael Schuman erzählt Chinas komplexe Historie: von großen Dynastien und faszinierenden Persönlichkeiten, epischen Konflikten und einflussreichen Denkern. Er macht deutlich: China hat sich stets als alleinige Weltmacht gesehen, nach der die anderen sich ausrichten. Es geht nicht um die Frage, ob China die Welt wieder beherrscht, sondern wann und wie.

Die Entdeckung des chinesischen Buddhismus. Walter Liebenthal (1886–1982): Ein Forscherleben im Exil

Mechthild Leutner, Roberto Liebenthal
Berliner Chinastudien 57, LIT Verlag (2021)
480 Seiten, 69,90 €

Der Verlag über das Buch

Walter Liebenthal, Sinologe, Indologe und Philosoph, war ein Pionier bei der Entdeckung des spezifisch chinesischen Buddhismus als eigenständiges Forschungsfeld. Im vorliegenden Band werden erstmals die Genese seiner sino-buddhistischen Forschungen und deren Verortung im chinesischen Kontext ebenso wie die indischen Einflüsse aufgearbeitet. Liebenthals wissenschaftliches Schaffen ist eng verflochten mit dem politisch-gesellschaftlichen und dem persönlich-familiären Kontext. Hier kommt seiner Frau Charlotte Oenike eine wichtige Rolle zu.

Langjährige Exilerfahrungen in China (1933–1952) und Indien (1952–1959) schlugen sich in Liebenthals fachlichen Ideen und philosophischen Theorien nieder: Sie ermöglichten inter- und transkulturelle Einflüsse, bedeuteten aber auch den Verlust individueller und akademischer Heimat.

Auf Grundlage umfassender persönlicher Zeugnisse und von Archivmaterial wird hier beispielhaft das Verhältnis von Politik und Ideologie ausgelotet und aufgezeigt, wie materielle Lebensumstände und politisch-gesellschaftlicher Kontext die Wissensproduktion beeinflussen.

New York Ghost. Roman

Ling Ma
CulturBooks Verlag (2021)
360 Seiten, 23,00 €

Der Verlag über das Buch

Candace Chen treibt recht ziellos durch ihr New Yorker Leben. Tagsüber arbeitet sie in einem Büroturm in Manhattan – sie ist zuständig für die Herstellung von Bibeln in China – und abends sieht sie sich mit ihrem Freund in ihrem Kellerappartement Filme an. Seit ihre Eltern, mit denen sie als Kind aus China in die USA eingewandert ist, vor nicht allzu langer Zeit gestorben sind, hat sie genug von jeder Form der Unsicherheit. So hingebungsvoll folgt sie ihren täglichen Routinen, dass sie erst gar nicht bemerkt, wie tödliche Pilzsporen Virus über New York hereinbrechen – ins Land gekommen durch billige, in China hergestellte Konsumgüter. Auch durch ihre Bibeln! Das Shen-Fieber greift rasant um sich: Geschäfte schließen. U-Bahnen stehen still. Menschen fliehen. Ihre Chefs überzeugen sie mit der Aussicht auf eine große Prämie, im Büro die Stellung zu halten. Bald ist sie fast ganz allein in New York, fotografiert – noch immer ohne Fieber – die unheimliche, verlassene Stadt und stellt die Fotos auf ihren anonymen Blog NY Ghost.

Aber schließlich muss auch Candace die Stadt verlassen und schließt sich einer Gruppe Überlebender an – angeführt von dem machthungrigen IT-Techniker Bob. Sie machen sich auf zu einem Ort namens »Die Anlage«, wo sie, wie Bob verspricht, alles haben werden, was sie brauchen, um eine neue Gesellschaft zu begründen. Doch Candace trägt ein Geheimnis in sich, von dem sie weiß, dass Bob es ausnutzen wird. Soll sie vor ihrem Retter fliehen?

Ling Mas ungewöhnliches Debüt ist eine bewegende Familiengeschichte, ein schräges Roadmovie, eine originelle Endzeiterzählung, eine schwarzhumorige Satire über die Folgen unseres Konsumverhaltens – und nicht zuletzt eine aufrichtige Hommage an all die menschlichen Beziehungen, die erst dafür sorgen, dass sich unser Leben nicht in einem reinen Überlebenskampf erschöpft.

Aktuelle Buchempfehlungen – März 2021

Der Masterplan – Chinas Weg zur Hightech-Weltherrschaft

Stephan Scheuer
Herder Verlag (kartonierte Ausgabe)
224 Seiten, 14,00 €

Der Verlag über das Buch

Chinas Digitalkonzerne drängen nach Europa. Ob Netzausrüster Huawei, Online-Händler Alibaba oder Smartphone-Marke Xiaomi: Die Firmen weiten ihren Einfluss aus. Anfangs wurden sie begrüßt. Heute werden sie mit Sorge betrachtet. Die USA und deutsche Sicherheitsbehörden warnen, Huawei fungiere als Einfallstor für chinesische Spionage und Sabotage beim Echtzeitmobilfunk 5G. Der Konzern widerspricht. Der US-Präsident Donald Trump hat chinesischen Tech-Konzernen bereits einen digitalen Kalten Krieg erklärt.

Eine fundamentale Verschiebung des globalen Kräfteverhältnisses ist im Gange. China steigt zum internationalen Innovationstreiber auf. Die Hightech-Hersteller in Fernost blieben lange namenlos. Sie waren die billigen Auftragsfertiger. Heute beanspruchen sie selbst wichtige Märkte für sich – auch in Europa. Die USA fühlen sich bedroht und reagieren mit Sanktionen. Deutschland ist auf diesen Konflikt nicht vorbereitet. In der Bundesrepublik fehlt es an Verständnis dafür, wer hinter den aufstrebenden Konzernen aus China steckt. Die erweiterte und aktualisierte Taschenbuchausgabe von „Der Masterplan“ soll diese Lücke schließen. Autor Stephan Scheuer zeigt auf, welche Gründer hinter den chinesischen Tech-Firmen stehen und wie sie groß werden konnten. Dabei zeigt er, wie Peking gezielt internationale Wettbewerber ausgesperrt hat und wie der Staat die Firmen heute für seine Ziele einbindet.

中國公主 – Chinaprinzessin

余德美 – Dagmar Yu-Dembski
Eigenverlag (2020)
102 Seiten, 18,00 €

Über das Buch

Zur 2013 in der Edition Ebersbach erschienenen Ausgabe der „Chinaprinzessin“ von Dagmar Yu-Dembski gibt es nun eine chinesischsprachige Ausgabe, die über den Chinaladen bezogen werden kann. Eine Frau auf der Suche nach Identität erzählt die Geschichte ihrer deutsch-chinesischen Familie, die weder Sprache noch Heimat gemeinsam hat und dennoch im geteilten Berlin miteinander verbunden bleibt.

Songjiang – The Cradle of Shanghai (englischsprachiger Titel)

Johannes Voit
Eigenverlag (2020)
144 Seiten, 9,99 €

Der Autor über das Buch

When you are in Shanghai, visit Songjiang! Songjiang is terra incognita for most people living outside Shanghai, and even for many Shanghainese. However, it is the cradle of the global metropolis Shanghai, and of Shanghai Culture. Today a city and a southwestern district of Shanghai, Songjiang was populated more than five thousand years ago when the area of modern-day Shanghai still was covered by water. Songjiang combines the old and the new: the Sutra Stele is the oldest object above the surface of the earth in the greater Shanghai area, and the spectacular Guangfulin Ancient Relics Site opened in Songjiang in 2018 is the latest addition to Shanghai visitors’ must-see list. The Guangfulin Culture Museaum traces more than five thousand years of history of Songjiang and Shanghai in an awesome, tent-like building rising from the waters of an artificial lake.This book describes both the rich cultural heritage of Songjiang which can be visited today, like Zuibaichi and Fangta Parks, Dacang Bridge, Xilin and Dong Yue Temples, the Sutra Stele and the Mosque, and many of the modern additions such as the InterContinental Shanghai Wonderland Hotel, the Guangfulin Relics Park, the Film Park, and many more. Most importantly, it provides detailed descriptions of how to get there by public transport.

Vortrag von Johannes Voit am 28.03.2021

Westliche Architektur in den Handelszentren Chinas – 1841 bis 1914

Michael Hofmann
Imhof Verlag
176 Seiten, 29,95 €

Der Verlag über das Buch

Das Buch gibt einen Überblick über die Vielfalt und Entwicklung der westlichen Architektur in Hongkong, Shanghai, Tientsin, Hankow, Tsingtau, Charbin und Dalny/Dairen. Zu den Städten wurde ein kurzer Abriss der städtebaulichen Entwicklung erarbeitet und historische Stadtpläne mit Kennzeichnung vieler Bauten ermöglichen eine Vorstellung von der Topografie der Stadt und der Lage der abgebildeten Bauwerke. Etwa 460 historische Ansichtskarten und wenige Fotos führen die Entwicklung vor Augen. Die Bilderschau belegt, dass die Bauwerke in den von Briten, US-Amerikanern, Franzosen, Deutschen, Russen und Japanern geprägten Städten oder Niederlassungen zum größten Teil europäische Standards besaßen. Beim Vergleich der Städte zeigen sich Unterschiede in der Stadtplanung und teils in der Architektur durch die Verwendung nationaler Baustile.

Zhuangzi – Das Buch der daoistischen Weisheit. Vollständige Ausgabe

Reclam Verlag (Taschenbuch)
530 Seiten, 14,80 €

Der Verlag über das Buch

Das Buch »Zhuangzi«, auch bekannt unter dem Ehrentitel »Das wahre Buch vom südlichen Blütenland«, ist zusammen mit dem »Daodejing« der wichtigste Text des chinesischen Daoismus. Zhuangzi (Dschuang Dsi) soll im 4. Jahrhundert v. Chr. gelebt, sich allen Ämtern verweigert und als Gärtner gearbeitet haben. Ihm geht es darum, zurückzulenken auf das Eigentliche, das Einfache: die Freiheit, nichts Besonderes zu tun, die Freiheit, sich selbst zu folgen, die Freiheit, mit der Natur zu leben. Zhuangzi ist der wilde Denker, der keine vorgegebene Ordnung akzeptiert und alles in Frage stellt. Sein Buch besteht aus 300 kurzen Texten: Anekdoten, Gleichnissen, Gedanken, Dialogen, die in 33 Kapitel geordnet sind.

Viktor Kalinke hat 2017 die erste ernstzunehmende und vollständige Übersetzung des »Zhuangzi« aus dem Chinesischen ins Deutsche vorgelegt. Diese neue Übersetzung erscheint nun in der Universal-Bibliothek.

Tsingtau – Eine deutsche Kolonialstadt in China (1897–1914)

Helga Rathjen
Böhlau Verlag
328 Seiten, 45,00 €

Der Verlag über das Buch

Heute noch stehen in der chinesischen Millionenstadt Qingdao Fachwerkhäuser im „neu-nürnbergischen Stil“. Der historische Stadtkern, die deutsche Kolonialstadt Tsingtau (1897-1914), erzählt ein koloniales Gründungsnarrativ deutscher Selbstrepräsentation im Spiegel einer rassistischen Konstruktion des chinesischen Anderen.

Tsingtau war eine städtebauliche Selbstinszenierung des Deutschen Reiches, die von bürgerlicher Selbsterfindung und imperialem Anspruch der „deutschen Kulturnation“ auf ihren „Platz an der Sonne“ kündete. Das koloniale Gründungsnarrativ von der „saubersten und gesündesten Stadt an der ganzen ostasiatischen Küste“ untermauerte nicht nur die nationale und bürgerliche Selbstrepräsentation, sondern lieferte auch die Begründung für eine rassistische Ausgrenzung und Disziplinierung der chinesischen Bevölkerung, die sich dem Zugriff der Macht auf unterschiedlichste Weise zu entziehen verstand.

Das Buch zeigt, wie Ausgrenzung und Disziplinierung der Mehrheitsbevölkerung und der Rückzug in eine gated community Imaginationen eines Belagerungszustandes durch „die feindlichen Anderen“ hervorbrachten, die auf kolonialen Deutungen der Welt, des Selbst und des Fremden beruhten. Imaginationen, die wir in unseren heutigen postkolonialen Denk- und Handlungsmustern wiedererkennen können.

Was der Osten ist

Paul Claudel
Verlag Matthes & Seitz Berlin
222 Seiten, 28,00 €

Der Verlag über das Buch

In neuer Übersetzung: das wohl einflussreichste französische Buch über das alte China. Auf seinen Reisen zwischen Shanghai, Fuzhou und Hankou beginnt der Diplomat Claudel gleich bei seinem ersten Aufenthalt von 1895–1899 mit der Niederschrift literarischer Momentaufnahmen. Obwohl er die chinesische Sprache nicht versteht, fühlt er sich sofort wie ein Fisch im Wasser, alles erscheint ihm »natürlich und normal«, die scheinbare Unordnung der chinesischen Stadt wird für ihn zum Zeichen einer Harmonie, die er der etablierten Ordnung europäischer Großstädte vorzieht. China sollte fortan das Land sein, in dem Paul Claudel nach kurzem Zwischenaufenthalt in Japan die meiste Zeit seiner diplomatischen Karriere verbrachte. Eindrücke vom Meer, den Flüssen, dem Land und den Gärten wechseln sich in den von eigenwilligen, mitunter gebrochenen Rhythmen durchzogenen Prosagedichten ab. Claudel streut Reflexionen, Gesänge und Fabeln ein; Phasen des Innehaltens, der produktiven Leere und Meditation folgt rasende Bewegung. Sie sind daher literarisches Zeugnis einer durch Baudelaire angestoßenen und von Rimbaud weitergeführten aufgebrochenen Prosaform und zugleich Zeugnis eines von allen Klischees befreiten und völlig unvoreingenommenen Blicks auf ein China des späten 19. Jahrhunderts.

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

鲁迅全集 – Lu Xün Qu Ji

鲁迅 – Lu Xün
人民文学出版社 1995年
Gesamtausgabe in 16 Bänden, 250,00 €. Versand auf Anfrage möglich.

Wu Ch’êng ên – Der rebellische Affe (Die Reise nach dem Westen)

Rowohlt Verlag (1961)
265 Seiten, 18,00 €

官场现形记 – Die Bürokraten

李宝嘉 – Li Bao Jia
春风文艺出版社  1993年
18,00 €

Aktuelle Buchempfehlungen – Februar 2021

Kernbeißer und Kreuzschnäbel – Ein Sittenbild aus dem alten Peking

Rainer Kloubert
Elfenbein Verlag (2020)
304 Seiten, 39,00 €

Der Verlag über das Buch

Die Bewohner des alten Peking – vom Kaiser bis hin zum einfachsten Untertanen – waren darin vernarrt, den Lauten von Vögeln zu lauschen, neue für sie zu erfinden, natürliche zu verändern, sie ganze Strophen trällern zu lassen oder ihnen kuriose Manieren beizubringen, um sie anderen vorführen zu können. Die Utensilien: Käfige, Käfiggriffe, Sitzstangen, Fress- und Trinknäpfe, Gestelle, Rahmen, Halsfesseln, Kästchen, Schächtelchen und vieles mehr, von dem Rainer Klouberts grundlegend erweitertes und reich illustriertes Buch berichtet, sind leider für immer verschwunden – die konfuzianischen Tugendwächter hatten nur wenig für Vögel übrig. Die Mode, sie zum Vergnügen abzurichten, kam in den Regierungsjahren des Pracht und Spiel liebenden Kaisers Qianlong (1735–1799) auf, der etwa zu der Zeit, als August der Starke sein Grünes Gewölbe mit chinesischem Porzellan füllte, in Pekings Sommerpalast Versailler Bauten errichten ließ, in denen künstliche Nachtigallen sangen, Wasserkaskaden tanzten und Spieluhren sich im Kreis drehten. Unter seinen Nachfolgern gewann die Sitte, Vögel in Käfigen zu halten, immer mehr Anhänger. Mandschurische Beamte und Sinekuristen vor allem bezahlten Unsummen für besonders gelehrige oder farbenprächtige Exemplare, die so genannten »Beamten-« oder »Residenzvögel«. Als gegen Ende der Dynastie exotische Vögel auftauchten, trat für Pekings Bewohner ein weiteres Faszinosum hinzu: die berauschenden Farben des Federkleides, an der sie sich nicht satt genug sehen konnten, Gefieder nicht weniger prächtig als die Kostüme von aufgeplusterten Opernschauspielern, die auf der Bühne hin und her stolzierend ähnlich gellende und dramatische Laute von sich gaben, Schreie, die sich, wenn man sie nur genügend in die Länge zog, in Musik verwandelten, um den »sieben Gemütsregungen« Ausdruck zu verleihen: Freude, Zorn, Trauer, Angst, Liebe, Hass und Begehren.

Die Rätsel Chinas und das Weltbild des Westens – Digitale Diktatur, Staatskapitalismus oder sozialistische Marktwirtschaft?

Wolfgang Müller
VSA Verlag (2021)
160 Seiten, 14,80 €

Der Verlag über das Buch

Chinas rasanter Aufstieg zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt stellt den kapitalistischen Westen, in dem einige nach dem Fall der Mauer 1989 schon vom »Ende der Geschichte« halluzinierten, wieder vor die Systemfrage: Wie umgehen mit einem »systemischen Konkurrenten« (EU-Kommission)?

Die Erfolgsgeschichte der Volksrepublik ist begleitet von der Entfesselung der Marktkräfte im Inneren und die politische Führung des Landes tritt für freien Welthandel ein. Gleichzeitig macht sie aber keine Anstalten, die erfolgreiche staatliche Teilsteuerung der Wirtschaft aufzugeben.

Chinas Aufstieg in der Welt jenseits der kapitalistischen Metropolen wird zunehmend als Alternative zum neoliberalen »Washington Consensus« und zu dessen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell begriffen. Das wird nicht zuletzt durch die Initiative zu einer »Neuen Seidenstraße« (»One Belt, One Road«) deutlich, mit der durch den Ausbau von Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung und Wirtschaftskorridoren zwischen Asien, Afrika und Europa ein »neues Goldenes Zeitalter der Globalisierung« eingeleitet werden soll. Was ist also zu halten von China und einer politischen Führung, die offiziell die Einführung des ­Sozialismus »chinesischer Prägung« verfolgt bei gleichzeitig hoher sozialer Ungleichheit und ausgeprägter, zunehmend digital unterstützter sozialer Kontrolle?

Leseprobe

Chinesische Philosophie – Von Konfuzius bis zur Gegenwart

Hans van Ess
C.H.Beck Wissen
128 Seiten, 9,95 €

Der Verlag über das Buch

Die Prinzipien von Yin und Yang, Konfuzius’ Tugendlehre oder Laozis Lehre vom Nicht-Handeln sind auch im Westen ein Begriff und doch mit der Aura des Rätselhaften umgeben. Hans van Ess bietet einen Schlüssel zum Verständnis dieser Denktradition. Er erzählt die Geschichte der chinesischen Philosophie von Konfuzius über Laozi und die buddhistischen Spielarten des chinesischen Denkens bis hin zum modernen Neukonfuzianismus und macht verständlich, warum die traditionelle Philosophie in China bis heute einen so hohen Stellenwert hat.

Leseprobe

Drachentanz – Chinas Aufstieg zur Weltmacht und was er für uns bedeutet

Matthias Naß
C.H.Beck
320 Seiten, 24,95 €

Der Verlag über das Buch

Chinas Aufstieg fasziniert die Welt – und lehrt sie das Fürchten. Unter Parteichef Xi Jinping erlebt das Land einen Rückfall in die Diktatur. Gleichzeitig dehnt es seinen globalen Einfluss immer weiter aus. Nicht nur in Amerika, auch in Europa wächst das Unbehagen an der neuen Weltmacht und an ihren Methoden. Droht ein neuer kalter Krieg oder sogar ein chinesischer Triumph über den Westen? Zeit-Korrespondent Matthias Naß gibt einen spannenden Einblick in das Land, das sich anschickt, zur Führungsmacht des 21. Jahrhunderts zu werden.

Pekings Machthaber perfektionieren die Überwachung ihrer Bevölkerung und errichten ein System aus Belohnungen und Strafen für regimekonformes Verhalten. Minderheiten wie die Uiguren werden brutal verfolgt und in Lagern „umerzogen“. In Hongkong soll die Opposition zum Schweigen gebracht werden, während im südchinesischen Meer Chinas militärische Präsenz zielstrebig ausgebaut wird. Mit dem Riesenprojekt der „Neuen Seidenstraße“ schafft China neue Abhängigkeiten im Mittleren Osten, Afrika und in Europa. Doch es gibt auch Probleme. Manches spricht dafür, dass China diesen Expansionskurs weder ökonomisch noch politisch auf Dauer durchhalten kann. Massive Umweltprobleme kommen hinzu. Und die Corona-Krise hat vielen westlichen Ländern gezeigt, dass die Abhängigkeit von China ein kritisches Ausmaß erreicht hat. Matthias Naß kennt China so gut wie nur wenige andere und zieht in diesem Buch eine ebenso sachlich fundierte wie fesselnde Bilanz.

Leseprobe

An den Ufern des Amur – Die vergessene Welt zwischen China und Russland

Sören Urbansky
C.H.Beck (erscheint Februar 2021)
375 Seiten, 26,00 €

Der Verlag über das Buch

Am Amur stoßen auf einer Länge von knapp 2000 Kilometern China und Russland aufeinander. Sören Urbansky ist ein Jahr lang vom Baikalsee bis zum Japanischen Meer durch die abgelegene Grenzregion gereist. In seiner fesselnden Reportage vom „Schwarzen Drachen“, wie die Chinesen den riesigen Strom nennen, versteht er es meisterhaft, an unscheinbaren Begebenheiten, vorerst noch kleinen Beben und Brüchen, die großen tektonischen Verschiebungen der Supermächte abzulesen.

Wo der Norden Chinas sibirisch wird und der Südosten Russlands zunehmend chinesisch, stehen die beiden autoritären Imperien Rücken an Rücken zueinander. Bis zum Zweiten Weltkrieg kämpften hier die Sowjetunion und Japan um die Vorherrschaft. Auf der Suche nach Spuren der Geschichte ist Sören Urbansky auf eine erstaunliche chinesisch-russische Gegenwart gestoßen. In seinem wunderbar anschaulich erzählten Buch berichtet er von prosperierenden chinesischen Metropolen und erstarrten russischen Orten auf der anderen Seite des Flusses – vor wenigen Jahrzehnten war das Gefälle noch umgekehrt. Er besucht Städte wie Harbin im Nordosten Chinas, einst „Moskau des Ostens“, und Wladiwostok, das erträumte russische San Francisco, und ist zu Gast bei einfachen Menschen, die fließend Chinesisch und Russisch sprechen und ihre Soljanka mit Stäbchen schlürfen. Sein einfühlsamer Bericht kommt den Profiteuren und Verlierern der Grenze ganz nahe und erlaubt gerade dadurch ungewöhnliche Einblicke in den Zustand der beiden Großmächte und ihr spannungsvolles Verhältnis.

Made in China. Roman

Tilman Spengler
Transit Verlag
240 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

Leo Zwirn, sowjetischer Kulturexperte und Lebenskünstler, wird Anfang der 60er Jahre nach China strafversetzt. Nach dem Bruch der chinesisch-sowjetischen »Freundschaft« müssen alle Experten zurück in die UdSSR – außer Zwirn, der an ein von aller Welt vergessenes Museum in Xi’an, der alten Kaiserstadt, »delegiert« wird. Es ist die Zeit der Kulturrevolution, das Museum soll als »rückwärtsgewandte Institution« geschlossen werden. Um ­dies zu verhindern, finden sich im Museum Mitstreiter, die mit gewiefter Taktik und Phantasie diesen Beschluss zu unterlaufen versuchen. Mit der Wahrheit muss unkompliziert umgegangen werden. Ein sensationeller Fund, nämlich abstrakte Zeichnungen des frühen Mao Zedong, tauchen auf, die im Museum wirkungsvoll präsentiert werden. Aber sind sie tatsächlich echt? Und wie lässt sich der misstrauische, skrupellose und machthungrige Politkommissar, der »Stählerne Wu«, in ein weiteres Projekt einbinden, durch das ein kunsthistorisches Weltwunder herbeigezaubert werden könnte: Das Entstehen der unsterblichen Armee von Terrakottakriegern, die von der Überlegenheit des chinesischen Volkes kündet und ganz nebenbei dem Tourismus, der »Industrie ohne Rauch«, einen global bewunderten Aufschwung verschafft.

Ein aufregender, komischer, mit viel Wissen erzählter Roman über China, die Kulturrevolution – und eine Ode an die subversive Kreativität.

Feindbild China – Was wir alles nicht über die Volksrepublik wissen

Uwe Behrens
edition ost im Verlag Das Neue Berlin
192 Seiten, 15,00 €

Der Verlag über das Buch

China – das Reich der Mitte hat in den letzten Jahrzehnten einen beispielhaften wirtschaftlichen Aufschwung erfahren. Uwe Behrens, der 27 Jahre in diesem Land lebte und arbeitete, informiert in zehn Frageblöcken kenntnisreich, wie die Volksrepublik es schaffte, ohne Demokratie westlichen Vorbilds ihre Wirtschaft auf den heutigen Stand zu heben, mit welchen Schwierigkeiten sie dabei zu kämpfen hatte und welche Probleme noch immer bestehen.

Mit dem Hintergrund jahrelanger Erfahrung als Transportökonom klärt Uwe Behrens über Handelswege wie die neue Seidenstraße auf und thematisiert darüber hinaus die kritische wie parteiische Perspektive des Westens. Das rasche wirtschaftliche Wachstum und die damit einhergehende wachsende Bedeutung der Rolle Chinas in der Weltpolitik werden in den westlichen Medien und der Politik seit Jahren negativ betrachtet. Chinesische Wissenschaftler werden aus den USA ausgewiesen, Dumpingvorwürfe erhoben und Import- oder Exportverbote ausgesprochen. Wer kann es China also verübeln, andere Wege zu gehen, neue Handelspartner für sich zu gewinnen? Uwe Behrens beantwortet als Experte Fragen zur Unterdrückung von Minderheiten, Territorialkämpfen, Cyberkriminalität und der Behandlung der Menschenrechte.

Leseprobe

Kleine Erzählungen aus China – Für Chinesischlernende (zweisprachig Chinesisch-Deutsch)

Alina Jianmei Xiang, Helga Kunsemüller
Chinabooks (erscheint Februar 2021)
100 Seiten, 19,99 €

Der Verlag über das Buch

Eine Auswahl an klassischen Erzählungen aus dem alten China in einer zweisprachigen Ausgabe Deutsch und Chinesisch mit Pinyin-Lautumschrift. Kurzweilig und lehrreich, in einfacher Sprache speziell für Chinesischlerner geschrieben. Mit herrlichen Tuschemalereien des chinesischen Illlustrators Li Meng.

Leseprobe

Empfehlungen aus unserem Antiquariat

The Historical Atlas of China (8 volumes)

Tan Qianxiang
Cartographic Publishing House Beijing (1987)
Tadelloser Zustand, 250,00 € (Versand auf Anfrage möglich)

Mehr Informationen

Chinesische Mythologie

Anthony Christie
Emil Vollmer Verlag (1968)
140 Seiten, 12,80 €

Aktuelle Buchempfehlungen – Sommer 2020

Wolfgang Hirn: Shenzhen

Shenzhen – Die Weltwirtschaft von morgen

Wolfgang Hirn
Campus Verlag (2020)
286 Seiten, 25,00 €

Der Verlag über das Buch

Shenzhen ist die Stadt der Superlative: die am schnellsten wachsende Metropole der Welt, die jüngste, offenste, reichste und teuerste Stadt Chinas. Ob Elektromobilität, Gentechnik oder Künstliche Intelligenz – bei den wichtigen Zukunftstechnologien werden hier die Trends gesetzt.

Wenn Chinaexperte Wolfgang Hirn Shenzhen beschreibt, entwirft er damit gleichzeitig das Bild der Urbanität von morgen. Er bereist die Region seit vielen Jahren und beobachtet die rasante Entwicklung. Auch immer mehr ausländische Konzerne – ob Airbus, Apple, Daimler oder Lufthansa – installieren Labs in der Megacity. Die Weltwirtschaft bekommt mit Shenzhen ein neues Gravitationszentrum, die neue Maßeinheit heißt Shenzhen-Speed.

Clive Hamilton & Mareike Ohlberg: Die lautlose Eroberung

Die lautlose Eroberung – Wie China westliche Demokratien unterwandert und die Welt neu ordnet

Clive Hamilton & Mareike Ohlberg
Deutsche Verlags-Anstalt (2020)
496 Seiten, 26,00 €

Der Verlag über das Buch

Chinas Aufstieg zur Weltmacht ist unaufhaltsam. Lange erwartete man, dass sich das Land mit zunehmendem Wohlstand demokratisieren würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Kommunistische Partei Chinas will sich mit allen Mitteln an der Macht halten. Dafür werden Wirtschaft und Gesellschaft im eigenen Land auf Linie gebracht und ein weitreichendes Programm wurde entwickelt, mit dem China die westlichen Demokratien unterwandert und eine neue Weltordnung etablieren will. Dabei setzt es nicht nur seine Wirtschaftsmacht als Waffe ein, sondern die gesamte Bandbreite seiner Politik. Wie vielfältig der chinesische Einfluss auch bei uns bereits ist, enthüllen die beiden Autoren an zahlreichen Beispielen – ein Anstoß zu einer dringend notwendigen Debatte: Wie soll Deutschland, wie Europa mit der neuen Weltmacht China umgehen?

Eileen Chang: Die Klassenkameradinnen

Die Klassenkameradinnen

Eileen Chang
Ullstein Verlag (2020)
96 Seiten, 18,00 €

Der Verlag über das Buch

Der letzte Roman einer der bedeutendsten chinesischen Erzählerinnen der Moderne
Zhao Jue lebt in New York, arbeitet als Dolmetscherin für die UN. In einer Zeitschrift entdeckt sie das Foto einer ehemaligen Mitschülerin. Ihre Freundin lebt inzwischen mit ihrem deutschen Mann in Washington, es ist 1975, China und die USA nähern sich nach dem Besuch von Nixon langsam an. Zhao Jue erinnert sich an die Schulzeit im Schanghai der Dreißigerjahre, an das sexuelle Erwachen der Freundinnen. Wie Eileen Chang überwirft sich Zhao Jue mit der Familie, widersetzt sich deren Heiratsplänen und hält sich während der japanischen Besetzung mit Schmuggel über Wasser. In Amerika begegnet sie Vorurteilen, lernt aber auch die Freiheit kennen.

Eileen Chang ist die bedeutendste chinesische Erzählerin der Moderne. Ende der Siebzigerjahre schrieb sie Die Klassenkameradinnen, verbot jedoch eine Veröffentlichung zu Lebzeiten, da der Text eigene Erlebnisse verarbeitet.

Rezension von Dagmar Yu-Dembski

Lea Schneider, Yimeng Wu: Made in China

Made in China

Gedichte: Lea Schneider
Illustrationen: Yimeng Wu
Verlagshaus Berlin (2020)
120 Seiten, 17,90 €

Der Verlag über das Buch

made in china ist made in China. Lea Schneider bewegt sich durch sechs chinesische Metropolen, durch die chinesische Sprache, durch die chinesische Geschichte. Nanjing, Shanghai, Hong Kong, Taipei, Chengdu, Beijing — die Gedichte sind in den Städten entstanden, aber keines behauptet, sie zu kennen oder erklären zu wollen. Stattdessen sind sie ein zärtliches Sammeln und Suchen: Nach Objekten, Texten, Sprachfragmenten und Gerüchen, die uns viel näher liegen, als eine koloniale Sichtweise auf China nach wie vor behauptet. Was sie finden ist keine Stadt, kein Land: Sie finden ein Loch im Papier, das groß genug ist. Groß genug für Freundschaften mit Menschen, Büchern und Geistern. Groß genug für eine Nostalgie, die zwar in die Vergangenheit schaut, aber sich an die Gegenwart richtet — eine auf 350 km/h beschleunigte Gegenwart, gegen die Europa alt aussieht.

Miriam Leitner & Theresia Romberg-Frede: Anders gleich

Anders gleich – 45 Perspektiven auf Leben und Alltag in China

Miriam Leitner & Theresia Romberg-Frede
Drachenhaus Verlag (2020)
300 Seiten, 24,00 €

Der Verlag über das Buch

45 Frauen erzählen aus ihrem Leben

Die Globalisierung macht die Welt klein – sie bringt uns aber nicht zwangsläufig näher zusammen und sie führt zu keinem besseren Verständnis untereinander. Das interkulturelle Projekt ANDERS GLEICH ist durch den Wunsch entstanden, in einen Austausch zu treten.

In 45 Interviews erzählen die Frauen aus ihrem Leben: Was sind ihre Werten, was wünschen sie sich für sich und ihr Land? Ihre Geschichten regen an, einander offen und neugierig zu begegnen.

Fang Fang: Wuhan Diary

Wuhan Diary – Tagebuch aus einer gesperrten Stadt

Fang Fang
Hoffman und Campe Verlag (2020)
352 Seiten, 25,00 €

Der Verlag über das Buch

Das Tagebuch der berühmten chinesischen Schriftstellerin Fang Fang aus einer abgeriegelten Stadt ist ein einzigartiges, ergreifendes Zeitdokument über den Kampf gegen einen unsichtbaren Feind, den die Menschen in Wuhan weltweit als erste führten. Wuhan: Am 25. Januar, zwei Tage nachdem erstmals in der Geschichte eine 9-Millionen-Einwohner-Stadt komplett von der Außenwelt abgeriegelt wurde, beginnt Fang Fang, online Tagebuch zu schreiben. Eingeschlossen in ihrer Wohnung berichtet sie vom Hereinbrechen und dem Verlauf einer Katastrophe, von der Panik während der ersten Tage der Covid-19-Epidemie bis zu ihrer erfolgreichen Eindämmung. Sie erzählt von der Einsamkeit, dem heroischen Kampf des Personals in den Krankenhäusern, vom Leid der Erkrankten, dem Schmerz der Angehörigen von Verstorbenen und der Solidarität unter Nachbarn. Millionen Chinesen folgen ihren Gedanken und ihren Geschichten aus dem unmöglichen Alltag – vom Zorn über die Untätigkeit und Vertuschungsmanöver der Behörden während der Anfangsphase der Epidemie und der Unterdrückung warnender Stimmen, bis zur Anerkennung der wirkungsvollen Maßnahmen der Regierung in den Wochen danach. Fang Fang liefert einen unverstellten Blick auf die Katastrophe “von unten”, ganz nah an den Menschen, ihren Ängsten und Nöten, aber auch ihren kleinen Freuden und dem speziellen Wuhaner Humor selbst in dunkelsten Stunden. Zugleich wurde ihr Wuhan Diary in China zum Gegenstand erbitterter Auseinandersetzung über den Umgang mit kritischen Stimmen und Verantwortung – und somit über Chinas künftigen Weg. „Als Zeugen, die wir die tragischen Tage von Wuhan miterlebt haben, sind wir verpflichtet, für diejenigen Gerechtigkeit einzufordern, die gestorben sind.“ – Fang Fang

Joshua Wong: Unfree Speech

Unfree Speech – Nur wenn alle ihre Stimme erheben, retten wir die Demokratie

Joshua Wong mit Jason Y. Ng
S. Fischer Verlag (2020)
208 Seiten, 16,00 €

Der Verlag über das Buch

Was Malala für die Kinderrechte ist und Greta Thunberg für den Klimaschutz, das ist Joshua Wong für die Demokratie

Joshua Wong – das Gesicht der Protestbewegungen in Hongkong – schreibt erstmals selbst darüber, wie er es mit der Supermacht China aufgenommen hat. In seinem Buch, das halb Memoir, halb Manifest ist, appelliert er an alle, sich im Kampf um Freiheit und Demokratie einzubringen. Ob wir in Hongkong leben oder anderswo, seine Botschaft ist klar: Wenn wir als freie Individuen leben wollen, müssen wir gemeinsam für Demokratie und Freiheit kämpfen. Schweigen wir, ist niemand in Sicherheit. Nur wenn wir sprechen, können wir etwas bewirken.

Joshua Wong erreichte mit 14 Jahren das Unvorstellbare. Als China drohte, die Bildungspolitik in Hongkong zu ändern und die Erwachsenen schwiegen, veranstaltete er den ersten Studentenprotest in Hongkong gegen das Unterdrückungsregime: und gewann.Seitdem hat sich Joshua verpflichtet, unermüdlich für Demokratie und Menschenrechte zu protestieren. 2014 führte er die Regenschirm-Revolution an und spielt auch bei der aktuellen Protestbewegung eine zentrale Rolle. Hier erzählt er selbst, wie er es mit der Supermacht aufnahm und – und warum wir alle uns im Kampf für die Demokratie einbringen müssen.
»Joshua Wong ist ein mutiger und inspirierender junger Aktivist. Zusammen sind wir eine laute Stimme, die nicht zum Schweigen gebracht werden kann.« Greta Thunberg

Mit einem Vorwort von Ai Weiwei

Theo Sommer: China First

China First – Die Welt auf dem Weg ins chinesische Jahrhundert

Theo Sommer
Verlag C.H.Beck (2020, Taschenbuch-Ausgabe)
496 Seiten, 16,00 €

Der Verlag über das Buch

China hat sich in wenigen Jahrzehnten vom Armenhaus im Mao-Look zur Hightech-Nation gewandelt. Vielspurige Autobahnen und Hochgeschwindigkeitszüge verbinden die Zentren. Wer aus Schanghai nach Berlin kommt, erlebt eine Reise in die Vergangenheit. Oft heißt es, die Technologie sei nur importiert, ja geraubt, und die sozialen und ökologischen Probleme seien übermächtig. Doch das ist ein gefährlicher Irrtum. Das chinesische Jahrhundert hat bereits begonnen.

Theo Sommer blickt hinter die Kulissen der chinesischen Expansion, die einem ehrgeizigen Masterplan folgt. Das Seidenstraßen-Projekt stellt wichtige Handelswege zwischen Asien, Afrika und Europa unter chinesische Kontrolle. Ebenso planmäßig erfolgen Investments in europäische und gerade auch deutsche Firmen. Außenpolitisch trumpft China immer mehr auf, in Asien auch militärisch. Der neue starke Mann Xi Jinping hat sich eine Machtfülle gesichert, wie sie nicht einmal Mao hatte. Er perfektioniert den Überwachungsstaat mit einem an Orwell gemahnenden «Sozialkreditsystem», in der Provinz Xinjiang gar mit einem Lagersystem. Und auch in Hongkong sind Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten bedroht. Wer Theo Sommers luzides Buch voller überraschender Fakten und Zusammenhänge gelesen hat, wird China und den Westen mit anderen Augen sehen.

Rezension von Dagmar Yu-Dembski

Sayragul Sauytbay & Alexandra Cavelius

Die Kronzeugin – Eine Staatsbeamtin über ihre Flucht aus der Hölle der Lager und Chinas Griff nach der Weltherrschaft

Sayragul Sauytbay & Alexandra Cavelius
Europa Verlag (2020)
352 Seiten, 22,00 €

Der Verlag über das Buch

Infolge einer Reihe von Anschlägen in Xinjiang 2014 errichtete die chinesische Regierung in den letzten Jahren dort ein riesiges Netz von Straflagern für ethnische Minderheiten, vorwiegend muslimische Uiguren und Kasachen. Beschönigend nennt Peking diese – trotz erdrückender Beweislage – weiterhin »Berufsbildungslager«, in denen sich alle »Schüler freiwillig« aufhielten.

Im Jahr 2017 gerät die kasachische Staatsbeamtin und Direktorin mehrerer Vorschulen Sayragul Sauytbay selbst in die Mühlen des chinesischen Unterdrückungsapparates. Nachdem ihr kasachischer Mann mit beiden Kindern das Land verlassen hat, wird sie mehrmals verhört und schließlich in ein Umerziehungslager gesteckt, wo sie ihren Mitgefangenen von morgens bis abends die chinesische Sprache, Kultur und Politik beibringen muss. Dabei erhält sie Zugang zu geheimsten Informationen, die Pekings langfristige Pläne offenlegen, die Demokratien zu unterhöhlen und zu unterwerfen. Die Bedingungen sind unmenschlich: Gehirnwäsche, Folter und Vergewaltigung, dazu erzwungene Einnahme von Medikamenten, die die Inhaftierten apathisch macht oder vergiftet. Jede Nacht müssen sie stundenlang mit erhobenen Händen an einer Wand stehen und ihre »Sünden« bekennen. Überraschend kommt Sayragul Sauytbay 2018 wieder frei, soll aber kurz darauf als Gefangene ins Lager, deshalb flieht sie nach Kasachstan.

Obwohl Peking mit allen Mitteln versucht, die Entflohene zurückzuholen, und sie bis heute vom chinesischen Geheimdienst bedroht wird, sieht sie es als ihre Aufgabe an, der Welt Zeugnis abzulegen von den chinesischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und sie will die Welt warnen vor der Politik Pekings, das mit »Softpower« wie beim »Seidenstraßenprojekt« großzügige Kredite vergibt, andere Länder in Abhängigkeit bringt und langfristig die Unterwerfung der freien Welt anstrebt. Modell steht dabei Xinjiang – der größte Überwachungsstaat, den die Welt je gesehen hat, in dem Faschismus und Tyrannei regieren.